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Erste Hilfe bei Hitze

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Von: Susanne Sasse

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Professorin Viktoria Bogner-Flatz, Ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes der Landeshauptstadt München
Professorin Viktoria Bogner-Flatz, Ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes der Landeshauptstadt München © Münchner Merkur/tz

Sommersonne satt – was die einen freut, bedeutet für die anderen hohe gesundheitliche Risiken. Welche Gefahren drohen, wie Sie vorbeugen und wann Sie den Notarzt rufen müssen, dazu die wichtigsten Antworten:

Wer muss besonders auf sich aufpassen?

Besonders von Hitze gefährdet sind ältere Menschen, vor allem, wenn sie nicht ausreichend trinken. Aber die Hitzetoleranz kann auch bei Jüngeren erheblich variieren. „Achten Sie auf sich und verhalten Sie sich so, dass Sie bestmöglich durch die heißen Tage kommen, denn in den Krankenhäusern herrscht noch immer Notstand wegen Corona“, appelliert Prof. Viktoria Bogner-Flatz, ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes in der Landeshauptstadt München.

Wie viele Hitzetote gibt es in Deutschland?

Für die besonders heißen Sommer 2018 bis 2020 errechneten Experten eine signifikant gestiegene hitzebedingte Sterblichkeit: „Insbesondere das Jahr 2018 liegt mit einer geschätzten Anzahl von etwa 8700 hitzebedingten Sterbefällen in einer ähnlichen Größenordnung wie die historischen Hitzejahre 1994 und 2003 (jeweils rund 10 000 Sterbefälle)“, schrieben Forschende von Robert Koch-Institut (RKI), Umweltbundesamt (Uba) und Deutschem Wetterdienst (DWD) jüngst im „Deutschen Ärzteblatt“. Für 2019 schätzen sie 6900 hitzebedingte Sterbefälle, für 2020 sind es 3700.

Sonnenstich

Ist der Kopf lange direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, kann dies zu einer Reizung der Hirnhäute (Meningen) und – in schweren Fällen – einem Hirnödem (Hirnschwellung) führen.

Symptome: Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen, Fieber, geröteter Kopf, auch Bewusstseinsstörungen und Krämpfe.

Maßnahmen: Trinken Sie viel und kühlen Sie sich mit kalten Umschlägen ab. Rufen Sie notfalls den Notarzt.

Hitzschlag

Ein Hitzschlag ist auf Sonneneinstrahlung, aber auch durch hohe Außentemperaturen zurückzuführen – besonders gefährdet sind Sportler, warnt Viktoria Bogner-Flatz. Betroffene riskieren einen Wärmestau – auch im Gehirn. Es kann dabei auch zu einer Reizung der Hirnhäute kommen, wodurch das Hirngewebe anschwellen kann. Die Folgen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Im Extremfall kann es auch zu einem Hirnödem kommen, das zur Bewusstlosigkeit führen und sogar tödlich enden kann. Prof. Bogner-Flatz warnt vor anstrengendem Sport in der Hitze, denn unbemerkt kann sich die Körpertemperatur auf 41 Grad hochschrauben, „das ist absolut lebensbedrohlich, es kann zu einem schweren Organversagen und sogar zum Tod kommen, und die Gefahr ist, dass die Betroffnen es erst spät merken“, sagt sie.

Symptome: gerötete, heiße und trockene Haut, Übelkeit, Kopfschmerzen, Bewusstseinsveränderungen und Bewusstlosigkeit.

Maßnahmen: Rufen Sie zuerst den Rettungsdienst (112) und leisten Sie dann Erste Hilfe. Besonders wichtig ist es, für Kühlung zu sorgen – durch Umschläge, kaltes Wasser oder sogar Eiswürfel.

Hitzekollaps

Zu Hitzeerschöpfung oder gar einem Kollaps – also einer Ohnmacht, kommt es, weil sich die Blutgefäße in Armen und Beinen durch die Hitze erweitern und es so zu einem Abfall des Blutdrucks kommt. Die Folge ist eine verminderte Gehirndurchblutung, die wiederum zu Bewusstlosigkeit führt.

Symptome: kurze Ohnmacht, Kopfschmerzen, Schwächegefühl, Schwindel, Übelkeit, Hautrötung verbunden mit starkem Schwitzen, später oft blasse Haut und kalter Schweiß.

