Verwechselung auf dem Ostfriedhof

Friedhofs-Mitarbeiter heben falsches Grab aus

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Notdürftig mit Wedeln zugedeckt: Das Grab, das versehentlich geöffnet wurde. Die Steineinfassung wird man erst im nächsten Jahr wieder herrichten können. Links neben dem Grabstein ist im Hintergrund der Blumenschmuck des richtigen Grabes zu sehen.

München - Auf dem Ostfriedhof wäre beinahe ein Toter im falschen Grab beerdigt worden. Erst als die Trauergemeinde mit dem Sarg vor dem geöffneten Grab stand, wurde der Fehler entdeckt.

Seit zwei Jahrzehnten besucht Hannelore Bauer (Name geändert) regelmäßig das Grab ihres Vaters auf dem Münchner Ostfriedhof. Die riesige, parkartige Anlage lädt zum Spaziergang ein, und auf dem Familiengrab gibt es immer etwas zu richten. Doch als sie am Dienstag in den vertrauten Weg einbog, war alles anders: Die Steine der Grabeinfassung waren entfernt, und statt des bereits winterfesten Grabschmucks wölbte sich ein frisch ausgeworfener Erdhügel: Das Grab schien neu belegt zu sein!

„Da bleibt Dir natürlich erst einmal die Luft weg“, berichtete Bauer dem Münchner Merkur. Ihr war klar: „Da muss irgendwas schief gelaufen sein.“ Und sofort drängte sich die Frage auf: Liegt da jetzt ein Fremder im Familiengrab?

Nein, dass dann doch nicht, erfuhr die Münchnerin auf Nachfrage bei der Friedhofsverwaltung. Die hatte sich zwar bereits schriftlich mit ihr in Verbindung gesetzt, der Brief war jedoch noch nicht angekommen.

Was Bauer von der Verwaltung erfuhr, bestätigt auf Nachfrage des Münchner Merkur auch Peter Lippert, Leiter der Betriebsabteilung der Städtischen Friedhöfe: Bei einer Beerdigung am 22. November in jener Sektion, in der auch Bauers Grab liegt, hatte es eine böse Panne in der Kommunikation zwischen zwei Abteilungen gegeben. „Von der Gräberverwaltung wurde uns Reihe 7, Grab 6 gemeldet“, so Lippert. Am Morgen des 22. November rückten Friedhofs-Mitarbeiter an und hoben das Grab aus - wie bestellt bis in 1,20 Meter Tiefe. Doch Reihe 7, Grab 6, ist die Grabstelle der Familie Bauer. Das Familiengrab des 71-jährigen Handwerksmeisters, der an diesem Tag seine letzte Ruhestätte finden sollte, liegt etwa zehn Meter entfernt: Reihe 6, Grab 7.

„Wegen dieses Fehlers wurde das falsche Grab geöffnet“, sagt Lippert. Bemerkt hat das erst die Trauergemeinde, als sie mit dem Sarg am offenen Grab ankam. Das, so erkannten die Angehörigen sofort, war nicht der richtige Platz.

„Der Leiter des Ostfriedhofs wurde sofort informiert. Er kam und hat sich bei den Betroffenen entschuldigt“, berichtet Lippert. Dann war schnelles Krisenmanagement angesagt. Man telefonierte mit dem Gasthaus, in dem der Leichenschmaus geplant war, und disponierte um. „Der Leichenschmaus wurde vorgezogen, und wir haben währenddessen schnellstmöglich das richtige Grab ausgehoben“, so Lippert. Mit zwei Stunden Verspätung wurde die Bestattung dann zu Ende gebracht.

Beendet ist der Fall damit jedoch nicht, so Lippert: „Wir werden uns auch mit den Angehörigen nochmals in Verbindung setzen und uns schriftlich entschuldigen.“ Kriemhild Pöllath-Schwarz, Leiterin der Friedhofsverwaltung, kündigte an, man werde einen Weg finden, sich für das Verständnis der Angehörigen erkenntlich zu zeigen.

Für Hannelore Bauer hat Lippert zumindest eine tröstliche Nachricht: Es sei eine Bestattung in 1,20 Meter Tiefe angemeldet worden. Die Gebeine von Bauers Vater sind bei der versehentlichen Graböffnung nicht angetastet worden.

Nun muss die Münchnerin mindestens bis zum späten Frühjahr 2013 ein provisorisch hergerichtetes Grab hinnehmen. „Vorher kann man die Umrandung nicht wiederherstellen, weil sich alles noch setzt“, erklärt sie. Wegen der Kosten für Wiederherstellung und Neubepflanzung des Grabes müsse sich Bauer keine Sorgen machen, verspricht Lippert: „Das ist ein Versicherungsfall.“

Im Oktober 2011 hat es einen ähnlichen Fall im Waldfriedhof gegeben: Friedhofsarbeiter, die ein neues Urnengrab ausheben sollten, öffneten ein bereits belegtes Grab - offenbar ein Irrtum wegen einer Namensgleichheit. Auch damals bemerkten erst die Angehörigen den Fehler, als sie mit der Urne an die Grabstelle kamen. Schockiert mussten sie mitansehen, wie vor ihren Augen eilig ein neues Loch gebuddelt wurde. Lippert hatte damals angekündigt, man werde das Krisenmanagement verbessern. Das immerhin scheint gelungen zu sein.

Das für die Friedhöfe zuständige Umweltreferat hat unterdessen die Panne am Ostfriedhof bedauert. So etwas komme äußerst selten vor. Ganz ausschließen ließen sich Fehler dort, wo Menschen arbeiten, aber nicht.

Von Peter T. Schmidt

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