Preissteigerungen, aber keine Verbesserungen

Fahrgäste sauer auf MVG: Wir schauen in die Röhre!

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Die U-Bahn ist in die Jahre gekommen. Daher muss derzeit viel saniert werden.

München - Obwohl so viele Münchner wie noch nie mit U-Bahn, Bus und Tram fahren und die Ticketpreise ständig erhöht wurden, gibt es 2016 keine Mehrleistungen für die Kunden. Das Nullprogramm sorgt für Entsetzen.

Eigentlich sollte es der MVG ja gut gehen: Zum einen fahren mehr Münchner mit U-Bahn, Bus und Tram denn je (670 Millionen Passagiere im Jahr mit dem MVV). Und zum anderen werden jedes Mal zum Fahrplanwechsel fleißig die Preise für die Tickets erhöht. Also Geld im Überfluss möchte man meinen. Denkste! In einer aktuellen Sitzungsvorlage für das Wirtschaftsreferat macht die MVG jetzt deutlich: „2014 wurden trotz Fahrgastzuwachs und Tariferhöhung keine Tarifmehreinnahmen erzielt.“ Die bittere Folge: Es wird keine Mehrleistungen für die Kunden geben.

Der Stillstand: Die Worte in der Sitzungsvorlage sind unmissverständlich. „Dieser Umstand und erforderliche Investitionen in den Fuhrpark und die betriebliche Infrastruktur machen 2016 eine weitere Ausweitung der MVG-Leistungen mit Finanzmehrbedarf nicht möglich.“ Heißt: Nachdem ein paar neue Busse und Züge gekauft sowie Sanierungen vorgenommen sind, ist das Geld weg. Zusätzliche Tramlinien oder häufigere Takte bei der U-Bahn wird es somit keinesfalls geben. Zur Erinnerung: Im Vorjahr betrug die Ausweitung der Leistungen (meist Extrastrecken) immerhin 4,2 Prozent.

Das Nullprogramm macht Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste sauer: „Wir sind wirklich entsetzt. Seit Jahren fordern wir etwa auch nachts einen Takt von zehn Minuten bei der U-Bahn. Das wird nun wieder nichts“, schimpft er. Echtes „Missmanagement“ wirft er der Verkehrsgesellschaft vor. Fortschritt sei bei U-Bahn und Tram ein „Fremdwort“. Nagel: „Es ist doch irre, dass wir als Kunden jedes Jahr Preiserhöhungen hinnehmen müssen – aber die Leistung nicht besser wird. Was machen die mit dem Geld?“

MVG-Sprecher Matthias Korte verteidigt sich gegenüber der tz: „Die neuen Fahrzeuge sind nun mal teuer. Da können wir nicht zaubern.“ Der U-Bahn-Takt entspräche spätabends der Nachfrage und die Betriebspause in der Nacht werde für Sanierungen und Reparaturen des Netzes gebraucht. „Und auch das kostet Geld.“ Stellt sich eine Frage: Wird es auch dieses Jahr eine Preiserhöhung geben? „Das sind noch ungelegte Eier.“

Die tz fragte bei Fahrgästen nach, was sie vom Nullprogramm halten:

Ich erwarte nichts mehr

Peter Leidl (23), Student.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Fahrpreise steigen, die Verlässlichkeit aber sinkt. Verbesserungen spüre ich nie – deshalb erwarte ich auch nichts mehr. Die Leistungen sollten bei Preiserhöhungen aber wenigstens gleich bleiben. Vor allem die Verlässlichkeit lässt zu wünschen übrig.

Partnerkarten wären gut

Gerda Büchl (72, links) und Erika Mair (74).

Dass nichts investiert werden soll, macht uns fassungslos. Wenn man wie wir nicht mehr mit dem Auto unterwegs sein kann, ist man einfach darauf angewiesen. Die Barrierefreiheit ist größtenteils schon gut, könnte aber noch verbessert werden. Partnerkarten für Senioren wären auch eine gute Idee.

München hat etwas Besseres verdient

Die Intervalle müssen unbedingt

Steffi Mark (27), PR- und Marketingmanagerin.

verkürzt werden. Die Anbindungen sind auch nicht gut. Ich habe ein paar Jahre in Wien gelebt, da ist alles besser. In einer Großstadt ist es wichtig, dass man in den öffentlichen Verkehr und in Bildung investiert. München hat auf jeden Fall Besseres verdient.

Das System ist unübersichtlich

Dass die Preise steigen, jedoch nichts

Martin und Jennifer Schmaus.

investiert werden soll, ist ein Witz. Immerhin gibt es inzwischen einige neue Züge, aber die müssen weiter erneuert werden. Am meisten stört uns das System mit Ringen, Zonen und was es da alles gibt. Da kennen wir Münchner uns doch schon nicht aus. Was sollen da bloß Touristen machen?

Der zweite Tunnel muss her

Fridolin Aumer (65).

Mein Appell geht an die Bahn: Denn der zweite Tunnel muss unbedingt her. Auch die alte Technik und die Waggons müssen ausgetauscht werden. Zum Flughafen raus sollte man auch immer ein paar Minuten mehr einplanen. Aber es ist nicht alles schlecht: Das neue Anzeigesystem ist super und hilft enorm weiter.

age/ses

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