Maßnahmen: Rufen Sie sofort den Rettungsdienst (112). Die betroffene Person sollte sich an einem kühlen Ort hinlegen. Kühlen Sie den Körper und sorgen Sie für ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Hautausschlag

Wenn der Schweiß durch die Kleidung nicht ausreichend verdunsten kann, verstopft er die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen. Die Folge sind kleine, juckende oder brennende Bläschen.

Symptome: Kleine rote, juckende Knötchen an Gesicht, Hals, Brustbereich und Leiste.

Maßnahmen: Duschen Sie häufig und tragen Sie leichte Kleidung. Bei starkem Juckreiz helfen Salben und Gels mit Kieselerde oder Zink.

Dehydrierung

Schwitzen oder eine zu geringe Wasserzufuhr können einen spürbaren Wassermangel im Körper verursachen.

Symptome: Durst, Müdigkeit, Lethargie oder Verwirrtheit, verminderte Ausscheidung von stark konzentriertem Urin, Verstopfung, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe.

Maßnahmen: Gleichen Sie die fehlende Flüssigkeit aus, indem Sie viel trinken und wasserhaltige Nahrung zu sich nehmen. Versorgen Sie Ihren Körper zusätzlich mit Elektrolyten. Elektrolyte sind Mineralstoffe (z. B. Natrium oder Kalium), die bei der Steuerung der Nerven- und Muskelfunktion helfen. Auch halten sie den Säure-Basen-Haushalt sowie den Wasserhaushalt stabil. Elektrolyte finden sich in vielen Lebensmitteln wie z. B. in grünem Gemüse, Eiern, Erdnüssen, Mandeln, Geflügel, Käse, Milch und Meeresfrüchten.

Herzrhythmusstörungen

Beim Schwitzen verliert der Körper mit dem Schweiß auch Mineralstoffe wie Kochsalz, Kalium und Magnesium. Ein Mangel kann die Herzzellen so verändern, dass vermehrt Herzrhythmusstörungen auftreten. „Wer Blutdruckmedikamente nimmt, muss doppelt aufpassen“, warnt Prof. Bogner-Flatz.

Symptome: Betroffene fühlen sich schwach und unwohl.

Maßnahme: Rufen Sie den Rettungsdienst (112).

Geschwollene Beine

Hitze beeinträchtigt das Lymphsystem, was zu einer Flüssigkeitsansammlung und schließlich zu einem Überdruck in den kleinsten Blut- oder Lymphgefäßen führen kann. In der Folge tritt Flüssigkeit in das umliegende Gewebe aus und lässt es anschwellen.

Symptome: Ödeme (Schwellungen) in den Unterschenkeln (üblicherweise an den Knöcheln).

Maßnahmen: Die Beine hochlagern, kühlen und nicht zu lange stehen. Ödeme klingen normalerweise ab, sobald sich der Körper an die Hitze gewöhnt hat. Sollten sie gar nicht abklingen, sogar zunehmen oder ungleich verteilt sein, konsultieren Sie Ihren Hausarzt.

Schlaflosigkeit

Beim Schlafen sinkt normalerweise die Körpertemperatur. Das braucht der Körper für seine Ruhephase, in der er die Zellen regeneriert. Ist es im Schlafzimmer zu heiß, kann das zu Schlafstörungen führen.

Symptome: Starke Tagesmüdigkeit

Maßnahmen: Nachts das Schlafzimmer abdunkeln, tagsüber die Rollläden runterlassen und ein Leintuch statt einer Decke verwenden.

Hitzekrämpfe

Durch Sport bei Hitze kommt es zu starkem Schwitzen. Dadurch verliert der Körper Flüssigkeit und Elektrolyte. Elektrolyte sind Mineralstoffe, die dabei helfen, die Nerven- und Muskelfunktion zu steuern – fehlen sie, kommt es zu Krämpfen.

Symptome: schmerzhafte Muskelkrämpfe nach dem Sport in den Beinen und Armen, aber auch im Unterleib

Maßnahmen: Gesunde können Magnesium, Kalzium und Kalium in Form von Brausetabletten einnehmen. Aber Achtung: Menschen, die Diuretika (entwässernde Medikamente) nehmen, müssen einen Arzt konsultieren, warnt Prof. Bogner-Flatz.

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