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Fahnder unter den Trauergästen

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Ein Gesteck aus weißen Rosen, ein schlichter Sarg: Anton Fanger fand seine letzte Ruhe im Grab seiner verstorbenen Eltern.
Ein Gesteck aus weißen Rosen, ein schlichter Sarg: Anton Fanger fand seine letzte Ruhe im Grab seiner verstorbenen Eltern. © Mell

Die Glocke der Dorfkirche St. Martin schlug elf, als die Totengräber den Eichensarg in das Grab ließen.

Die Sonne strahlte, die Vögel zwitscherten. Rund 100 Trauergäste auf dem Friedhof in Kirchasch standen im kalten Wind und schwiegen. Es war eine Beerdigung, wie sie gestern vielfach in Bayern stattfand. Und doch war das letzte Geleit für Anton Fanger anders. Unter die Trauernden hatten sich Mordermittler der Kripo Erding gemischt. Routine. Der Mörder des 48 Jahre alten Finanzbeamten in München ist noch nicht überführt.

Während die Verwandten, Arbeitskollegen sowie Dorfbewohner für Anton Fanger beteten, ging in dem Anwesen des Mordopfers die Spurensuche weiter. Jede Schublade, jedes Stück Papier wird derzeit von den Mordermittlern untersucht und ausgewertet. Eine heiße Spur zu dem Täter, der den allein stehenden Mann kurz nach Ostern erschlagen hat (tz berichtete), gibt es indes nicht. Es scheint, als jage die Polizei ein Phantom.

Ein Phantom war auch Anton Fanger. Seine Lebensgeschichte war ein „Buch mit sieben Siegeln“, sagte der Pater von St. Martin in der Trauerrede: „Jetzt bleiben nur Schmerz, Fragen und Zorn.“

Am Leben in der kleinen Gemeinde Kirchasch hatte der Finanzbeamte nicht teilgenommen. Er kaufte nichts beim Bäcker, er trank kein Bier in einer der beiden Dorfwirtschaften. Zu den wenigen Verwandten hatte er fast keinen Kontakt. Seine Pflegeschwester (57) sah er das letzte Mal bei der Beerdigung seiner Mutter. Das war vor fünf Jahren.

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Arbeitskollegen aus dem Landesamt für Steuern in München waren es dann auch, die am Donnerstag nach Ostern die Polizei informierten. Anton Fanger war schon den dritten Tag nicht zur Arbeit gekommen. Das war in den 28 Jahren zuvor nie passiert: „Das passte nicht zu ihm. Er war äußerst zuverlässig und korrekt.“

Eine Streife fuhr nach Kirchasch und schaute in dem Wohnhaus nach. Die Beamten entdeckten Anton Fanger. Er war tot. Gestorben an schweren Kopfverletzungen. Wo genau ihn die Polizisten fanden, verrät die Mordkommission nicht. „Das soll uns der Täter erzählen“, sagt Günther Pollak von der Polizeidirektion Erding.

Das Mordopfer Anton Fanger.
Das Mordopfer Anton Fanger. © Polizei

Unklar ist, ob Anton Fanger ausschließlich in dem heruntergekommenen Hof seiner verstorbenen Eltern gelebt hat. Pollak: „Wo das Opfer seinen Lebensmittelpunkt hatte, wird derzeit ermittelt“. Die Nachbarn im Dorf sahen nur ab und zu Licht im ersten Stock des Ziegelhauses. Es war das einzige Zeichen, dass Anton Fanger zu Hause war.Noch undurchsichtiger wurde der Mordfall, als vor einer Woche zwei unbekannte Jugendliche in das Mordhaus einbrachen. Trotz Fahndung – ein Nachbar hatte die Polizei alarmiert – konnten die Einbrecher entkommen. Inzwischen gibt es zwei Tatverdächtige. Mit dem mysteriösen Mord haben sie offenbar nichts zu tun.

Jacob Mell

Quelle: tz

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