Familie in Zwickmühle wegen Klage gegen Händler

Wegen Diesel-Skandal: Hilfe! Die Stadt legt unser Auto lahm

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Nicht nur Helmut Steinle (r.) macht sich Sorgen: Stehen Claudia und Federico Mothes mit ihrem Nachwuchs bald ohne Auto da?

Diesel-Fahrer müssen seit der Aufdeckung des Skandals um Betrügereien mit der Schadstoffsoftware zittern. Das gilt auch für Helmut Steinle und die Familie seiner Tochter. Doch er setzt sich zur Wehr.

München - Als Helmut Steinle vor vier Jahren einen Seat Altea XL gekauft hat, war für ihn klar, dass es ein Diesel sein soll. „Günstig, sparsam und umweltschonend - das war mein Eindruck von dem Wagen“, erinnert sich Steinle. Heute, knapp drei Jahre nachdem die Dieselbetrügereien im Volkswagen-Konzern publik wurden, soll Steinles Seat nach dem Willen des Kreisverwaltungsreferats (KVR) stillgelegt werden!

18 Monate hatten VW-Dieselkunden nach Zulassung der Nachrüstung durch das Kraftfahrtbundesamt Zeit, ihr Auto in die Werkstatt zu bringen. Vier Wochen vor Ablauf der Frist kommt eine letzte Mahnung des KVR. Eine Woche vorher die Ankündigung der Stillegung. Diese erreichte Steinle am vergangenen Montag.

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Auto für junge Familie der Tochter

Eigentlich hatte Steinle nur ein neues Auto für die Zeit kaufen wollen, wenn seine Tochter und ihr Mann einmal eine Familie gegründet haben. „Wir haben also gleich was Größeres gekauft. Erstmal haben meine Frau und ich den Wagen genutzt, jetzt fährt die junge Familie meiner Tochter damit“, sagt Steinle. Die Eltern eines drei Monate alten Kindes könnten allerdings schon an diesem Montag ohne fahrbaren Untersatz da stehen.

Nach Bekanntwerden des Dieselskandals war schnell klar, dass auch in ihrem Auto die VW-Betrugssoftware verbaut worden war. Im Familienrat fiel die Entscheidung, das Auto zurückzugeben. Einerseits, weil die Familie befürchtete, irgendwann nicht mehr in die Stadt fahren zu dürfen. „Außerdem machten uns Berichte Sorgen, dass die Software-Updates für Probleme mit dem Motor sorgen könnten“, sagt Steinle.

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Der Fall geht vor Gericht

Doch der Händler wollte den Wagen nicht zurücknehmen. Also nahm sich Steinle einen Rechtsanwalt, der vor vier Monaten eine Klage gegen den Händler eingereicht hat. Eine erste Verhandlung in Landshut führte nicht zum Erfolg, Ende Juli ist der Berufungsprozess in München angesetzt. „Bis dahin hätte ich gerne noch Zeit, den Wagen im jetzigen Zustand zu lassen“, so Steinle. Denn sein Anwalt hatte ihm geraten, kein Update vorzunehmen, um das Auto als Beweismittel nicht zu verändern.

Hoffnung auf Gnade hat Steinle jedoch nicht mehr. „Im Familienkreis haben wir uns überlegt, heute noch eine Werkstatt aufzutreiben, die doch noch das Update macht.“ Dann könnte die Familie seiner Tochter den Wagen wenigstens noch weiter nutzen.

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Das sind die Fristen

Anfang Juni hatte das KVR den ersten vom VW-Dieselskandal betroffenen Wagen stillgelegt. Diese Zwangsmaßnahme trifft Autobesitzer, die 18 Monate nach der Freigabe der Nachrüstung durch das Kraftfahrt-Bundesamt „trotz der mehrfachen Erinnerungen durch den Hersteller nicht an der Rückrufaktion teilgenommen haben“, so eine Sprecherin des bayerischen Verkehrsministeriums.

Das Kraftfahrt-Bundesamt gibt die Daten säumiger Dieselbesitzer an die kommunalen Kfz-Zulassungsstellen weiter, die die Betreffenden ein weiteres Mal anschreiben und ihnen in der Regel eine letzte Frist von vier Wochen setzen. Bundesweit droht knapp 15.000 Dieselbesitzern die Stilllegung ihres Autos.

Mk.

Man wehrt sich:

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