Jetzt entscheiden die Gäste

Es wird wieder geraucht

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Dieses Schild im Memminger Lokal "Pils-Treff" ist kein Scherz. Weil der Wirt das Rauchen in seiner Kneipe als "künstlerische Darbietung" deklariert, darf drinnen legal gepafft werden.

„Unsere Gäste haben beschlossen, dass ab 1. März wieder geraucht wird.

Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur.“ Kurz und bündig formuliert der Betreiber der Gaststätte Großwirt in Neuhausen, wie das vom Gesetzgeber verhängte totale Qualmverbot umgangen werden kann. Ganz legal. Tägliche „Vereinssitzungen“, etwa des bayernweiten Vedbwk, und Raucherclubs gibt es in Hunderten von Münchner Gaststätten, die keine reinen Speiselokale sind. Computerfreaks haben inzwischen sogar dafür gesorgt, dass man Paff-Oasen im Internet über Google Earth orten kann!

Rund 1000 der insgesamt 8000 Münchner Lokale haben Inspektoren des Kreisverwaltungsreferates seit Beginn des Jahres kontrolliert. In etwa einem Drittel haben sich die Wirte Lösungen für das Problem einfallen lassen. Wie eben der Großwirt-Wirt. Den ganzen Januar und Februar hindurch hat er mit wachsendem Ingrimm zugeschaut, wie sich die Zahl seiner Stammkunden um rund 30 Prozent reduzierte. „Die überwiegende Mehrheit“ sei dafür, dass zumindest im Hauptraum mit Theke und Stehtischen wieder gequalmt werden dürfe. Seitdem das so ist, habe sich der Umsatz wieder normalisiert.

Für KVR-Referent Wilfried Blume-Beyerle ist das Vorgehen dieses Gastronomen „noch am leichtesten nachvollziehbar“. Der Gesetzgeber habe ja solche Ausnahmen vom generellen Rauchverbot erlaubt. „Die Voraussetzung sind eine Mitgliedschaftsstruktur, Ausweise und Zugangskontrollen.“ Faktisch habe sich genau die Situation ergeben, die ein weniger strenges Gesetz auch bewirkt hätte, stellt Blume-Beyerle fest: Es gibt Raucherräume in größeren Lokalen und Einraum-Gaststätten entscheiden, ob geraucht werden darf oder nicht – über den Umweg Raucherclub oder Verein. Wenigstens hielten sich deshalb auch Klagen von Nachbarn über vor den Lokalen rauchende und lärmende Gäste in Grenzen.

Der Gesetzgeber baue in dieser Anfangsphase auf die soziale Kontrolle, so der Referent, gar nicht so sehr auf ein Eingreifen der Ordnungsbehörde. Das KVR habe noch kein Bußgeldverfahren gegen einen Wirt zu Ende geführt, so Blume-Beyerle. Auf der anderen Seite bekomme er zunehmend Beschwerden von Nichtrauchern und Wirten, die sich ans Gesetz halten wollen und sehen, wie sie gegenüber Kollegen ins Hintertreffen geraten. Immer drängender stellt sich dem Ordnungshüter die Frage, wie er das löchrige Gesetz vollziehen soll.

Zwei Jahre lang soll die Behörde ihre Erfahrungen protokollieren und dann der Regierung nach diesem Probelauf ihre Ergebnisse mitteilen. Blume-Beyerle: „Dann erkennt der Gesetzgeber entweder: Es läuft anders, als wir dachten, und er ändert das Gesetz – was er natürlich auch schon früher machen könnte.“

Die Alternative wäre folgende: Der Freistaat finanziert dem Kreisverwaltungsreferat zusätzliches Personal. „Mit 200 Leuten können wir eine Raucherpolizei aufbauen, die jeden Abend durch die Kneipen patrouilliert.“ Zur Erinnerung: Die Bekämpfung des Terrorismus war der Regierung Mittel für knapp 50 Mitarbeiter wert.

tz München

Quelle: tz

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