Faltlhauser und Goppel: Acatech soll in Lotterieverwaltung ziehen

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Die ehemaligen CSU-Minister Kurt Faltlhauser (links) und Thomas Goppel.

München - Führende CSU-Mitglieder wollen Kabinettsentscheidung zum Amerikahaus in München rückgängig machen.

Die Strategie wäre nicht neu: Die bayerische Regierung verkündet eine unliebsame Entscheidung – und versucht den Widerstand, der meist aus einem kurzen Aufschrei besteht, auszusitzen. Beim Umzug des Statistischen Landesamts nach Fürth hat das funktioniert. Doch seitdem das Kabinett am 2. August beschlossen hat, dass ins Amerikahaus die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) einziehen soll, will der Chor der parteiübergreifenden Kritiker nicht verstummen.

Auch in der CSU regt sich am Ende der parlamentarischen Sommerpause deutlicher Unmut. „Ich bin dafür, dass das Amerikahaus an seinem jetzigen Standort bleibt“, sagt beispielsweise der Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer. Seine Landtagskollegin Ursula Männle findet die Entscheidung „sehr bedauerlich – gerade wenn man weiß, was das Haus in den letzten Jahren geleistet hat“.

Inzwischen versuchen führende CSU-Mitglieder sogar offen, die Entscheidung zu revidieren: Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser beispielsweise will die Acatech zwar am Karolinenplatz beheimaten – allerdings nicht im Amerikahaus, sondern im Gebäude der Staatlichen Lotterieverwaltung auf der anderen Seite des Platzes. „Eine nachgeordnete Behörde muss nicht an dieser Lage am Karolinenplatz sein“, sagte Faltlhauser unserer Zeitung. „Das ist mein Vorschlag.“ Er habe das bereits mit seinem Nachfolger Georg Fahrenschon beraten. In dessen Haus will man sich zu dem Plan nicht äußern, der Chef sei im Urlaub. Unterstützung erhält Faltlhauser aber vom ehemaligen Wissenschaftsminister Thomas Goppel: „Dann wären Acatech und Amerikahaus an einem guten Standort. Die Lotterieverwaltung kann in Gottes Namen auch in Pfaffenhofen oder Landsberg oder sonstwo sitzen.“

Zum Umfeld von Pinakothek der Moderne, Film- und Fernseh-Hochschule oder der von Stararchitekt Norman Foster zu sanierenden Lenbach-Galerie „passen zwei Institutionen für Bürgeraustausch und Dialog“, findet Faltlhauser. Die Acatech werde dann auch genügend große Säle in der Umgebung finden und sei nicht zwingend auf den im Amerikahaus angewiesen.

Dort gibt man sich aber kompromissbereit. Auch bei Raimund Lammersdorf, dem Direktor des Hauses, ist die Idee mit der Lotterieverwaltung angekommen. Er habe bereits erste Gespräche mit der Acatech über den Vorschlag geführt – „sehr gute Gespräche“, wie er betont. „Ich habe angeboten, dass die Acatech dann gerne unsere Räumlichkeiten für Veranstaltungen nutzen könne.“

Auf allen Ebenen sorgt die allgemein als unglücklich empfundene Kabinettsentscheidung inzwischen für Gesprächsstoff. Der amerikanische Botschafter Philip D. Murphy hat sich diplomatisch, aber kritisch geäußert. Im September kommt er nach München – womöglich auch, um im kleinen Kreis noch ein wenig deutlicher zu werden. Und sogar innerhalb des Ministerrats scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen: Kultusminister Ludwig Spaenle, in dessen Wahlkreis das Haus liegt, hat ebenfalls einen Kompromissvorschlag erarbeitet.

Spaenle will den Umzug des Amerikahauses zwar nicht verhindern, aber wenigstens weiterhin den Theatersaal für öffentliche Veranstaltung nutzen. Diesen Vorschlag habe er bereits mit Ministerpräsident Seehofer besprochen. „Wir sind auf einem guten Weg“, findet Spaenle. Raimund Lammersdorf hält den Vorschlag dagegen für unpraktikabel. „Wir haben hier 200 Veranstaltungen im Jahr mit über 50 000 Besuchern – das wäre in einem Haus mit Akademiebetrieb schlicht unmöglich.“

Sogar der Postbote hat Seehofer dieser Tage Kritik in Sachen Amerikahaus vorbeigebracht: „Sehr geehrter Herr Kollege“ beginnt das persönliche Schreiben, das der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel an Seehofer gerichtet hat. Er bedauere die Schließung des Amerikahauses an seinem jetzigen Standort außerordentlich, schreibt der ehemalige Bundesvorsitzende der SPD. „Gerade für meine Generation verbinden sich mit dem Amerikahaus – und zwar an seinem jetzigen Standort – ganz besondere Erinnerungen“, schreibt Vogel. Er befürchte, die Schließung könne „seitens der USA als unfreundlicher Akt empfunden“ werden und schließt: „Ich bitte deshalb, die in Rede stehende Entscheidung rückgängig zu machen.“

Von Mike Schier und Christian Deutschländer

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