Krach um neue Stelle für Marian Offman

Ex-SPD-Stadtrat soll Posten bei der Stadt bekommen - Opposition wettert: „Vetternwirtschaft“

Marian Offman soll eine ehrenamtliche Aufgabe bei der Stadt übernehmen. An der Besetzung gibt es Kritik.
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Marian Offman soll eine ehrenamtliche Aufgabe bei der Stadt übernehmen. An der Besetzung gibt es Kritik.

Ex-Stadtrat Marian Offman soll ehrenamtlich Beauftragter für den interreligiösen Dialog der Stadt München werden. Das beantragt die SPD, ohne die Grünen. Die unterstützen den Vorschlag aber, denn es ist ein Kompromiss. Teile der Opposition üben jedoch scharfe Kritik.

Offman saß 18 Jahre für die CSU im Stadtrat. 2019 wechselte er zur SPD, weil die Union ihn bei der Listenaufstellung für 2020 nicht mehr berücksichtigen wollte. Offman, 73, erreichte zwar kein Mandat, ist aber erster Nachrücker der Sozialdemokraten. Sein außerparlamentarisches Engagement ist unbestritten. Offman ist Vorkämpfer gegen Faschismus, steht in erster Reihe bei Demos von „München ist bunt“ und setzt sich für eine Erinnerungskultur ein. Mit der neuen Aufgabe soll er den Austausch mit den verschiedenen Religionsgemeinschaften intensivieren und deren Anliegen in den politischen Prozess einbringen.

SPD-Vize Christian Vorländer sagte dazu: „München ist so vielfältig, auch im Glauben.“ Offman, der sich zum jüdischen Glauben bekennt, könne die verschiedenen Religionsgemeinschaften im Dialog mit Politik und Gesellschaft zusammenbringen, verfüge über eine große Erfahrung und sei gut vernetzt. Der Posten sei mit keinerlei Aufwandsentschädigung oder Büro verbunden, sagt Vorländer auf Nachfrage.

Das Direktorium soll nun eine Beschlussvorlage erarbeiten. CSU-Chef Manuel Pretzl sagte, er begrüße grundsätzlich die Einrichtung einer solchen Stelle. „Sollte Marian Offman sie erhalten, stehen wir für einen Dialog zur Verfügung.“ Ursprünglich gab es die Idee, Offman solle Antisemitismus-Beauftragter werden. Tatsächlich haben Grüne und SPD die Schaffung dieser Stelle im Koalitionspapier verankert, allerdings wollten in erster Linie die Grünen diesen Posten an die Fachstelle gegen rechts und damit an die Verwaltung koppeln. Auch auf die Personalie Offman wollten sich die Grünen nicht festlegen lassen. Das sorgte für Streit. Der Vorschlag, Offman zum Beauftragten für den interreligiösen Dialog zu ernennen, ist in diesem Licht als Kompromiss zu sehen.

Grünen-Vize Dominik Krause sagte: „Wir schätzen Marian Offman für seine Tätigkeiten genau in diesem Bereich. Er hat schon sehr viel Wichtiges für die Stadtgesellschaft beigetragen.“ Kritik kommt von der weiteren Opposition. ÖDP-Chef Tobias Ruff sagte, er schätze Offman und seine Arbeit für die religiöse Vielfalt und den Zusammenhalt in der Gesellschaft sehr. „Davon unabhängig ist es irritierend, dass die SPD in Zeiten des Einstellungsstopps eine neue Stelle schafft und gleich eine Parteibuch-Besetzung vornimmt.“ Wenn die SPD so von der Qualität Offmans überzeugt sei, hätte man die Stelle ruhig in einem transparenten Auswahlverfahren besetzen können. „Und die Rathausregierung müsste sich nicht schon wieder den Vorwurf der Vetternwirtschaft gefallen lassen.“  

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