Alkohol-Party legt Stammstrecke lahm

München - Etwa 2000 Jugendliche haben in der Nacht zum Sonntag in Münchner S-Bahnen eine wilde Alkohol-Party gefeiert. Erhebliche Verspätungen und sogar ausgefallene Züge auf der Stammstrecke waren die Folge.

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Was im Internet scherzhaft als eine Art Party geplant wurde, artete in „gezielten Vandalismus“ aus, wie die Bundespolizei und Bahn berichten. Insgesamt 50 S-Bahn-Züge sind beschmiert und beschädigt, 14 Personen wurden festgenommen. „Uns ist ein Sachschaden von mehr als 100 000 Euro entstanden“, sagt der Münchner S-Bahn-Chef Bernhard Weisser.

Auch Lokführer und Sicherheitspersonal wurden bespuckt und bepöbelt, als sie helfen wollten, dass niemand in den Türen eingeklemmt wird oder – noch schlimmer – ins Gleis stürzt. Mehr als 250 Kräfte setzten Polizei und Bahn zusätzlich ein.

Die Betrunkenen kannten keine Grenze, zogen auch bei voller Fahrt die Notbremse oder hebelten Türen aus. Gleich mehrere Züge blieben auf offener Strecke stehen, teilweise saßen die Fahrgäste 20 Minuten lang im Dunkeln. Weisser: „Nachfolgende Züge konnten dann nicht mehr einfahren, hatten bis zu einer Stunde Verspätung Insgesamt waren 200 Züge mit 6000 Minuten verspätet. 40 Züge fielen aus.“ Und: „Wir wollten weitere Sachschäden verhindern. Verletzte gab es zum Glück nicht.“

Am Sonntag in der Früh haben die Reparaturen begonnen, doch bis zum Mittag waren erst zehn Züge instandgesetzt. „Die Arbeiten werden sich bis Montag hinziehen“, sagt Weisser. Im Klartext: Es wird heute wegen der Vandalen Störungen geben. Einige Züge werden nicht in der vollen Länge fahren, einige vielleicht komplett ausfallen (weil Waggons fehlen). Erst morgen wird wohl alles wieder normal laufen.

Andreas Thieme

Hier feierten sie ganz friedlich

Jetzt ist es um 4,3 Kilometer gewachsen, das Münchner Tramnetz. Die Linien 16 und 18 fahren ab sofort auf der neuen Strecke zwischen Effnerplatz und St. Emmeram. 20 000 Münchner testeten bei der Eröffnung am Samstag die neue Tram. Sie feierten eine friedliche Party – unter anderem mit Christkindlmarkt am Cosimabad.OB Christian Ude (SPD)erinnerte dabei daran, dass in Bogenhausen zunächst auf die neue Trasse geschimpft wurde – und zwar „in einer Heftigkeit, die den Widerstand der heutigen Startbahngegner in den Schatten stellt.“ Bei der Eröffnung könne sich daran niemand mehr erinnern.

Warum auch, fragte MVG-Chef Herbert König. Schließlich sei eine attraktive Linie entstanden – grün, schlank und schnell. Die Tram fährt hier auf Rasengleisen, außerdem wurden 250 Bäume und 19 000 Narzissenzwiebeln gepflanzt. „Wir können Ostern ja mal nachzählen“, schlägt König vor.

Gaudi, natürlich. Zum Zählen bleibt keine Zeit. „In acht Minuten von St. Emmeram zum Arabellapark, in zwölf Minuten zum Effnerplatz“, rechnet Ude vor. Dort, am Effnerplatz, gibt’s einen echten Aha-Effekt – die Tram fährt unter der 52 Meter hohen Mae-West-Skulptur durch.

ick

Rubriklistenbild: © Polizei

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