„Disneyland-Fassade“ am Marienplatz

FC-Bayern-Fanshop in München: „Ein Highlight der Geschmacklosigkeit“

Die neue Filiale FC Bayern World in der Weinstraße in der Altstadt von München, Bayern, Deutschland
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Schön oder einfach nur kitschig? Die Fassadengestaltung der FC- Bayern-World in der Münchner Weinstraße spaltet die Gemüter

Der „FC Bayern Welt“ in der Münchner Innenstadt kleckert nicht, sie klotzt. Einem Münchner Architektur-Fotografen stößt vor allem die opulente Fassade des Neubaus übel auf. Er rät dazu, die Verantwortlichen unverzüglich zu entlassen.

Ob Sanés 5000-Euro-Graffiti-Plüsch-Jacke von Balenciaga, Boatengs Vorliebe für goldene Ketten und goldene Steaks, oder Gnabrys Faible für Buntgemustertes von Gucci – stilistisch betrachtet ist die Welt des Fußballs gewiss nicht die erste Adresse für leise Töne. Mehr-ist-mehr scheint aber nicht nur die Stil-Maxime einzelner Spieler des FC Bayern zu sein, sondern auch der Vereinsleitung. Wie sonst lässt sich das über die gesamte Natursteinfassade erstreckende Sgrafitto des neuen FC-Bayern-Fanshops in Münchens Weinstraße erklären?

München: FC-Bayern-Fanshop – ein Paradebeispiel für versemmelte Fassadengestaltung?

Dabei handelt es sich um eine Dekorationstechnik bei der Zierelemente in den Putz geritzt und tiefer gelegene Farbschichten freigelegt werden. Im Falle des FC-Bayern-Flagshipstores vom Trottoir bis unter die Dachrinne. Die barock anmutende Wandgestaltung des 2020 fertigstellten Neubaus gegenüber dem Rathaus am Marienplatz löst beim Münchner Oliver Wiehler Augenschmerzen aus. In einem Posting auf Facebook machte der Architektur-und-Landschaftsfotograf seinem Ärger über die „Disneyland-Fassade“ Luft und bat darin auch die Lokalpresse, sich des Themas anzunehmen. Et voilà!

Wiehler ärgert sich über „Rückwärtsgewandtheit“ der Stadt München bei Architekturprojekten. Er weist darauf hin, dass es sich bei dem FC-Bayern-Flagshipstore um einen Neubau handelt und kann nicht nachvollziehen, warum man dieser auf eine „Mischung aus Shopping Mall in Las Vegas und Hotelbetrieb im Europapark Rust“ gepimpt wurde. Wer auch immer dieses „Highlight der Geschmacklosigkeit“ genehmigt hat, gehört seiner Meinung nach „aus dem Amt entfernt.“

Mit der FC-Bayern-Welt kehrt Münchner Punk an den Marienplatz zurück

„Passt doch zu München“ , finden gerade einmal zwei User aus Wiehlers Freundeskreis und werden von allen anderen überstimmt: „Puppenhaus für China-Barbies“, „Grausam“, „Absurd“, „Muss man mögen“, „Wie schrecklich“, „Ganz schön hässlich“. Die Mehrheit der Kommentierenden ist sich einig: Diese Optik geht gar nicht. Auch die bekannte Journalistin und Autorin Beate Wedekind hat Wiehlers Beitrag kommentiert. Die ehemalige Chefredakteurin der Zeitschriften Elle, Bunte und Ambiente und Verfasserin zweier Einrichtungsbände gilt als absolut stilsicher. Ihr Urteil formuliert sie kurz und knapp: „Palazzo Prozzo“.

Einst als günstigere Alternative zu echtem Stuck hergenommen, haftete dem Sgrafitto lange Zeit der Ruch des Fakes an. Eine Technik, die vorgibt etwas zu sein, was nicht wirklich ist. Das ist inzwischen anders. Sgrafittos sind heute eine „sündteure Angelegenheit“, wie die Süddeutsche Zeitung in ihrem Artikel „Münchner Straßenschmuck“ zum FC-Bayern-Haus berichtet. Metaphorisch gesehen passt die kostspielige Zierde somit bestens zu den Designer-Klamotten der Edel-Kicker des deutschen Rekordmeisters: Hauptsache auffällig.

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