Fahrgemeinschaft bilden, wenn S-Bahn ausfällt

Wie sicher ist es, als Frau bei einem Fremden ins Auto einzusteigen?

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Frauen überkommt bei Fahrgemeinschaften mit fremden Männern oft ein mulmiges Gefühl.

München - Die S-Bahn fällt aus. Ein Fremder bietet an, die Frau im Auto mitzunehmen. Die Frau fühlt sich unbehaglich. Lesen Sie, woher die Ängste kommen, ob sie begründet sind und was eine Frau tun kann, um sie zu kontrollieren.

Wir sind auf dem Weg zur Arbeit, zur Uni oder zum Geburtstag der besten Freundin - und die S-Bahn fährt nicht. Zu viel Verkehr, Notarzteinsatz am Gleis, Defekt. Irgendwas ist immer. In solchen Situationen ist es praktisch, wenn andere Fahrgäste ein Auto haben und eine Mitfahrgelegenheit anbieten (sehen Sie die hilfreichen Facebook-Gruppen für alle S-Bahn-Linien, die wir auf Facebook gegründet haben). Doch wie sicher ist es, bei einem Fremden ins Auto einzusteigen?

Frauen und ihre Angst vor Übergriffen

Gerade wir Frauen fühlen uns dabei häufig unwohl und malen uns die schrecklichsten Horrorgeschichten aus, die passieren könnten, sobald wir mit einem fremden Mann im Auto sitzen. Lieber warten wir, bis die Strecke wieder freigegeben ist - auch wenn es noch so lange dauert und die beste Freundin beleidigt ohne uns die Torte anschneidet.

Gerade die tragischen Ereignisse der vergangenen Wochen lassen unsere inneren Ur-Ängste verstärkt aufkeimen. Nicht mal mehr im Dunklen Joggen gehen kann man, ohne Angst haben zu müssen. Warum sollten wir uns also bewusst in eine mögliche Gefahrensituation begeben und bei einem Unbekannten im Auto sitzen?

Dunkelheit macht es noch schlimmer

Natürlich wissen wir, dass wir es manchmal ein bisschen übertreiben mit unserer Panik und uns oft zu sehr beeinflussen lassen. Die große Mehrheit der Männer, die uns eine Mitfahrgelegenheit anbieten, will doch schließlich nur eins: uns schnell und sicher ans Ziel bringen. Doch ein unbehagliches Gefühl bleibt, besonders dann, wenn es noch nicht oder nicht mehr hell ist und der Start- oder Zielort weit außerhalb der Stadt liegen.

Wie begründet sind also unsere Ängste? Und wie können wir lernen, damit umzugehen, ohne jeden Mitfahrer abzuweisen?

Woher kommt die Angst?

Tatsächlich sind Frauen häufig in der schwächeren Position. Natürlich können wir versuchen, einen Angriff abzuwehren. Doch in einem fremden Auto zu sitzen, bedeutet auch, der Willkür des Fahrers erst einmal ausgeliefert zu sein. 

Frauen wird von Kindheit an ein gewisses Maß an Misstrauen und Angst beigebracht. Schon im Kindergarten hören wir: „Geh nicht mit Fremden mit! Dir könnte was Schlimmes passieren.“ Das prägt.

Diese Xenophobie, wie die Angst vor dem Fremden im Fachjargon heißt, diente ursprünglich tatsächlich der Überlebenssicherung, wie Professor Borwin Bandelow, renommierter Angstforscher an der Universität Göttingen, in einem Interview mit Welt Online erklärt. Sie stammt noch aus der Zeit, als Menschen Höhlenbewohner waren und ihren Stamm sowie dessen geringen Besitz gegen andere Stämme verteidigen mussten.

Xenophobie ist „angeboren“

In extremen Fällen führt Xenophobie gar zu Fremdenhass und Abschottung. Die Ur-Ängste, die für diese Art der inneren Feindseligkeit vor dem Fremden verantwortlich sind und in der Kindheit noch geschürt werden, befinden sich in einem Teil unseres Gehirns, der nicht durch Bildung oder Ähnliches beeinflussbar ist. Es ist also tief in uns verwurzelt.

Selbst wenn wir wissen, dass es nicht gerade nett ist, jedem Mann pauschal finstere Absichten zu unterstellen, können wir nichts gegen das unwohle Gefühl tun, das uns überkommt, wenn wir plötzlich einem Fremden alleine ausgeliefert sind. 

Welche Möglichkeiten haben wir Frauen also, wenn wir trotz unserer Ängste nicht auf die Freigabe der S-Bahn-Strecke warten wollen und sich eine Mitfahrgelegenheit bietet?

