Ex-Chef der HRE kämpft um Millionengehalt

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Georg Funke war ehemals HRE-Chef

München - Zwei Jahre nach der Fast-Pleite der Hypo Real Estate blickt der Ex-Chef erwartungsvoll nach München: Am Freitag entscheiden Richter über seine Klage auf Nachzahlung seines Millionengehalts.

Bei der maroden Immobilienbank Hypo Real Estate halten nicht nur die aktuellen Manager trotz Milliardenverlusten die Hand auf: Auch der frühere Chef Georg Funke will Geld von der HRE, obwohl das Unternehmen unter seiner Leitung fast kollabiert war. Funke musste die Bank auf dem Höhepunkt der Krise im Herbst 2008 zwar verlassen, klagte vor dem Landgericht München aber zusammen mit dem ehemaligen Finanzvorstand auf Fortzahlung seines Millionengehalts. An diesem Freitag (15. Oktober) will das Landgericht München eine Entscheidung verkünden.

Sollten die Manager gewinnen, müssten die Steuerzahler für die Rechnung aufkommen, da die HRE inzwischen vollständig dem Staat gehört. Die Chancen der früheren Vorstände stehen nicht schlecht, da sie sich auf ihre Arbeitsverträge berufen können. “Wenn der Arbeitsvertrag wasserdicht ist, führt daran kein Weg vorbei“, sagt Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Unabhängig von einem möglichen Rechtsanspruch wird die Klage das Ansehen der Manager in Deutschland aber sicher nicht fördern. “Glücklich sind wird damit nicht.“

Ende September erst hatten satte Bonuszahlungen bei der HRE für Empörung gesorgt: Die Immobilienbank hatte ihren Mitarbeitern trotz eines Milliardenverlusts im vergangenen Jahr 25 Millionen Euro an Boni ausgezahlt. Und auch im Alter müssen die ehemaligen HRE-Manager nicht darben: Funkes Nachfolger Axel Wieandt, der es keine zwei Jahre bei der HRE aushielt, steht als Rentner eine jährliche Pension von 240 000 Euro zu - Vertrag ist Vertrag.

Um ihr Image machen sich viele Banker bei diesen Summen keine Sorgen. Der Ex-Kapitalmarktchef der Investmentbank Dresdner Kleinwort kassierte 3,0 Millionen Euro Bonus, obwohl sein Geschäftsbereich 2008 einen operativen Verlust von 5,7 Milliarden Euro schrieb. Vor Gericht erstritt er weitere 1,5 Millionen, die ihm bei seinem Ausscheiden aus der Bank Ende 2008 vertraglich zugesichert, später aber von der Dresdner-Bank-Käuferin Commerzbank verweigert worden waren.

Auch Funke sieht sich im Recht. Der gebürtige Gelsenkirchener stand seit der Gründung der HRE an der Spitze des einstigen DAX- Konzerns und wurde nach der knapp verhinderten Pleite entlassen, obwohl sein Arbeitsvertrag eigentlich noch bis zum September 2013 läuft. Sein darin vereinbartes Festgehalt beträgt laut Geschäftsbericht 800 000 Euro pro Jahr - darum kämpft er vor Gericht. Zum Auftakt des Prozesses im Mai hatte das Gericht bereits angedeutet, dass die Kündigung des Ex-Managers auf Basis vorliegender Dokumente unwirksam gewesen sein könnte.

Insgesamt geht es in dem Verfahren um millionenschwere Gehalts- und Pensionsforderungen. In einem ersten Teil des Prozesses fordert Funke lediglich zwei Monatsgehälter, eine Entscheidung dazu wird in dem sogenannten Urkundsprozess am Freitag erwartet. In diesem Verfahren werden Beweise nur durch Urkunden, also Verträge oder andere Schriftstücke, vorgelegt. Ob sein Arbeitsverhältnis aber wirklich wirksam durch einen wichtigen Grund beendet wurde, muss in einem anderen Teil des Verfahrens geklärt werden. Dazu wird das Gericht voraussichtlich Zeugen und Sachverständige hören.

Derzeit laufen gegen Funke auch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und unrichtige Darstellung der Unternehmensverhältnisse. Außerdem gehen die Ermittler dem Verdacht der Untreue nach. Aktionäre hatten ihm vorgeworfen, viel zu spät auf die desolate Lage des Unternehmens hingewiesen und ihnen damit massive Aktienkursverluste eingebrockt zu haben.

Zum Prozess am Freitag wird Funke wohl nicht persönlich erscheinen. Seit dem Rauswurf bei der HRE ist der Familienvater von der Bildfläche verschwunden. Seine beiden Luxus-Villen in München hat er zum Preis von mehreren Millionen Euro verkauft; er soll inzwischen im Ausland leben. Den Anruf seines Anwalts aus dem Gericht dürfte er an seinem neuen Wohnsitz wohl mit Spannung erwarten.

dpa

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