Heim für Melia zu teuer

Familie kann sich Hund nicht mehr leisten

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Hund Melia mit (v. li.): Uwe Ruhland, Karl-Heinz Joachim und Dietmar Gaiser

München - Uwe Ruhland (43) aus München wendet sich an das Team des tz-Bürgeranwalts. Seine Familie kann sich Melia nicht mehr leisten – und Abgeben kostet.

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Im Stadtgebiet München gibt es um die 50 000 Hunde und 150 000 Katzen. Und es werden immer mehr, obwohl die Wohnungen im Durchschnitt immer kleiner werden. Das hat mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun. Immer mehr Alleinlebende wollen, dass in ihrer Wohnung etwas atmet, bellt oder miaut. Dann ist man nicht gar so einsam. Natürlich bringt dieser Trend auch Pro-bleme mit sich. Rund drei Prozent der Tierbesitzer kommen in eine unvorhergesehene Situation oder gar Notlage, dazu gehören Krankheit, Arbeitslosigkeit, Versetzung oder sie lassen sich scheiden. Wohin dann mit den Vierbeinern? Viele davon landen im Tierheim. Wenn sie Glück haben. Es gibt leider auch schlimmere Methoden, Tiere loszuwerden. Das größte Problem im Tierheim sind die Katzen. Bisher waren sie auf fünf verschiedene Häuser verteilt. Das soll sich jetzt ändern. Das Tierheim in der Riemer Straße bekommt ein neues Katzenhaus. Darin haben rund 200 Tiere Platz. Dieses Haus hat auch spezielle Räume für kranke Tiere und Tiere, die in Quarantäne müssen. Außerdem gibt es einen Raum, in dem sich die Katzen und ihre möglichen neue Besitzer im wahrsten Sinne des Wortes beschnuppern können. Immerhin sind es jedes Jahr um die 50 000 Münchner, die nach Riem kommen, um sich ein neues Viecherl auszusuchen. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Auch wenn ein Teil der Tiere eines Tages wieder im Tierheim abgegeben wird. Aber das ist immer noch viel humaner, als sie einfach auszusetzen. Und das ist vor allem in der bevorstehenden Reisezeit leider häufig der Fall.

Ihr Dietmar Gaiser

Heim für Hund zu teuer

Wir haben einen Hund, den die ganze Familie sehr liebt. Er heißt Melia und ist 55 Kilogramm schwer. Damit fangen die Schwierigkeiten an. Erstens ist es sehr teuer, ein so großes Tier richtig zu ernähren, zweitens bekomme ich auch in dem Haus, in dem ich zur Miete wohne, Schwierigkeiten. Also wollte ich mich schweren Herzens von dem Tier trennen und rief im Tierheim an. Dort aber sagte man mir, dass es 390 Euro kostet, Melia abzugeben. Ich kann mir das nicht leisten. Meine Frau ist krank und ich bin arbeitslos. Können Sie mir helfen?

Uwe Ruhland (43) aus München

Wir setzten uns mit Judith Brettmeister und Karl-Heinz Joachim vom Münchner Tierheim in Verbindung und erfuhren, dass man Tiere nicht einfach zuerst für teures Geld anschaffen und dann umsonst wieder abgeben kann. Karl-Heinz Joachim: „Wir haben eine exakte Preisliste, wie viel es kostet, wenn man Tiere bei uns abgibt. Eine Katze kostet beispielsweise 95 Euro. Dazu kommt noch der Preis für die notwendigen medizinischen Indikationen wie Blutuntersuchungen oder Impfungen. Auch wenn jemand eine Ratte oder Maus abgibt, muss er bezahlen.“ In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass das Tierheim keine staatlichen Mittel erhält. Auch die Zuschüsse der Stadt München sind sehr bescheiden. Trotzdem arbeiten im Tierheim rund 50 festangestellte Mitarbeiter. Sie werden dringend gebraucht, denn in die Riemer Straße 270 werden jedes Jahr knapp 9000 Tiere gebracht. Betrieben wird das Tierheim vom Tierschutzverein München e. V. Natürlich kann der Unterhalt des Tierheimes nicht durch die Gebühren für abgegebene Tiere aufgebracht werden. Ein großer Teil der Mittel kommt aus Spenden. Beim Hund von Uwe Ruhland kam die relativ hohe Summe von 390 Euro zusammen, weil es sich um einen sogenannten Listenhund handelt. Das ist ein Kampfhund der Kategorie zwei. Seine Aufnahme ins Tierheim setzt auch ein Gutachten voraus, das erst erstellt und bezahlt werden muss. Als sich der Bürger-anwalt einschaltete und der Leitung des Tierheims die verzweifelte Lage des tz-Lesers schilderte, war man jedoch bereit, den Hund kostenfrei aufzunehmen. Allerdings war es ein schwieriger Abschied, als Herr und Hund dann erschienen, um sich zu trennen. Beide waren sehr aufgeregt und zumindest das Herrchen hatte sehr feuchte Augen.

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