Express-S-Bahn statt Stammstrecke

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München – Der neue S-Bahn-Tunnel wird offenbar zur Milliardenfalle. Die Staatsregierung arbeitet an einem Alternativplan für die zweite Stammstrecke. Eine Express-S-Bahn soll her.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hält den neuen S-Bahn-Tunnel in der Innenstadt nicht mehr für finanzierbar, bestätigten Regierungskreise unserer Zeitung. „Keiner weiß mehr, woher das Geld kommen soll“, sagte ein Minister. Seehofer habe „als einer der Ersten erkannt: Es wird nichts mehr.“ Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle sagte: „Das Projekt ist hoch gefährdet.“ Nun sollen knapp eine Milliarde Euro an Landesmitteln umgelenkt werden.

Die CSU berät ein Zwei-Säulen-Konzept. Zunächst soll ein Maßnahmenkatalog die Nahverkehrs-Situation in München verbessern. Dazu gehören eine Verlängerung der U5 nach Pasing, eine Express-S-Bahn auf der Linie der S8, die Ertüchtigung des Südringes (Arbeitstitel: Südstrecke) und einzelne Ausbau-Maßnahmen auf den Außenästen der S-Bahn. Als zweiter Teil will die Staatsregierung den Bahnknoten München neugestalten. Dazu soll eine neue Fernverkehrs-Führung am Hauptbahnhof gehören. Auch soll der Flughafen ans ICE-Netz angebunden werden. Dazu wäre ein neuer Bahnhof am Airport notwendig. Nach dem Aus des Transrapid 2008 bestehen dafür bei der Flughafen-Gesellschaft noch 100 Millionen Euro als Rückstellung bereit. Hier sei aber keine schnelle Lösung möglich, heißt es.

Mit ausschlaggebend für den Umschwung ist ein Brief von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an Seehofer. Darin fordert der Bund für die Stammstrecke zwingend, dass die „Landeshauptstadt als hauptsächlicher Nutznießer“ einen „angemessenen Anteil an den Finanzierungskosten übernimmt“. Es sei „unabdingbar, dass sich alle Partner engagieren“. Der Bund selbst will den Großteil seines 900-Millionen-Anteils bisher nicht leisten. Münchens Stadtrat will sich am Projekt aber auch weder direkt noch per Vorfinanzierung des Bundesanteils beteiligen.

Die entscheidende Bremse ist im Rathaus München“, sagte der CSU-Verkehrspolitiker Erwin Huber: „Deshalb muss man zu einer völlig neuen Lösung kommen mit schnell wirksamen Einzelmaßnahmen und einer neuen Zukunftsvision.“

cd/mk

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