Genehmigung fehlt

Endlos-Streit um U-Bahn-Fernsehen

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TV in der U-Bahn: Die Bildschirme sind außer Betrieb

München - "Demnächst" ist ein dehnbarer Begriff. Vor allem, wenn es um das neue Fahrgast-TV in der Münchner U-Bahn geht … Schon seit Jahren plant die MVG, ein Fahrgast-Informationssystem in die Züge einzubauen. Doch es hakt.

„Demnächst“ ist ein dehnbarer Begriff. „Demnächst“ kann „in ein paar Stunden“ bedeuten. Oder „Morgen“. Vielleicht auch „kommende Woche“. Im Fall des neuen Fahrgast-TV bedeutet es etwas anderes: Bringen Sie Geduld mit. Reichlich.

Seit Jahren plant die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), ein Fahrgastinformationssystem in ihren U-Bahnen einzubauen. Auf den Bildschirmen, die an den Decken der Züge montiert werden, könnten Fahrpläne, die nächste Haltestelle, Werbung oder Nachrichten angezeigt werden. Ursprünglich war der Start der Serien-Umrüstung bereits für Ende 2010 geplant. Doch es stottert erheblich im Getriebe.

Bis heute wurden lediglich 60 Einheiten mit je vier Bildschirmen installiert, insgesamt 240 Stück in 15 U-Bahn-Wagen. Doch weil die Genehmigung der Aufsichtsbehörde – der Regierung von Oberbayern – noch immer fehlt, ist auf den ausgeschalteten Schirmen nur zu lesen: „Demnächst Fahrgastinformation.“

Warum verweigert die Behörde die Genehmigung? „Bis heute liegt der Nachweis nicht vor, wonach von den Geräten im eingeschalteten Zustand keine sicherheitsrelevanten Beeinträchtigungen ausgehen“, erklärt Regierungs-Sprecher Stefan Frey. Einfacher ausgedrückt: Die Behörde will sichergehen, dass die Strahlung der Monitore nicht die Signale im Tunnel, die Weichensteuerung oder sogar den Fahrbetrieb stört. „Es handelt sich hierbei nicht um eine nachträglich oder zusätzlich erhobene Forderung“, betont Frey, „sondern um einen selbstverständlichen und üblichen Nachweis“, den die MVG bislang nicht erbracht habe.

Zwischen Regierung und MVG gibt es regelmäßig Streit über Nachweise und Genehmigungen. Die Stimmung ist seit Jahren im Keller. Bei den TV-Geräten erreicht sie einen neuen Tiefpunkt. „Alle Fachleute sagen: Es handelt sich um ganz normale Bildschirme, die Strahlung ist vollkommen unkritisch“, sagt MVG-Sprecher Michael Solic. Das habe man auch schon längst nachgewiesen. „Die Handys der Fahrgäste strahlen weitaus stärker. Das Handynetz wurde bislang aber nicht von der Regierung in Frage gestellt.“ Dennoch habe man ein zweites Gutachten erstellen lassen. Mit dem gleichen Ergebnis: Die Monitore haben keinen Einfluss auf die Fahrzeugtechnik.

Die Regierung aber sieht das anders. Die Nachweise zur „elektromagnetischen Verträglichkeit“ müssten noch „vervollständigt werden“, sagt Frey. Sonst gibt es keinen Stempel. Bei der MVG ist man sauer über die Verzögerung. „Es geht hier ja nicht um die Neuerfindung der U-Bahn“, ärgert sich Solic. „Woanders sind solche Systeme ja auch sicher und verlässlich in Betrieb.“ Die umfangreichen An- und Nachforderungen seien einmalig in Deutschland. Fachleute würden nur noch „den Kopf schütteln“.

Der Einbau der Geräte wurde inzwischen gestoppt. „Alles andere wäre auch Unsinn“, sagt Solic. Laut einer Auflage der Regierung dürfen die umgerüsteten Wagen nämlich nicht frei disponiert werden, sondern nur in der Mitte zwischen zwei nicht umgerüsteten Wagen fahren – und das, obwohl das System überhaupt nicht eingeschaltet ist. Jeder weitere Bildschirm würde den ohnehin schon hohen Koordinationsaufwand weiter erhöhen.

Wann die Bildschirme endlich flimmern, ist unklar. Sobald die Behörde grünes Licht gibt, folgt erst noch eine Testphase. Schließlich dürfen die Monitore derzeit nicht eingeschaltet werden – nur nachts sind Tests erlaubt. Nach Abschluss der Probezeit soll es mindestens drei Jahre dauern, bis alle 3000 Bildschirme montiert sind. Geschätzte Kosten: 4,5 Millionen Euro. Das Geld soll zum Teil durch Werbeeinnahmen wieder reingeholt werden. Irgendwann demnächst.

Münchens schönste U-Bahnhöfe

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Thomas Schmidt 

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