Ex-Manager verklagt Deutsches Herzzentrum

"Ärzte haben mein Leben verpfuscht"

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Josef L.

München - Es sollte nur ein kleiner Eingriff an seinem Herzen werden. Aber Josef L. (60) kostete eine Routine-OP beinahe sein Leben!

Am Donnerstag klagte der Regensburger vor dem Oberlandesgericht (OLG) gegen das Deutsche Herzzentrum. „Ich bin durch die OP beinahe gestorben. Heute bringt mein Herz nur noch die halbe Leistung. Mein Leben hat sich dadurch dramatisch verändert“, sagt Josef L. Er musste seinen Job als Manager aufgeben. „Teilweise konnte ich kaum noch spazieren gehen und Treppensteigen.“ Nun fordert er Schadenersatz und will, dass das Gericht einen Behandlungsfehler anerkennt.

Denn seine Krankengeschichte ist kaum zu glauben: Beim Bergsteigen geht Josef L. immer öfter die Puste aus – obwohl er topfit ist. Eine Untersuchung ergibt: Seine Herzklappen sind verschlissen. „Die Ärzte rieten mir zu einem minimalinvasiven Eingriff. Ich stimmte zu“, sagt er.

Im Deutschen Herzzentrum (o.) ließ sich Josef L. operieren.

Solche Operationen gehören heute zum Standard. Über den Bauchraum dringen Ärzte mit winzigen Geräten zum Herzen vor. Der Vorteil: Es wird weniger Gewebe in Mitleidenschaft gezogen und der Körper erholt sich schneller. Bei Josef L. geht die OP am 3. Januar aber gründlich schief. „Bei mir wurden leider Herzkranzgefäße verschnürt. Dadurch erlitt ich einen Herzinfarkt“, sagt Josef L. „Für mich bestand akute Lebensgefahr.“

Am Morgen nach dem Eingriff fühlt er sich schlecht. „Trotzdem schickten mich die Ärzte nach Hause.“ Wenig später ruft er den Notarzt, muss wieder in die Klinik. Denn: Bei der OP wurde seine Bauch-Schlagader verletzt. „Zwei Liter Blut liefen in meinen Bauch.“ Erneut wird Josef L. im Herzzentrum operiert. Ärzte setzen ihm einen Stent ein. Und stellen fest: Die Schäden aus dem ersten Eingriff sind nicht mehr zu beheben. „Durch den Infarkt ist Muskelgewebe abgestorben“, stellte das OLG am Donnerstag fest. Und: „Der Patient wurde ohne jeden Hinweis auf eine Krise und deren mögliche Ursachen entlassen. Wir gehen von einem groben Behandlungsfehler aus.“

Josef L. muss heute mit der Herzschwäche leben. „Durch viel Sport habe ich mich stabilisiert. Aber die Situation ist für mich sehr belastend“, sagt er. „Ich werde nie wieder Bergsteigen können. Radfahren geht nur eingeschränkt.“

Das Herzzentrum war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Das Urteil im Prozess steht noch aus.

A. Thieme

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