25-Jähriger in U-Haft

Jetzt spricht die Mutter des Taxi-Schlägers

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Salih Ü. (l.) prügelte Taxifahrer Jozsef N. in der Nacht zum Sonntag an der Leopoldstraße fast tot. Der 25-Jährige hat sich gestellt und sitzt jetzt in U-Haft.

München - Er soll einen Taxi-Fahrer verprügelt und dadurch lebensbedrohlich verletzt haben. Nun sitzt der 25-Jährige in U-Haft. In der tz meldet sich seine Mutter zu Wort.

Ihre Wohnungstür öffnet sie bewusst nur einen kleinen Spalt. „Mein Sohn ist kein wildes Tier“, sagt Emra Ü. (alle Namen geändert) und starrt dabei mit fragendem Blick an die Decke. Sie ist die Mutter des Mannes, der am vergangenen Wochenende den Taxifahrer Jozsef N. (61) ins Koma geprügelt hat. Am Montag stellte sich Salih (25) bei der Polizei. Was hat ihren Sohn nur zu dieser brutalen Tat verleitet? Emra Ü.: „Der Alkohol hat ihn enthemmt. Ihm tut das alles auch so furchtbar leid.“

Als Krankenschwester weiß die 45-Jährige, wie sich Menschen unter Alkoholeinfluss verhalten. „Manche werden einfach unberechenbar. Da sollte man sich nicht auf Diskussionen einlassen.“ Emra Ü. ist in Gedanken bei ihrem Sohn. Der Karrosseriebauer sitzt seit Montag wegen versuchten Totschlags in U-Haft in Stadelheim, wurde bereits von der Mordkommission vernommen. Gleichzeitig sorgt sie sich um den Gesundheitszustand des Taxifahrers, der nach der brutalen Attacke noch immer ums Überleben kämpft. Sie sagt: „Ich hoffe, dass der Mann wieder vollständig gesund wird. Mit 61 Jahren hat er ja noch ein Leben vor sich.“ Wäre der Vorfall vermeidbar gewesen? „Der Taxifahrer hätte die beiden am besten gar nicht mitnehmen sollen.“

Jozsef N. wurde beinahe zu Tode geprügelt

Von ihrem Sohn hätte sie eine solche Tat nicht erwartet. „Er liebt die Menschen, vor allem zu älteren Leuten hatte er immer einen guten Draht.“ Ihr Salih sei jemand, der seinen Freunden in jeder Lage hilft. So tat er es auch an jenem Abend, als sich sein Kumpel Cengiz Ö. (27) im Taxi von Joszef N. übergeben musste. Weil sich das spätere Opfer weigerte, die beiden Nachtschwärmer weiter zu befördern, entbrannte an der Leopoldstraße kurz vor der Kreuzung zur Rheinstraße ein heftiger Streit. Zeugen beobachteten, wie Salih Ö. den Ungarn plötzlich schubste und ihn schließlich mit einem brachialen Faustschlag niederstreckte. Auch von heftigen Tritten gegen den Kopf des Taxlers war die Rede. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt die schockierte Mutter. „Die Polizei hat auch gleich seine Schuhe mitgenommen. Da werden sie hoffentlich herausfinden, dass es keine Tritte gab.“ Salih Ü. räumt zwei Faustschläge ein, bestreitet aber Tritte und weitere Schläge, als das Opfer bereits am Boden lag. Auch sein Kumpel Cengiz Ö. wurde verhört, durfte aber danach wieder gehen.

Die Ermittler gehen auf Grund von Joszef N.’s schweren Kopfverletzungen davon aus, dass massive Gewalt angewendet wurde. Wegen einer lebensgefährlichen Gehirnschwellung musste ihm ein Teil der Schädeldecke entfernt werden. Seine verzweifelte Frau zur tz: „Wir wissen nicht, was jetzt werden soll.

Salih Ü. gibt nicht das typische Bild eines Schlägers ab, ist noch nie wegen eines Gewaltdelikts polizeilich in Erscheinung getreten. Emra Ü. ist fassungslos: „Ihm ist vorher noch nie so etwas passiert. Wenn er könnte, würde er alles rückgängig machen. Aber jetzt ist es schon geschehen. Zehn Sekunden können ein Leben zerstören."

Johannes Heininger

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