Fall Zimmermann: Zeuge musste mal im Wald

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Der Gesuchte

Egmating - Unglaubliche Wende im Mordfall Luise Zimmermann (73): Der von der Polizei gesuchte Mann mit dem roten Pullover hat mit dem Verbrechen an der Münchnerin, die im Egmatinger Forst nach einem Volkswandertag am 7. Juni grausam ermordet worden war, nichts zu tun.

Das musste die Mordkommission am Freitag bestätigen. Der Mann auf dem Foto hielt sich zwar am Tatort auf – er musste aber nur ganz dringend austreten!

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Die Entstehung des Fotos, mit dem die SoKo Kaltenbrunn über eine Woche lang nach dem Unbekannten suchte, klingt allerdings selbst wie ein Krimi und offenbart eine Kette von unglaublichen Zufällen. Und daher geriet ein 42-jähriger Lagerarbeiter aus Rosenheim schließlich ins Visier der Fahnder und wurde sogar von manchen für den Mörder gehalten. Wie der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, Hans-Peter Kammerer, der Ebersberger Zeitung sagte, konnte der Rosenheimer als Täter definitiv ausgeschlossen werden. Er war zufällig in der Nähe des Tatorts gelandet. Und zwar, weil sein Navi streikte. Er hatte sich mit dem Auto verfahren.

Was dann kam, wollten die Ermittler zuerst nicht glauben: Der 42-Jährige schilderte, dass er auf unerwartete Ereignisse erheblich nervös reagiere. Sein Nervenflattern verursache ein menschliches Rühren bei ihm, das keinerlei Aufschub dulde. Mit anderen Worten: Als das Navi streikte, musste der Mann schleunigst aufs Klo. Mitten im Wald und in unmittelbarer Nähe des Tatorts, an dem Luise Zimmermann Opfer eines brutalen Mörders wurde. Auf der Suche nach einer geeigneten „WC-Stelle“ im Wald wurde der Mann von der Wildsau-Kamera eingefangen, mit der ein Jäger eigentlich nur den Tierbestand in seinem Revier erfassen wollte.

Der Fall Luise Zimmermann

Fotos

Nachdem er das Dokument zur Polizei gebracht hatte und das Foto zur Fahndung freigegeben wurde, begann die Ermittlungs-Maschinerie zu laufen. Das Foto führte schließlich auf die Spur des Rosenheimer Lagerarbeiters. Er musste der Polizei immer wieder erklären, wie er zum Tatort gelangte und was er dort gemacht habe.

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Dass der 42-Jährige auf unvorhergesehene Dinge mit einem menschlichen Bedürfnis reagiert, das konnten die Beamten bei der Vernehmung selbst feststellen. „Der war dauernd auf dem Klo“, bestätigte ein Polizeisprecher. Als Tatverdächtiger scheidet der 42-Jährige aus. Er lebt in eher einfachen Verhältnissen bei seinem Bruder. Für die Tatzeit hat er ein Alibi. Nach der Veröffentlichung des Fotos hatte die SoKo einen Hinweis aus seinem Bekanntenkreis erhalten. Dann klingelte die Polizei an seiner Tür. Er selbst hatte nicht mitbekommen, dass sein Foto deutschlandweit in Zeitungen, TV-Magazinen und im Internet zu sehen war.

Wie berichtet, gab es am Donnerstag nach einer Absprachen-Panne zwischen der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY ... ungelöst und den Ermittlern neue Infos zum Mordfall. Der unbekannte Täter hatte die Rentnerin demnach im Egmatinger Forst erwürgt, entkleidet und die nackte Leiche angezündet. Der Beitrag wurde angekündigt, aber dann abgesetzt.

Michael Seeholzer

„Das ist kein Rückschlag für uns“

Kein Rückschlag, sondern vielmehr die Klärung einer sehr wichtigen Spur – so wertet Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, die wenig spektakuläre Klärung der Identität des zunächst unbekannten Mannes aus dem Wald. Der Unbekannte war eine heiße, aber nicht die einzige Spur. Denn auf die SoKo Kaltenbrunn (benannt nach dem Waldstück, in dem Luise Zimmermann ermordet aufgefunden wurde) kommt noch jede Menge Arbeit zu. Kammerer: „Die Kollegen sind zurzeit damit beschäftigt, rund 1000 Wanderer ausfindig zu machen, zu kontaktieren und nach eventuellen Beobachtungen zu befragen.“

Luise Zimmermann hatte am 6. und 7. Juni mit rund 1000 Gleichgesinnten an der Volkswanderung der Wanderfalken Dürrnhaar teilgenommen. Am 7. Juni war sie am Start in Aying noch gesehen worden. Danach verliert sich ihre Spur. Die SoKo Kaltenbrunn (Tel. 08122/96 83 80) bekam bereits 250 Hinweise, von denen noch nicht alle abgearbeitet sind. 40 davon können die Ermittler nun streichen: Sie bezogen sich alle auf den Mann im Wald. Auch die rechtsmedizinische Spurenauswertung ist noch nicht beendet. Kammerer: „Es ist sehr schwierig. Aber aufgegeben wird nicht!“

dop

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