Fall vor Gericht 

Fake-Meisterwerke für Millionen? 70-Jähriger wird emotional

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Bestreitet alle Vorwürfe: Simon F.

Wollte Simon F. (70) ein Münchner Auktionshaus mit gefälschten Kunstwerken übers Ohr hauen? Er selbst bestreitet die Vorwürfe - und wird emotional. 

Seit Mittwoch steht der frühere Immobilienmakler vor Gericht und muss sich wegen versuchten Betrugs verantworten. Es geht um drei expressionistische Malereien von Egon Schiele und Marc Chagall. Simon F. aus Riedering (Kreis Rosenheim) soll laut Anklage Anfang Februar 2016 versucht haben, die Werke für insgesamt knapp fünfeinhalb Millionen Euro zu verkaufen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Simon F. soll durch ein früheres Gerichtsurteil gewusst haben, dass es sich bei den drei Gemälden nicht um Originale handelt. Seitdem würden Aufkleber der Staatsanwaltschaft auf der Rückseite der Kunstwerke zu Vorsicht mahnen. Der wörtliche Hinweis: „Achtung – Kunstwerk ist zweifelhafter Herkunft“.

Simon F. weist die Vorwürfe zurück. Der Hinweis auf den Gemälden besage nur, dass man nicht wisse, woher die Werke stammen. An der Echtheit bestehe kein Zweifel, meint der 70-Jährige. Im Zeugenstand spricht er von seiner Leidenschaft: „Ich bin reiner Privatkunstsammler, ich liebe Kunst!“ Bei seinen eigenen Exemplaren sei er ein Experte und sicher, dass es sich um keine Fälschungen handeln würde. Die Werke von Chagall und Schiele habe er von Kunsthändlern aus Amerika. Renommierte Experten hätten ihm die Echtheit hinreichend bestätigt, sagt Simon F. und wird emotional: „Ich bin kein Betrüger, ich bin ein ehrlicher Mensch, Frau Richterin!“ 

Simon F. klagt: „Sie wissen gar nicht, was ich mitmachen musste“

Ihm gehe es nicht ums Geld, sondern „um die Gerechtigkeit“. Sieben Monate sei er zu Unrecht in Untersuchungshaft gewesen. „Sie wissen gar nicht, was ich mitmachen musste.“ Der Hobby-Kunstsammler will nicht aufgeben. Zwar haben laut Urteil des Amtsgerichts Rosenheim mehrere Gutachter unabhängig voneinander bestätigt, dass es sich bei den Werken um Fälschungen handele, F. hält die Bewertungen aber für unprofessionell. Er sagt: „Die haben sich die Bilder fünf Minuten angeschaut. Ich verlange eine naturwissenschaftliche und technische Untersuchung.“ Als Simon F. am 3. Februar 2016 das Münchner Auktionshaus betrat und seine Werke selbstbewusst anbot, wurden die Mitarbeiterinnen stutzig und informierten die Polizei. Das Bayerische Landeskriminalamt nahm die Ermittlungen auf und beschlagnahmte die Kunstwerke. Aussagen von Kriminalern und Kunstexperten sollen in den kommenden Verhandlungstagen für Klarheit sorgen. Ein Urteil soll Ende August ergehen. 

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