1. tz
  2. München
  3. Stadt

Es geht um Millionen: Ringen um das Rischart-Haus

Erstellt:

Von: Bettina Ulrichs, Nadja Hoffmann

Kommentare

Riesiges Areal: Auf dem Rischart-Grund gibt es auf 3100 Quadratmetern mehrere Wirtschaftsgebäude
Riesiges Areal: Auf dem Rischart-Grund gibt es auf 3100 Quadratmetern mehrere Wirtschaftsgebäude © Schlaf

Luxus-Appartements oder bezahlbare Wohnungen? Noch ist unklar, was bald an der Buttermelcherstraße 16 entstehen wird. Dort verkauft die Bäckerei Rischart ihren bisherigen Firmensitz. Die Stadt ist einer Bieter.

Über 100 bezahlbare Wohnungen mitten im Gärtnerplatzviertel: Geht es nach den Fraktionen im Stadtrat, sollen sie an der Buttermelcherstraße 16 entstehen. Dort, wo bislang die Bäckerei Rischart ihren Firmensitz hat. Das Traditionsunternehmen baut eine neue Backstube an der Theresienhöhe. Deshalb steht das weitläufige Areal an der Buttermelcherstraße zum Verkauf. Die Frage ist nun, ob die Stadt den Zuschlag bekommt. Oder ob Rischart Geld dem Vorzug gibt - sprich einem Investor, der den Maximalpreis zahlt.

2019 ist ein Kaufdeal bereits geplatzt

Die Befürchtung: Dann würden noch mehr Luxuswohnungen entstehen, die zur Gentrifizierung beitragen und den Status des Viertels als Erhaltungssatzungsgebiet gefährden. „Es ist bedeutend, in dem Viertel bezahlbaren Wohnraum sicherzustellen“, unterstreicht Christian Müller, Fraktionsvorsitzender der SPD. Und spricht damit dem Koalitionspartner der Grünen aus dem Herzen. „Die Mehrheit im Stadtrat ist dafür, dass die Stadt den Grund kauft“, sagt auch Sibylle Stöhr. Ein Vorhaben, das aus zwei Gründen besonders ist. Grund eins: Rischart plant den Verkauf nicht erst seit gestern. Schon 2019 hätte die Stadt das 3100-Quadratmeter-Areal haben können. 79 Millionen Euro waren der SPD/CSU-Fraktion aber zu teuer. „Das war damals kein Schnäppchen“, erklärt Müller. Trotzdem würden die Sozialdemokraten einem Kauf jetzt wohl zustimmen. Dafür spricht, dass es für das Gelände und 125 Wohnungen bereits einen Bauvorentscheid gibt. Und: Auch das Nebenhaus ist bereits in städtischer Hand.

Warum hat kein Tausch stattgefunden?

Grund zwei: 2017, zwei Jahre vor dem geplatzten Kaufgeschäft, sind das Rathaus und Rischart an anderer Stelle einig geworden: An der Ecke Theresienhöhe und Hans-Fischer-Straße, wo auf 5400 Quadratmetern die neue Bäckerei bis 2024 entsteht. Damals wären bessere Verhandlungen möglich gewesen, meint Linken-Fraktionschef Stefan Jagel. Die Stadt hätte eine Art Grundstückstausch mit Blick auf die Buttermelcherstraße anbieten können. „Das wäre rechtlich nicht möglich gewesen“, sagt  Müller. Jagels Meinung dazu: „Blödsinn“. Nach dem Grundstücksdeal 2017 an der Theresienhöhe sieht Jagel Rischart jetzt „in der Verantwortung“, der Stadt den Grund an der Buttermelcherstraße erneut anzubieten. Die Linken haben Anfang Juli per Antrag gefordert, die Kaufverhandlungen aufzunehmen. Zuvor hatte die Süddeutsche Zeitung über das Thema berichtet. Wie das Kommunalreferat bestätigt, finden bereits Gespräche statt. Mehr Infos gibt es nicht: „Alle Interessenten mussten sich verbindlich zu strenger Vertraulichkeit verpflichten.“
Für den Fall, dass es wieder nicht zu einer Einigung kommt, liegt schon der zweite Antrag der Linken bereit. Für einen sektoralen Bebauungsplan. Mit diesem Instrument könnte festgelegt werden, dass private Investoren nicht freie Hand haben. Dann müssten bis zu 60 Prozent der neuen Wohnungen an der Buttermelcherstraße auch bezahlbar sein.

Auch interessant

Kommentare