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Die Bayern zwischen Hoffen und Bangen

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München - Ein Jahr neigt sich dem Ende, das nächste sagt sich an. Es kommt die Zeit der Bilanzen und die der Prognosen. Die Bayern sind zerrissen: Sie vertrauen in den Staat – und sorgen sich um Privates. Sie glauben an ihre Jobs – und fürchten um ihr Geld.

Bayern zwischen Hoffen und Bangen! Vergangene Weihnachten war das anders: Da freuten sich noch mehr Bürger auf das bevorstehende Jahr. Job, Geld, Ehe, Wohnung – in privaten Dingen zeigten sich damals 64 Prozent zuversichtlich für 2009. Heuer sind es mit Blick auf 2010 noch 57 Prozent – größer ist das Minus nur in Hessen und Baden-Württemberg. Das zeigt die Zuversichtsstudie der Allianz. Dieser Pessimismus ist ein Bayer: Während unter den Frauen die Zuversicht leicht wächst, bricht sie bei den Männern von 69 auf 53 Prozent ein!

Tatsächlich trifft die Krise vor allem die männlich dominierten Branchen Bau und Automobil. Und tatsächlich lassen die Meldungen der Woche wenig Gutes erwarten: BMW schickt wieder Tausende in Kurzarbeit. Den Beschäftigten fehlt Gehalt, aber die Mieten steigen weiter. Die anderen Deutschen erwarten im Schnitt eine vollere Haushaltskasse. Die Krise kommt unter den bayerischen Dächern an.

Der Autor der Studie, Prof. Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim, stellt fest: „Die Rahmenbedingungen in Bayern sind ungünstig: Leicht ansteigende Arbeitslosigkeit, Gewinneinbrüche bei BMW und Quelle-Insolvenz schaffen eine beunruhigende Ausgangslage.“ Die Münchner zeigen sich im Privaten grundsätzlich pessimistischer als die anderen Bayern, das hatte eine Vorgänger-Studie im Sommer ergeben.

Immerhin: Wenn die Bayern an die Wirtschaft in ganz Deutschland denken, wächst die Hoffnung ein wenig. „Der Erfolg der Vergangenheit und die gute Infrastruktur geben den Bayern die nötige Sicherheit, um in die langsame Verbesserung der Lage zu vertrauen.“ Allerdings hinken die Bayern auch hier hinterher: Das Vertrauen in die Wirtschaft steigt zwar von 16 auf 19 Prozent. In ganz Deutschland verdoppelt es sich aber fast von 13 auf 22 Prozent. Prof. Brettschneider macht Hoffnung: „Die Zuversichtswerte sind eine gute Basis für einen Aufschwung im neuen Jahr.“

DAC

Anderen geht es nicht so gut

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Caro Schreckenbauer und Jakob Ströher (beide 20) aus München. © Ralf Kruse

Wir beide schauen im Moment wirklich positiv in die Zukunft. Das hängt aber auch mit unserer persönlichen Situation zusammen. Ich habe eine ganz tolle Stelle als Floristin hier in München gefunden, und Jakob hat einen Studienplatz als Audioingenieur angetreten. Dann haben wir auch unsere Wohnsituation klären können und haben jetzt eine bezahlbare Wohnung. Letztes Jahr waren wir viel weniger zuversichtlich, weil wir einfach noch gar nicht wussten, wie es weiter gehen soll mit uns. Jetzt passt alles. Eigentlich geht es auch den Menschen in unserem persönlichen Umfeld gut. Trotzdem merkt man, dass die Menschen in Deutschland und auch in Bayern teilweise sehr negativ in die Zukunft sehen und die Stimmung nicht bei allen so gut ist, wie bei uns beiden.

Caro Schreckenbauer und Jakob Ströher (beide 20) aus München

Ich sehe das nächste Jahr positiv

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Frederic Gorges (39) aus München © Ralf Kruse

Ich sehe positiv in Richtung 2010. Ich finde auch, dass man eine solch positive Einstellung braucht. Ich bin Kommunikationsdesigner und hof- fe, dass es in meinem Beruf aufwärts geht. Wenn man etwas erreichen will, darf man aber nicht stehen bleiben und nur negativ in die Zukunft sehen. Man muss daran arbeiten, dass es besser wird. Das kann aber nicht jeder: Um mich rum sind schon viele Menschen schlechter Stimmung. Aber ich habe das Gefühl, dass es zum Ende dieses Jahres schon besser geworden ist.

Frederic Gorges (39) aus München

Ich habe ein wenig Angst vor 2010

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Elisa Bogovic (26) aus München © Ralf Kruse

Eigentlich habe ich mir über das Jahr 2010 und was mich dort erwarten könnte noch gar nicht so richtig Gedanken gemacht. Das kann man auch positiv sehen: Es gibt nichts, das mich konkret belastet. Ich bin Erzieherin, und die Einrichtung, in der ich arbeite zieht um – ein beruflicher Neuanfang. Ansonsten ist noch alles offen. Dieses Jahr war bei mir insgesamt eigentlich sehr gut. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich generell ein wenig Angst vor 2010 habe. Es gibt keinen speziellen Grund, aber vielleicht kann es ja nicht so gut weitergehen wie 2009.

Elisa Bogovic (26) aus München

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