Experte gibt Tipps

Endlich Frühling! So genießen Sie die Sonne richtig

München - München fiebert dem ersten Sonnen-Wochenende entgegen! Damit steigt auch die Sonnenbrand-Gefahr! Wir haben mit einem Experten gesprochen, wie Sie die Frühlingssonne gesund genießen können.

Über Ostern gab’s noch Graupelschauer und sogar Schneeflocken, aber jetzt können wir endlich unsere Daunenjacken einmotten: Servus, Winter – endlich wieder Radltouren in die Biergärten, Isar-Picknicks, Eisessen im Englischen Garten: München fiebert dem ersten echten Sonnen-Wochenende des Frühjahrs entgegen!

Gleichzeitig stellen sich die Hautärzte schon mal drauf ein, dass in ihren Praxen am Montag öfter als sonst das Telefon klingeln dürfte: „Nach den ersten schönen Frühlingstagen haben wir die meisten Sonnenbrand-Patienten im ganzen Jahr“, berichtet Dr. Stefan Duve, Leiter des Haut- und Laserzentrums an der Oper.

Allen Aufklärungskampagnen zum Trotz unterschätzen immer noch viele die Kraft der Frühlingssonne. Gerade von März bis Mai ist sie besonders tückisch. Die UV-Strahlung ist sehr hoch, das hängt mit dem Winkel zusammen, in dem die Erde zur Sonne steht.

Dr. Stefan Duve.

Wer eine Überdosis an UV-Strahlung erwischt, handelt sich eine Entzündung der Haut ein – im Volksmund Sonnenbrand genannt. „Manchmal fällt er extrem aus, dann kommen die Patienten mit Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Blasen auf der Haut zu uns“, weiß Dr. Duve.

Aber soweit muss es nicht kommen. In der tz erklärt der renommierte Dermatologe, wie man die Frühlingssonne gesund genießen kann – und wie sich die Beschwerden lindern lassen, falls man doch etwas zu lange in den weißblauen Himmel geblinzelt hat.

Richtig eincremen:

 „Oft werden Handrücken, Hals und Unterarme vergessen“, weiß Dr. Duve. „Zudem sollten die Ohrmuscheln geschützt werden, in diesem Bereich entwickeln sich relativ oft Vorstufen von Hautkrebs. Männer mit einer Glatze sollten auch diese nicht aussparen.“

Den tückischen Wind nicht unterschätzen:

 „Immer wieder erzählen Patienten mit einem schweren Sonnenbrand, dass sie zunächst gar nicht gemerkt haben, wie ihre Haut verbrennt. Das liegt oft am kühlenden Fahrtwind, beispielsweise beim Skifahren oder Radeln“, berichtet Dr. Duve. „Deshalb gilt: Gerade bei windigen Verhältnissen unbedingt regelmäßig und gründlich eincremen!“

Nicht in falschen Ehrgeiz verfallen:

Mediziner unterscheiden zwischen sechs verschiedenen Hauttypen – von sehr blass bis ganz dunkel. „Wir Deutsche gehören meist zu den Typen 1 und 2“, weiß Dr. Duve. „Da darf man nicht erwarten, dass man innerhalb kürzester Zeit braun wie ein Sizilianer wird. Genau dieser Ehrgeiz ist aber oft das Problem: Manche Leute wollen mit der Brechstange braun werden – und nehmen dafür einen Sonnenbrand in Kauf.“

Am Anfang maximal zehn bis 15 Minuten in die Sonne gehen:

 „Menschen, die heuer noch gar nicht in der Sonne waren, sollten besonders vorsichtig sein“, warnt Dr. Duve. Wer schon ein bisserl vorgebräunt ist, darf unter Umständen ein paar Minuten mehr riskieren. „In einem gewissen Maße gewöhnt sich die Haut an die Sonne und entwickelt einen Eigenschutz. Allerdings sollte man dies nicht als Freibrief für stundenlanges Sonnenbanden verstehen.“

