Fall Poschinger: Genspuren belasten Angeklagten

In Erklärungsnot: Vom Angeklagten Rainer H. gibt es jede Menge Genspuren am Tatort.

München - Der Angeklagte im Prozess um den Mord an Dirk von Poschinger-Camphausen beteuert seine Unschuld. Die Ermittler haben aber jede Menge DNA-Spuren von Rainer H. gefunden.

Es gibt sie im Sack, in dem Dirk von Poschinger-Camphausens Leiche lag. Und es gibt sie auch an Handschuhen, an denen das Blut des Opfers klebte. Und selbst an den Handschellen, mit denen Poschinger-Camphausen gefesselt war, finden sich Genspuren des 40 Jahre alten Angeklagten Rainer H. Der sagt zwar, er sei unschuldig, seine Noch-Ehefrau habe eine Intrige inszeniert, um ihm zu schaden. Doch die Spuren am Tatort sprechen eine andere Sprache.

Akribisch genau hat ein Ermittler jede einzelne Genspur, die dem Angeklagten zugeordnet werden kann, am Donnerstag vor dem Münchner Schwurgericht vorgetragen. Dort hat sich seit Montag Rainer H. wegen Mordes zu verantworten. Er soll Interesse an Poschinger-Camphausens Audi A8 vorgegaukelt und den zweifachen Familienvater dann in eine Falle gelockt haben. In seiner Garage soll Rainer H. sein Opfer aus Habgier mit 13 Schüssen ermordet haben.

Keine Spuren an den Händen des Opfers

An den Händen des Opfers haben die Ermittler keine fremden Spuren gefunden. Das deutet darauf hin, dass sich Poschinger-Camphausen nicht gewehrt hat. Dafür spricht auch eine Geschichte, die einer seiner Freunde gestern vor Gericht erzählte.

Im Sommer 2000 flogen Stefan C. und Poschinger-Camphausen in die venezolanische Hauptstadt Caracas. Dort nahmen die beiden ein Taxi, um zum Hotel zu kommen. Auf der Stadtautobahn zückte der Beifahrer plötzlich eine Waffe und bedrohte die Freunde. „Er richtete die Pistole auf uns und forderte Bargeld, EC-Karten und Pässe“, berichtete Stefan C.

Gut eine halbe Stunde befanden sich Stefan C. und Poschinger-Camphausen in der Gewalt der Verbrecher, bevor die Räuber ihre Opfer frei ließen. „Der Dirk war nach außen hin sehr ruhig“, erinnert sich Stefan C. Es sei klar gewesen, dass die Chancen, den Überfall zu überleben, besser stehen, wenn sie nichts riskieren. Stefan C.: „Wir waren beide ängstlich, aber kontrolliert und beherrscht.“ Sein Freund habe die ganze Zeit auf Spanisch mit den Räubern gesprochen. „Dirk hat einen klaren Kopf bewahrt“, sagte Stefan C. „Wir hatten unser Leben noch vor uns.“ Sein Freund sei ein sehr besonnener Mensch gewesen, warmherzig, humorvoll, sehr geerdet und bodenständig. „Er wusste, was ihm lieb und teuer war, die Familie und Freunde“, sagte Stefan C. Geld habe da keine Rolle gespielt. „Unser Ziel war es, da lebend wieder rauszukommen.“

von Bettina Link

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