Ist das sittenwidrig?

Bachmaier muss wegen dieses Fotos blechen

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Ein Foto, das das KVR auf Trab brachte: Ein Mann räkelt sich unter Melanie.

München - Nach der Drogen-Razzia ließ Promi-Wirt Hugo Bachmaier die Puppen tanzen. Für das KVR war es zu viel. Sie entsendete einen Bußgeld-Bescheid über 700 Euro.

Kunst oder Sauerei? Als die Ordnungshüter vom Kreisverwaltungsreferat am 22. Juli 2011 dieses Foto in der tz mit der Schönen an der Stange sahen, war der Fall klar: Kategorie zwei, ein Verstoß gegen Paragraf 33a der Gewerbeordnung! Promi-Wirt Hugo Bachmaier, in dessen Lokal Hofbräu in der Leopoldstraße das Bild von der rauschenden Party entstanden war, bekam ein Bußgeld von 700 Euro aufgebrummt.

Vor dieser Party hatte Bachmaier Besuch von der Polizei gehabt: Drogen-Razzia! Die leidige Angelegenheit ist inzwischen Schnee von gestern. Der 54-jährige Gastwirt, dem die Staatsanwaltschaft Erwerb von Kokain zur Last legte, wurde im April freigesprochen.

Das laufende Ermittlungsverfahren hat ihn nicht davon abgehalten, eine heiße Party steigen zu lassen. Sinnigerweise stand diese unter dem Motto: Dresscode ist Weiß. Im Mittelpunkt stand – genauer gesagt hing – die Pole-Tänzerin Melanie Mosler. Nach den Klängen heißer Rhythmen räkelte sie sich kunstvoll um eine senkrechte Stange. Die 33-jährige Münchnerin versteht sich als Sportlerin (siehe unten). Mit Schmuddelkram habe Poledancing absolut nichts zu tun, betont die Europameisterin: „Das ist Akrobatik an der Stange.“

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„Ich bin schon lange mit ihr befreundet“, sagt Hugo Bachmaier der tz und schwärmt: „Sie hat eine sehr sportliche und durchtrainierte Figur.“ Klar, für Tabledancing habe er eine Genehmigung einholen müssen. „Aber das ist für meine Begriffe eindeutig eine künstlerische und sportliche Darbietung.“ Die sei nicht genehmigungspflichtig. Und das Foto mit dem Herrn, der sich mit Melanie Mosler beschäftigt? Bachmaier: „Das war nur ein kurzer Spaß, eine Momentaufnahme.“

Anders sieht man das allerdings beim KVR. „Das war keine Sportveranstaltung“, erklärte Sprecherin Daniela Schlegel zur tz. „Es ging um das Amüsement der Gäste, egal, wie man Poledancing bewertet. Das ist genehmigungspflichtig.“

Möglicherweise sah dies der zuständige Amtsrichter genauso. Auf Rat seines Anwalts Peter Guttmann zog Bachmaier seinen Einspruch, über den heute verhandelt werden sollte, gegen den Bußgeldbescheid zurück. Guttmann: „Der Aufwand wäre zu groß gewesen.“

Von wegen Schmuddel: Hier erklärt die Tänzerin ihren Sport

Wenn sich Melanie Mosler rhythmisch um die senkrechte Stange windet, könnte man glauben, das Gesetz der Schwerkraft habe keine Gültigkeit. Mal hängt die 33-Jährige kopfüber, macht einen Spagat, mal schwingt sie sich, nur mit den Beinen festklammernd, elegant um die Stange. Sie ist überzeugt: „Poledancing ist der Trendsport in den nächsten Jahren.“

In den USA, Kanada und England sei diese Akrobatik bereits ein angesagter Fitness-Trend und beinahe in jedem Studio vertreten. Melanie Mosler: „Sogar Stars wie Teri Hatcher und Eva Longoria, Angelina ­Jolie, Kate Hudson und die Pussycat Dolls haben diesen Fitness-Trend bereits für sich entdeckt.“

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Seit 2007 unterrichtet sie in München vor allem junge Frauen (Internet: www.poleworkx.de). „Aber ich hatte auch schon Kurse mit Männern.“ Poledancing sei eine Kombination aus Körperspannung, Kraft und Ausdauer. „Die Stange ist ein ideales Fitness-Instrument“, schwärmt sie.

Melanie Mosler hat den Sport zur Perfektion gebracht: Bei den Europameisterschaften im Oktober 2010 in Essex (England) setzte sich die Münchnerin vor der Favoritin aus Frankreich durch.

Mit Schmuddelkram, so die Europameisterin, habe dieser Sport nichts zu tun: „Das ist kein Striptease, wie man es aus den Tabledance-Lokalen kennt. Damit will ich nicht in Verbindung gebracht werden.“ Aber erotisch ist der Sport schon, oder nicht? Auf die Frage der tz reagiert sie lachend: „Lateinamerikanische Tänze sind ebenso erotisch.“

Ein Bikini gehöre zur Grundausstattung bei diesem Sport. „Man braucht Hautkontakt zur Stange“, so Melanie Mosler zur tz. „Mit Textilien würde ich abrutschen.“

Was war mit dem Herrn bei der Bachmaier-Party, der sich unter ihr räkelt? „Der hat sich nur für eine Sekunde unten hingelegt. In diesem Moment hat der Fotograf draufgedrückt“, so die Tänzerin.

Ihr wäre es lieber geswesen, das Bild wäre nicht in der tz erschienen. Denn wegen dieses Fotos hatte Hugo Bachmaier Ärger mit dem KVR bekommen. Der Mann habe ihr einen Geldschein zugesteckt, sie betont aber: „Ich habe das Geld nicht genommen!“

Eberhard Unfried

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