Ratschläge für ein sichere Mitfahrgelegenheit

1. Auf unser Bauchgefühl hören

Was erst mal sehr simpel klingt, ist tatsächlich oft sehr hilfreich. Jeder Mensch hat ein untrügliches, natürliches Gespür dafür, wenn Gefahr droht. Manchmal können wir das Gefühl nicht begründen. Fakt ist, wenn die Autotür sich öffnet und unser Bauch uns sagt, dass wir da besser nicht einsteigen sollten, dann sollten wir es tatsächlich lassen - auch wenn der Fahrer noch so nett wirkt.

2. Nicht alleine mitfahren

Meine S-Bahn fällt aus - unsere Facebook-Gruppen helfen Ihnen sofort. 

Ein S-Bahn-Ausfall betrifft häufig eine Vielzahl von Menschen - das Auto in dem man/frau mitfährt, kann also ruhig voll sein. Wir fühlen uns weniger schutzlos und haben bei möglicherweise anhaltender Unsicherheit genug Leute um uns herum, die wir in ein freundliches und unverfängliches Gespräch verwickeln können. Zudem dürfte es sich für einen Fahrer, der möglicherweise Böses im Schilde führt, doch eher schwierig gestalten, mehrere Personen gleichzeitig zu überfallen.

3. Immer jemandem Bescheid sagen, wo wir sind

Es gibt immer eine Freundin, eine Kollegin oder sonst er, der wir kurz Bescheid geben können, wo wir gerade sind. Einfach eine kurze Nachricht abschicken: „Hey, meine S-Bahn fährt nicht. Ich fahre jetzt mit einem gewissen Max, das Kennzeichen ist XX YY 1234. Ich sollte in 20 Minuten da sein.“

Damit ist das Gefühl der inneren Sicherheit oftmals schon verstärkt. Zudem schadet es auch nicht, vor dem Fahrer anzudeuten, dass jemand Bescheid weiß, wo wir sind: „Danke fürs Mitnehmen. Ich hab meiner Freundin schon gesagt, was für ein Glück ich hatte, Sie zu treffen. Sie wartet schon ganz ungeduldig auf mich.“

Ebenso gut ist es, wenn die Mitfahrgelegenheit zuvor übers Internet ausgemacht wurde. Hat der Fahrer sich beispielsweise in einer Facebook-Gruppe gemeldet, können wir eigentlich gefahrlos zusteigen. Niemand, der eine mögliche Straftat plant, bietet seine Dienste zuvor so öffentlich an. Und sollte doch etwas Unvorhergesehenes passieren, so weiß die Polizei sofort, nach wem sie suchen muss.

4. Frauen-Fahrgemeinschaften bilden

Auch wenn es ein bisschen gemein ist: Die Angst, zu einem Fremden ins Auto zu steigen, haben wir doch eigentlich nur bei Männern. Dem lässt sich am leichtesten entgegenwirken, indem wir einfach nur zu Frauen ins Auto steigen. Oftmals werden sogar gezielte Frauen-Fahrgemeinschaften angeboten. Dass uns das vor möglichen Übergriffen schützt, ist natürlich nicht gesagt – doch für unser Sicherheitsgefühl ist es oftmals sehr ratsam.

5. Taxi fahren

Wenn wir uns ein Taxi über die Taxizentrale bestellen, gibt es eine genaue Aufzeichnung, wann wir zu wem ins Auto gestiegen sind und wohin derjenige mit uns fährt. Wer wirklich allgemein Angst davor hat, zu fremden Männern ins Auto zu steigen, den dürfte auch bei einem Taxifahrer ein mulmiges Gefühl beschleichen. Gott sei Dank bieten mittlerweile viele Taxiunternehmen die Möglichkeit an, eine Fahrerin zu schicken, wenn dies ausdrücklich gewünscht wird.

Ein Nachteil am Taxi-Fahren ist natürlich der Preis, der vermutlich deutlich höher ausfällt als bei einer Mitfahrgelegenheit. Doch zumindest ist dieser Preis vorgeschrieben. So kann es im Nachhinein nicht zu Streitereien um eine angemessene Entlohnung kommen.

Die Polizei München unterstreicht die oben genannten Ratschläge. 

Tipp: Wer seine Angst verlieren will, muss sich ihr stellen

Im Grunde ist es uns selbst überlassen, wie weit wir gehen wollen. Professor  Bandelow empfiehlt, sich für die Überwindung seiner Ängste genau diesen zu stellen. Wer Angst vor Hunden hat, sollte welche streicheln, wer Angst vor Fahrstühlen hat, sollte Fahrstuhl fahren. Irgendwann wird klar - es passiert nichts.

Angst vor Fahrstühlen, Luft und Namen - diese Phobien gibt es wirklich

Wenn wir also erst mal ein paar positive Erfahrungen gemacht haben, verschwindet unsere Angst meist irgendwann von selbst. Und bis dahin können wir einfach auf die oben genannten Tricks zurückgreifen.

Katharina Haase

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