Trittbrettfahrer wollte von Susanne Klatten 75.000 Euro

Fall Klatten: Noch ein Erpresser vor Gericht

Susanne Klatten
+
Die Milliardärin Susanne Klatten wurde übel hereingelegt.

München - Der Trittbrettfahrer war vergleichsweise bescheiden.

Mit 75.000 Euro der Milliardärin Susanne Klatten wollte sich Johannes F. (50) zufrieden geben – dafür wollte der vielfach vorbestrafte Bochumer der Quandt-Erbin das verschwundene Video ihres Liebesspiels mit dem Millionen-Erpresser Helg Sgarbi (44) zukommen lassen. Den Schweizer habe er im Gefängnis kennen gelernt. „Ich habe nie an eine Erpressung gedacht, nie!“, widerrief Johannes F. am Dienstag vor dem Amtsgericht das Geständnis, das er am 27. März abgelegt hatte.

Helg Sgarbi war am 9. März wegen seiner Millionen-Erpressung an Klatten zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Johannes F. hat die Prozessberichte offenbar aufmerksam verfolgt. Das verschwundene Video hat ihn wohl zu seinem anonymen Schreiben inspiriert: „Ich bitte Sie um ein Darlehen von 75.000 Euro dafür, dass ich Ihnen den verschwundenen Film und drei Kopien zukommen lasse“. Er habe zu „Leuten“ Kontakt, von denen ihm der Schweizer in der Zelle erzählte. Daher kenne er das Video. „Ich hoffe für Sie, dass Ihre Familie diesen Film niemals zu sehen bekommen wird“, schrieb er scheinheilig. Das Geld sollte bis 27. März in einer Bochumer Bäckerei deponiert werden: „Es wird abgeholt“. Abgeholt wurde stattdessen der Angeklagte – in Handschellen.

Trittbrettfahrer: Auch Johannes F. wollte bei Millionärin Klatten abkassieren

Am Dienstag tischte Johannes F. eine Story auf, über die sich seine Ex-Lebensgefährtin Bettina K. kaum freuen wird. Diese habe den von ihm entworfenen Brief im Computer bearbeitet und zur Post gegeben. „Ich wollte ihn gar nicht abschicken“, so der Angeklagte. Der Hartz-IV-Empfänger will eine andere Chance zur Geldbeschaffung gesehen haben: Er schrieb an die Staatsanwaltschaft, man möge ihn nach Stadelheim einschleusen, dort könne er aus Sgarbi herauskitzeln, wo die Klatten-Millionen geblieben seien. „Die Angelegenheit ist rein geschäftlich, das kostet natürlich etwas, wer geht schon freiwillig in den Knast“, will Johannes F. geschrieben haben. Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch: „Bei uns ist ein solcher Brief nie eingegangen“.

Auch für sein Geständnis nach der Festnahme hatte Johannes F. eine Erklärung. Die Polizei habe die schwangere Tochter seiner Ex-Lebensgefährtin verhaftet und bei ihm den Eindruck erweckt, das Mädchen komme nur frei, wenn er gestehe… Der Prozess musste ausgesetzt werden, um Zeugen zu hören. Es wird neu verhandelt.

Thomas Gerber

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare