Rentnerin in sieben Jahren 80 Mal abgezockt

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In der Setzbergstraße (Giesing) erbeutete ein falscher Polizist 16 900 Euro

München - Ein falscher Polizist hat einer dementen Rentnerin bei über 80 Besuchen in sieben Jahren 16.800 Euro abgenommen. Nicht mal die Betreuerin der 83-Jährigen merkte etwas. Der unglaubliche Fall:

Soviel Frechheit auf einmal ist selbst für erfahrene Ermittler des Trickdieb-Kommissariates K 25 kaum zu glauben: Sieben geschlagene Jahre lang beutete ein Ganove (29) eine einsame und demente Münchner Seniorin Monat für Monat aus. Über 80 Mal knöpfte der Täter der alten Dame bei seinen Besuchen jedesmal 200 Euro ab, erbeutete auf diese Weise 16800 Euro. Und keiner hat‘s gemerkt…

Im Juli 2004 – so hatte es die Seniorin sich notiert – läutete ein netter, junger Polizist an ihrer Tür in der Setzbergstraße (Obergiesing). Jedenfalls dachte sie, er müsse Polizist sein. Denn er stellte sich so höflich als „Kommissar Müller“ vor. Niemals wäre sie auf die Idee gekommen, dass er ein hundsgemeiner Betrüger ist. Außerdem freute sie sich über den Besuch und die kleine Abwechslung, die er in ihr eintöniges Leben brachte. Denn sie hat offenbar keine Angehörigen mehr. Stattdessen kam regelmäßig eine Sozialbetreuerin, die nun aus allen Wolken fiel. Die Seniorin hatte ihr gegenüber mit keiner Silbe erwähnt, dass sie regelmäßig Besuch von „Kommissar Müller“ bekam. Wahrscheinlich hatte sie auch ein wenig Angst. Schließlich hatte er ihr angedroht, ihre Möbel zu pfänden, falls sie mit den Zahlungen in Rückstand geraten sollte. Und so zahlte die demente alte Dame jeden Monat 200 Euro in bar an einen völlig fremden Mann.

Der unverschämte Betrug wäre vermutlich nie aufgeflogen, wenn die Polizei nicht im großen Unfang gegen einen Familienclan ermittelt hätte, zu dem auch der 29-Jährige, hinreichend polizeibekannte Mann gehört. Er war bereits als sehr aktiver Teppichbetrüger aufgefallen. Bei den Ermittlungen stellten die Beamten fest, dass der 29-Jährige regelmäßig in der Setzbergstraße auftauchte. Am Dienstag um 20.25 Uhr wurde der Betrüger in Giesing verhaftet. Er war in Begleitung seines ebenfalls polizeibekannten Bruders.

Der Täter hatte leichtes Spiel mit der einsamen Frau, die vermutlich bis an ihr seliges Ende weitergezahlt hätte. Die Polizei bittet Nachbarn, ein Auge auf betagte Mitbewohner zu haben. Im Zweifelsfall ist es nicht unhöflich, mal an der Tür zu klingeln und fremde Besucher zu hinterfragen. Auch die Polizei steht immer für einen Rat ­bereit.

Dorita Plange

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tz-Stichwort Demenz

Diagnose Demenz: 1,2 Millionen Deutsche leiden an der chronischen Hirnerkrankung – Tendenz steigend. Die Demenz hat ­viele Symptome: Sprachstörungen, Vergesslichkeit, nachlassende Konzentration, Reizbarkeit. Bei der häufigsten Form, der Alzheimer-Demenz, lagern sich Eiweißprodukte an den Hirnzellen an, die sich in Folge abbauen. Für Trickbetrüger sind Demenzkranke leichte Beute: „Je mehr ein Mensch vergisst, desto leichter geht er einem Betrüger auf den Leim“, erklärt Dr. Timo Grimmer, Facharzt für Psychiatrie und ­Psychotherapie am Zentrum für kognitive Störungen der ­ TU München. Er richtet einen Appell an Angehörige und Nachbarn: „Wenn Sie bei älteren Menschen Auffälligkeiten bemerken, kümmern Sie sich da­rum, dass sie ärzt­liche Hilfe in Anspruch nehmen!“

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