Experte rät: Schwitzen Sie gegen Krebs!

München - Sport ist gesund, so viel wissen wir schon. Aber wie gesund: Das ist überraschend. Tatsache: Sport hilft sogar dabei, uns vor Krebs zu schützen! Wir erklären, wie das funktioniert.

Jährlich erkranken in Deutschland 450 000 Menschen an einem bösartigen Tumor in Darm, Lunge, Brust oder Hirn, etwa die Hälfte überlebt nicht. Und: Bis zum Jahr 2050 werden Krebserkrankungen um bis zu 30 Prozent zunehmen, hat die Deutsche Krebshilfe errechnet. Umso wichtiger ist es für jeden Einzelnen gegenzusteuern – und da ist Bewegung ein wichtiger Baustein. „Eines der wirksamsten Mittel zur Krebsvorsorge ist der Sport“, sagt Prof. Martin Halle , Ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München. Von morgen an leitet er den Fachkongress zum Thema Sport und Krebs 2011 am Klinikum Rechts der Isar. Drei Tage lang diskutieren weltweit führende Experten die neuesten Erkenntnisse zu Sport und Krebs.

Ist Schwitzen uncool? Das sollten Sie wissen

Ist Schwitzen uncool? Das sollten Sie darüber wissen

„Regelmäßiger Ausdauersport senkt die Entzündungswerte im Blut“, erklärt der Sportmediziner. Gerade bei Übergewichtigen und Bewegungsmuffeln sind diese Werte stark erhöht. Daneben ist auch eine höhere Konzentration an Wachstumshormonen im Blutbild messbar, die das Zellwachstum stimulieren. Tumorzellen können ungehindert wachsen.

Verringern lassen sich die gefährlichen Werte durch regelmäßige Bewegung. Das Krebsrisiko sinkt deutlich – nach Angaben der Deutschen Krebshilfe etwa um 40 bis 50 Prozent! Und wenn Sie bisher noch nicht so viel Gas gegeben haben? Prof. Halle schlägt einen Drei-Stufen-Plan vor:

sich an Bewegung gewöhnen. „Fangen Sie klein an: täglich eine Minute zügig spazieren. Etwa zum Briefkasten, oder eine Runde ums Haus.“

Bewegung zur Gewohnheit machen. „Steigern Sie den Umfang wöchentlich um eine Minute. Das Ziel sind 15 Minuten Bewegung täglich.“

Bewegung in den Alltag integrieren. „Fahren Sie mit dem Rad zur Arbeit, gehen Sie walken, wandern, schwimmen oder gemütlich joggen.“ Wichtig ist es, dabei leicht ins Schwitzen zu kommen. Nach 15 Wochen kann man weitere Sportarten ausprobieren.

Andreas Thieme

Welcher Sport?

Das Entscheidende ist: Bewegung, ganz grundsätzlich. Aber Bewegung welcher Art ist gut? Und wie viel davon? Professor Halle schlägt als Basis vor, täglich mindestens 15 Minuten zügig spazieren oder walken zu gehen. Die Ausdauer fördert, wer etwa 20 Minuten joggen oder eine halbe Stunde schwimmen geht. Beim Radfahren oder Inline-Skaten sind 40 Minuten eine gute Zeit, um ­moderat ins Schwitzen zu kommen.

Wichtig: Der Puls sollte bei leichten Ausdauersportarten in allen Altersklassen „180 minus Lebensalter“ betragen. Geeignet zur aktiven Krebsvorsorge sind ebenso ­Aerobic-Kurse im Fitnessstudio. Hier sind vier mal fünf Minuten (jeweils mit Pausen dazwischen) schon in Ordnung. Ballsportler sind mit 45 Minuten Tennis oder 20 Minuten Kicken optimal geschützt. Beim Golf kommt es darauf an, zügig von Loch zu Loch zu gehen. Und was den Spaßfaktor angeht: Einen Vormittag lang Skifahren oder Wandern verbindet Genuss mit optimaler Krebsvorsorge. Auch eine Stunde Gartenarbeit beugt vor.

Vorbeugung: Was Sie sonst noch tun können

Mit dem Rauchen aufhören: Prof. Halle: „Rauchen ist die Hauptursache für Erkrankungen wie Lungen-, Darm- oder Brustkrebs.“ Jährlich sterben in Deutschland 110 000 Menschen an den Folgen des Rauchens, hat die Deutsche Krebshilfe ermittelt. 80 bis 90 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen haben Rauchen als Ursache, 55 000 sind das pro Jahr.

Auf „farbige“ Ernährung achten: „Ausgeglichene Ernährung ist ein wichtiger Punkt in der Krebs-Vorsorge.“ Orientierung schafft das Ampel-Prinzip: Grün steht für Zucchini, Gurke, Brokkoli, Spinat oder Blattsalate. Gelb sind Karotten, Orangen, Zitronen, Kürbis oder Linsen. Rot steht für Paprika, Tomate oder Erdbeeren. Obst und Gemüse in diesen Farben ist sehr gesund und darf täglich und viel gegessen werden.

Zucker weglassen: Mehr als 100 Gramm Zucker nehmen wir täglich zu uns – meist unbewusst, versteckt in abgepackten Nahrungsmitteln sowie gesüßten Getränken. Wenig Volumen, heftiger Inhalt – so erkennt man die Kalorienbomben.

Zur Vorsorge gehen: „Früherkennung ist bei Tumorpatienten der erste Schritt zur schnellen Heilung. Die Vorsorge sollte jeder ernst nehmen.“ Ab dem 20. Lebensjahr beginnt nach Angaben der Deutschen Krebshilfe für Frauen die Vorsorge für Brustkrebs. Männer werden ab 35 vom Hausarzt durchgecheckt. Die Prostata wird bei Männern ab dem 45. Lebensjahr vorbeugend untersucht, der Darm ab 50.

Rubriklistenbild: © dpa

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