Bewohner haben Angst

Farb-Anschlag auf Nazi-Gegner

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Scheiben eingeschlagen, mit Farbbeuteln beworfen: Das Haus in der Ligsalzstraße.

München - Dieses Haus in der Ligsalzstraße (Westend) ist Nazis offenbar ein Dorn im Auge: Vermummte Männer haben mehrmals das linksalternative Wohnprojekt mit Farbbeuteln und Eiern attackiert und die Scheiben zertrümmert

Ein Zufall, dass dies ausgerechnet zur Zeit des NSU-Prozesses passiert? Wohl kaum. Auch Nebenklage-Anwältin Angelika Lex wurde bereits Opfer eines miesen Anschlags.

Der Laden in der Ligsalzstraße ist ein Stadtteil-Treffpunkt. Auf Plakaten bekunden sie ihre Solidarität mit den NSU-Opfern.Für Nazis offenbar ein rotes Tuch. Bereits am 8. Mai stürmte ein vermummter Mann ins Lokal. „Der ist erst auf dem Teppich ausgerutscht“, so Bewohner Gabriel O. „Dann ist er davongelaufen. Später haben wir gesehen, dass er Eier geschmissen hatte.“

In der Nacht zum 12. Mai ritzten Nazis an der gläsernen Eingangstür ihre „Visitenkarte“ ein: „Anti-Antifa“. In der Nacht zum Mittwoch schreckten die Bewohner um 5.20 Uhr erneut auf: Beide Schaufenster wurden eingeschlagen! Die nächste Attacke folgte eine Nacht darauf: Das ganze Haus wurde mit Farbbeuteln beworfen. Getroffen wurden auch ein Nachbarhaus und Autos.

Attacke ist kein Einzelfall

Ein Einzelfall? Leider nein. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz berichtete Matthias Weinzierl, Geschäftsführer vom Bayerischen Flüchtingsrat, von Attacken auf das Büro in der Augsburger Straße. Weinzierl: „In der Nacht zum 14. April hat man die Scheibe eingeschlagen.“ Auf einer Nazi-Seite prahlen die Täter: „Entlüftungsaktion beim Flüchtlingsrat.“

Das Eine-Welt-Haus in der Schwanthalerstraße ist ebenfalls Zielscheibe: „Im Hof ging letzte Nacht plötzlich das Licht an“, so „Weltwirtschaft“-Wirtin Sarah Seesslen. „Wir sind rausgestürmt und sahen zwei vermummte Männer mit Spraydosen.“

Opfer einer Fäkalien-Attacke wurde Rechtsanwältin Angelika Lex, die im NSU-Prozess die Witwe des im Westend ermordeten Theodorus Boulgarides vertritt: „Als ich am Montag ins Büro kam, war der Eingang mit Kot verschmiert. Aber ich lasse mich nicht einschüchtern.“ Auch die Bewohner in der Ligsalzstraße bleiben gelassen: „Wir veranstalten jetzt ein Straßenfest.“

Die Polizei ermittelt gegen die unbekannten Täter wegen Sachbeschädigung.

Eberhard Unfried

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