Alarmsignale erkennen:

„Wenn man Rötungen an seiner Haut feststellt, sollte man unbedingt sofort aus der Sonne gehen“, rät Dr. Duve. Vorsicht: Wer glaubt, sich mit einer dünnen Jacke schützen zu können, der täuscht sich womöglich. Denn die UV-Strahlung geht oft durch die Kleidung. Sonnenbrand nicht auf die leichte Schulter nehmen: Er entsteht durch UV-Strahlung – und im Übermaß ist sie pures Gift für den Körper: „Die Unterart der UVA-Strahlen fördert vor allem die Hautalterung, und die noch gefährlicheren UVB-Strahlen können Hautkrebs verursachen“, erklärt Dr. Duve. Gerade ältere Patienten, die schon wegen weißem Hautkrebs oder dessen Vorstufen behandelt worden sind, sollten nur mit sehr hohem Lichtschutzfaktor in die Sonne gehen, rät der Experte. Sie riskieren sonst Neubildungen. Noch größer ist die Gefahr, die vom schwarzen Hautkrebs ausgeht. Ein Melanom – so der medizinische Fachbegriff, kann sehr schnell tödlich enden. Dr. Duve warnt in diesem Zusammenhang auch davor, Muttermale allzu leichtfertig weglasern zu lassen – ein Trend, der immer mehr zunimmt. „Das sollten nur Spezialisten machen, um die Gefahr zu minimieren, dass ein Melanom fälschlicherweise für ein Muttermal gehalten wird und dann unbemerkt weiterwächst.“

Im Frühjahr mit besonders starker Sonnencreme einschmieren:

„Nehmen Sie eine Sorte her, die mindestens einen Lichtschutzfaktor von 30 hat, besser noch von 50“, sagt Dr. Duve.

Vergessen Sie den Lippenschutz nicht:

„Ich rate dazu, die Lippen alle zwei Stunden mit einem Pflegestift einzuschmieren, am besten mit Lichtschutzfaktor 50. Das vernachlässigen vor allem Männer gerne.“

Kindern und vor allem Babys Kleidung mit UV-Schutz anziehen:

„Die Haut der Kleinen ist besonders empfindlich, man sollte verhindern, dass UV-Strahlung durch Textilien hindurch auf ihre Haut gelangt“, erläutert Dr. Duve.

Nach einem schweren Sonnenbrand herrscht Sonnenverbot:

„Man sollte sie dann so lange meiden, bis sich die Haut wieder vollständig erholt hat. Das dauert in der Regel drei bis vier Wochen.“

Leichtere Sonnenbrände mit schwarzem Tee behandeln:

„Tauchen Sie Kompressen in kalten schwarzen Tee und legen sie diese auf die verbrannten Hautstellen. Das lindert die Schmerzen und fördert die Heilung.“

Bei schwereren Sonnenbrände helfen Aspirin-Tabletten und kortisonhaltige Salben:

 „Von den Tabletten sollte man allerdings nicht mehr als drei Stück am Tag nehmen“, sagt Dr. Duve. „Kortisonhaltige Salben in niedriger Dosierung gibt es rezeptfrei in der Apotheke.“ Zur Kühlung können auch rückfettende Körperlotionen nützlich sein, die Entzündungen heilen sie allerdings nicht.

Denken Sie an auch an Ihre Augen:

„Zu einem effektiven Sonnenschutz gehört auch eine gute Sonnenbrille“, betont Dr. Duve. „Sie sollte einen Filter gegen UVA- und UVB-Strahlen haben. Außerdem sollte man nicht vergessen, auch die Augenlider mit Sonnencreme einzureiben. „Sie schwellen schnell an, das kann schmerzhaft sein“, erklärt Dr. Duve. Und: „Auch am Auge kann sich ein Melanom bilden.“

Andreas Beez

Rubriklistenbild: © dpa

auch interessant

Meistgelesen

Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt

Kommentare