Ex-Anlegerschützer steht vor Münchner Gericht

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Markus S. am Montag vor Gericht

München - Der ehemalige Vizechef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger Markus Straub muss sich seit Montag wegen möglicher Manipulation am Aktienmarkt vor dem Landgericht München verantworten.

Oft hat Markus Straub seine Stimme für Kleinaktionäre erhoben und Missstände in Unternehmen angeprangert. Nun steht der Ex-Vizechef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger selbst vor Gericht - wegen des Verdachts von kriminellen Börsengeschäften mit Millionensummen in München. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Vizechef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) Insiderhandel und Marktmanipulation vor.

Zusammen mit einem mitangeklagten Herausgeber von Börsenbriefen soll der 42-jährige Diplom-Volkswirt Aktienkurse von Unternehmen gezielt beeinflusst und damit ein Vermögen verdient haben. Straub wies die Vorwürfe zum Prozessbeginn am Montag zurück, seine Anwälte streben einen Freispruch an.

Seit einer großangelegten Razzia im Herbst 2010 sitzen die beiden Angeklagten in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen gegen sie sowie weitere Beteiligte einer Clique aus Aktionärsvertretern und Finanzautoren galten als größter Schlag gegen organisierte Kursmanipulationen in Deutschland. In der vergangenen Woche waren zwei Angeklagte bereits zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden. Sie hatten gestanden, Aktienkurse manipuliert zu haben.

Straub hingegen ist aus Sicht seiner Verteidiger unschuldig. Der Vorwurf der Marktmanipulation entbehre jeder Grundlage und der des Insiderhandels verkenne die Struktur und Wirklichkeit an der Börse, erklärte seine Anwältin Simone Kämpfer: “Herr Straub hat niemanden getäuscht und erst recht niemanden geschädigt.“ Der Prozessbeginn sei ein guter Tag für Straub, weil er sich endlich öffentlich gegen die Vorwürfe verteidigen könne.

Straub war von 1999 bis zu seinem Rücktritt 2008 im Vorstand der SdK und hatte in seiner Rolle als Redner auf Hauptversammlungen ein hohes Ansehen bei vielen Aktionären. “Wir haben sehr viele Skandale aufgedeckt“, betonte er in einer Erklärung vor Gericht.

Laut Anklage hat er seine Funktion aber zusammen mit dem Börsenbrief-Herausgeber auch für eigene Interessen genutzt. Unter anderem sollen die beiden im Herbst 2006 mit ihrem Privatvermögen auf fallende Kurse bei dem Motorenhersteller Thielert gesetzt haben. Im Oktober setzte Straub demnach über den Presseverteiler der SdK eine Mitteilung ab, in der Anlegern dazu geraten wurde, die Aktie zu verkaufen. “Die SdK-Veröffentlichung war, wie vom Angeschuldigten beabsichtigt, geeignet, den Kurs der Aktie zu beeinflussen und hat ihn beeinflusst“, heißt es in der mehr als 80 Seiten dicken Anklageschrift.

Zwei Monate später soll Straub noch einmal nachgelegt und - wieder im Namen der SdK - vor einem Totalverlustrisiko mit den Aktien gewarnt haben. Zu diesem Zeitpunkt hielt er der Anklage zufolge selbst Optionen auf fallende Kurse im Wert von sechs Millionen Euro. Durch den Kursrutsch legten diese um mehr als eine halbe Million Euro an Wert zu.

Eine ähnliche Masche sollen die Angeklagten auch bei dem Bezahldienstleister Wirecard verfolgt haben. In diesem Fall soll auch Straubs Rechtsanwalt Harald Petersen von den Aktiengeschäften gewusst haben. Da wegen Mittäterschaft auch gegen ihn ermittelt wird, hatten die Verteidiger unmittelbar vor Prozessbeginn die Aussetzung des Verfahrens beantragt. Das Gericht lehnte den Antrag aber ab, da der Anklagekomplex Wirecard vom laufenden Verfahren abgetrennt wurde. Petersen, der vor wenigen Tagen aus dem Vorstand der SdK zurückgetreten war, wies die Vorwürfe gegen ihn entschieden zurück.

Der angeklagte Börsenbrief-Herausgeber hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zudem in zahlreichen Fällen Werbekampagnen für Aktien in Auftrag gegeben, die er selbst besaß. Meist suchte er sich demnach Firmen aus, die kaum bekannt waren oder deren Kurse sehr niedrig waren. Auch er widersprach den Vorwürfen und erklärte, er habe niemals falsche Informationen verbreitet. Für den Prozess sind bislang 30 Verhandlungstage bis Mai geplant.

dpa

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