Täter inszenierte einen Raubmord – doch offenbar kannte die schöne Frau ihren Mörder gut

Esmeraldas Geheimnis

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Das Luxus-Callgirl ertrank in der Badewanne.

München - Den Nachbarn waren die häufigen Männerbesuche natürlich nicht entgangen.

Weil Dagmar Bohn-Knirim (50) aber eine gepflegte und höfliche Frau war und ihre Besucher durchwegs „bessere Herren“ waren, sah man in dem Mietshaus in der Augustenstraße diskret über den regen Verkehr bei der Schönheit im dritten Stock hinweg. Bis die attraktive „Esmeralda“ – unter diesem Namen war sie bei diversen Begleit-Service-Unternehmen als Callgirl der Luxusklasse gebucht – am 29. März 1993 ermordet in der Badewanne der Zweizimmer-Wohnung lag. Der Mörder hatte sich Mühe gegeben, einen Raubmord zu inszenieren. Bis heute jedoch sind sich die Ermittler einig, dass der Schlüssel zu diesem Fall vielmehr in einer engen Beziehung zwischen Täter und Opfer zu suchen ist.

Dagmar Bohn-Knirim wurde 1943 in Ostpreußen geboren. Doch sie wirkte wie eine rassige Südländerin und sah 20 Jahre jünger aus, als sie tatsächlich war. Ihr schöner Körper ermöglichte ihr ein Leben in Wohlstand. Reich geworden war Esmeralda damit nicht. Und glücklich wohl auch nicht. Sie konnte ziemlich kapriziös und zuweilen auch mal aggressiv sein. Diesen Umstand führten Freunde aber auf ihren hohen Tablettenkonsum zurück, mit dem Esmeralda schlechte Stimmung zu bekämpfen pflegte.

Esmeraldas Bekanntenkreis war naturgemäß riesig, zumal sie regelmäßig in Schwabinger Kneipen zu finden war. Echte Freundschaften hielten sich aber offenbar in Grenzen. Ein Juwelier aus der Nachbarschaft zählte dazu. Er hatte ihr den Schmuck verkauft, den Esmeralda so gut wie immer trug. Bis 1992 goss er für sie sogar die Blumen, wenn sie verreist war. Dann jedoch gab er ihr den Schlüssel zurück: „Mir wurde das unheimlich. Ich hatte irgendwie eine Ahnung“, sagte er kurz nach der Tat zu Journalisten. Diese Ahnung hatte Esmeralda selbst geschürt: „Sie hatte immer Angst, überfallen oder umgebracht zu werden.“

Als ihr engster Vertrauter galt ein verheirateter Gärtner, den die Nachbarn mit gutmütigem Spott „Esmeraldas Sklave“ nannten. Er hatte die schöne Frau abgöttisch geliebt und war ihr regelrecht hörig. Er hatte zuletzt den Zweitschlüssel zu ihrer Wohnung, brachte ihr oft Semmeln und Medikamente und schenkte ihr zuweilen schönen Schmuck.

Er war es auch, der Esmeralda am 30. März 1993 fand. Das Badewasser war so rot wie der Body, den sie noch trug. Die Farbe rührte von einer klaffenden Kopfplatzwunde her, die stark geblutet hatte. Doch tödlich war die Verletzung nicht. Vielmehr hatte ihr Mörder sie bewusstlos in der Badewanne ertrinken lassen. Das ist nicht die Handschrift eines eiskalten Raubmörders – ebenso wie der wahllos aufs Bett geworfene Koffer und die Pelze und das scheinbar durchwühlte Nachtkästchen, in dem das Callgirl lediglich Sex-Utensilien, aber sicherlich keine Reichtümer verwahrte. Außerdem war ihr ganzes Bargeld noch da. Nur ein wenig Schmuck fehlte.

Als Tatzeit ermittelten Gerichtsmediziner den Nachmittag oder frühen Abend des 29. März. Zum ausgemachten Arzttermin erschien sie nicht mehr, und auch Kunden hatte sie vermutlich so knapp vorm Arztbesuch nicht mehr. Einen Fremden wird sie derart leicht bekleidet kaum empfangen haben. Alles spricht dafür, dass Esmeralda ihren letzten Besucher gut kannte. Und dass es dann zu einer höchst emotionalen Auseinandersetzung kam.

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Dagmar Bohn-Knirim hatte mit ihrem Mörder gekämpft. Darauf wiesen blutige Wischspuren an einem Sessel hin. Der schwere Schlag auf den Kopf traf sie offenbar im Wohnzimmer – dort war eine große Blutlache auf dem Teppich. Die Tatwaffe dazu wurde jedoch nie gefunden.

Eine Serie von Dorita Plange

Quelle: tz

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