„Ich habe großen Schaden angerichtet“

Ex-Häftling gründet Hilfsverein für entlassene Straftäter

Thomas Jakob Renner hilft jetzt entlassenen Strafgefangenen.

Sein Leben war geprägt von Alkohol- und Drogen-Exzessen, von Straftaten, vom Gefängnis.

Aber jetzt will Thomas Jakob Renner, inzwischen 38 Jahre alt, weg von der schiefen Bahn. Er hat sich drei Ziele gesetzt: Nie wieder mit dem Gesetz in Konflikt kommen, die Schauspiel-Ausbildung beenden und an einer Karriere bei Film oder Fernsehen arbeiten. Und: Er ist dabei, einen Verein zu gründen, der entlassenen Strafhäftlingen auf dem Weg in ein vernünftiges Leben hilft.

„Ich habe großen Schaden angerichtet“, sagt Renner. „Mit dem Verein Subsidium e. V. möchte ich wieder einiges gutmachen.“ Gut zu machen habe er viel, auch bei der Gesellschaft, auf deren Kosten er lange gelebt habe und die ihm so viele Chancen gab.

Bis zu seiner Verhaftung im Jahre 2005 hat er es auf 20 Vorstrafen gebracht. Es sei ein Leben auf der Überholspur gewesen, mit wilden Partys, mit viel Alkohol und Kokain.

Dabei hat er alle Chancen gehabt für ein bürgerliches Leben. Schon als junger Mensch habe er als Verkäufer super verdient – bis zu 10 000 Euro im Monat. Sein schauspielerisches Talent habe ihm dabei viel geholfen.

Doch das Geld ging wieder drauf. Und noch mehr. Er warf es mit vollen Händen aus dem Fenster, auch Geld, das ihm nicht gehörte. Wegen Betrügereien geriet er so immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, erzählt Renner. Er kam nach Landsberg in Haft. „Doch das hat mich nicht von neuen Taten abhalten können.“ Ein Serien-Straftäter, offenbar unverbesserlich.

Am 30. September 2005 wollte Renner auf dem Oktoberfest feiern. Doch plötzlich umringten ihn Polizisten, Handschellen klickten. Er war nicht zu einer Gerichtsverhandlung erschienen, nun gab es einen Haftbefehl. „Als ich auf der Wiesnwache war, konnte ich zum ersten Mal richtig durchschnaufen“, erinnert sich Renner. „Diese Verhaftung war für mich emotional sehr einschneidend. Ich kam mir vor, als sei ich von einem Kran aus einem falschen Dasein gehoben worden.“

Wegen Betrugs (er hatte eine Anzahlung für ein Auto nicht weitergegeben, sondern versoffen) und Trunkenheit im Straßenverkehr wurde Renner zu zweieinhalb Jahren Haft sowie zur Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt. Renner: „Es kamen noch zwei offene Bewährungen hinzu, die widerrufen wurden. Das machte zusammen fast fünf Jahre.“

Stadelheim, Bernau, Kaisheim – er kennt diese Haftanstalten von innen. Und zuletzt Haar, wo er sein Suchtproblem in Griff kriegen sollte. Das sei für ihn eine harte Probe gewesen: „Die Ärzte glaubten, ich spiele ihnen was vor.“ Im Nachhinein betrachtet sei er seinen Therapeuten freilich dankbar.

Nun ist Renner nach vielen kleinen Schritten wieder in Freiheit – auf Bewährung. Die Auflagen sind hart, unter anderem muss er sich regelmäßigen Drogen-Tests unterziehen. Er habe jetzt einen Job als Vertriebsmanager bei einer Telekommunikationsfirma. Aber: „Meine Berufung ist die Schauspielerei. Nun hole ich meine Ausbildung nach.“ Und wenn es beim Theater, Film oder Fernsehen nicht klappt? Renner: „Dann habe ich immer noch meinen Job.“

Wichtiges Anliegen ist für ihn nun die Gründung des Vereins Subsidium, bei dem sein Rechtsanwalt Dr. Adam Ahmed (er verteidigte auch den Mosi-Mörder) und eine Sozialpädagogin mitmachen. Viele entlassene Strafgefangene, so Renner, brauchen Hilfe: „Manche stehen mit ihren Plastiktüten am Bahnhof von Bernau und wissen nicht wohin. Dann kaufen sie sich erst mal einen Schnaps und schon gehen die Probleme von vorne los.“ Der Verein werde weiterhelfen, etwa bei der Suche nach einem Job und einer Wohnung. Renner: „Viele wissen nicht, an wen sie sich wenden können.“

„Wenn wir auch nur einem helfen können, dann ist es einer weniger, der der Gesellschaft zur Last fällt“, betont der Ex-Häftling. „Ich stehe den Leuten mit meinen ganzen Erfahrungen zur Verfügung.“ Das mache er nicht ganz uneigennützig: „Für mich ist das ein wichtiger Teil meiner persönlichen Resozialisierung.“

Eberhard Unfried

Quelle: tz

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