Wegen Falschberatung

Ex-Bayern-Profi verklagt Sparkasse

München - Ein ehemaliger Spieler des FC Bayern verklagt die Sparkasse Niederbayern-Mitte. Er fühlt sich falsch beraten. Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Vitus Nagorny (38) ist sauer. Der ehemalige Fußballprofi fühlt sich von seiner Bank übers Ohr gehauen. Einen hohen fünfstelligen Betrag hat der Mann, der in den Jahren 2007 und 2008 rund 40 Spiele für die zweite Mannschaft des FC Bayern bestritt, verloren – weil ihn ein Bankberater der Sparkasse Niederbayern-Mitte beim Abschluss von Immobilienfonds falsch beraten habe, wie Nagorny sagt. Jetzt zieht der Ex-Stürmer wegen vorsätzlicher Falschberatung vor Gericht. Am 14. März verhandelt das Landgericht Regensburg den Fall. Nagorny sagt: „Ich hoffe, dass ich zu meinem Recht komme.“

Vitus Nagorny.

Alles begann 2009, mitten in der Finanzkrise. „Ich bin damals Vater einer Tochter geworden“, erzählt der Kirgistan-Deutsche. „Ich wollte mein Geld sicher anlegen, so konservativ wie möglich.“ Gerade als Fußballer müsse man für die Zukunft vorsorgen. Also vereinbarte er einen Termin bei seinem Kreditinstitut. Der Bankberater, auf den er traf, machte ihm einen offenen Immobilienfonds schmackhaft. „Er hat gesagt, die Papiere seien mündelsicher“, sagt Nagorny. Mündelsicher werden Vermögensanlagen genannt, bei denen Wertverluste praktisch ausgeschlossen sind. Nagorny ersteht die erste Tranche Anteile im Wert von 150.000 Euro, später kauft er weitere. Zu diesem Zeitpunkt war die Rücknahme der Anteile jedoch bereits ausgesetzt. Auch das, sagt Nagorny, habe er nicht gewusst. Dass die Anlage nicht sicher ist, stellt sich schon wenig später heraus.

Zuletzt coachte Nagorny einen Bayernligisten

2010 wird der Fonds vorübergehend geschlossen, wird danach aber nie wieder geöffnet. Er ist in Schieflage. Nagornys Anlage ist im Minus, Erträge hat er keine erwirtschaftet. „Wenn ich eins und eins zusammenzähle, hätte der Fonds schon als ich unterschrieben habe, nicht mehr verkauft werden dürfen“, glaubt Nagorny. Der Ex-Kicker, der 1998 bis 2000 in der ersten Bundesliga beim VfL Wolfsburg unter Vertrag stand, glaubt, dass er nicht alleine ist. Er recherchiert. Und wird fündig. Im Internet stößt er auf ein Urteil. Ein Mann, der ein Jahr nach ihm ebenfalls Anteile an dem Immobilienfonds gekauft hatte, beim selben Bankberater, hatte gegen das Kreditinstitut auf Schadenersatz geklagt – und gewonnen. Das komplette Geschäft musste rückabgewickelt werden.

Nagorny ermutigt das. „Hier liegt doch ein Verschulden der Bank vor, wenn sie ihren Berater nicht richtig schult“, findet er. Der Mann, der zuletzt als Trainer bei Bayernligist SpVgg Hankofen arbeitete, sucht das Gespräch mit der Bank. Und scheitert. Schließlich leitet er ein Schlichtungsverfahren ein, ein Ombudsmann schlägt einen Vergleich vor: Rund ein Viertel der Verluste solle Nagorny auf seine Kappe nehmen, das Kreditinstitut die restlichen Anteile zurücknehmen und Nagorny das investierte Kapital und 1,5 Prozent Zinsen zurückerstatten. „Ich wäre damit einverstanden gewesen“, sagt Nagorny. „Aber die Bank hat abgelehnt.“ Und das, obwohl sie bei dem Geschäft insgesamt mehr als 10.000 Euro an Provisionen kassiert hat. Das Kreditinstitut habe darauf gepocht, dass die Sache nach dem Wertpapierhandelsgesetz bereits verjährt sei. Nagorny aber glaubt, dass es eine vorsätzliche Falschberatung war – die verjährt nicht bereits nach drei Jahren. Deshalb geht er nun vor Gericht. „Vielleicht gibt es ja noch viel mehr Leute, die so Geld verloren haben“, sagt der 38-Jährige.

Die Sparkasse Niederbayern-Mitte gibt sich auf Nachfrage wortkarg. In der genannten Angelegenheit finde „demnächst eine gerichtliche Aufarbeitung statt, bei der alle Fragen geklärt werden“, sagt Sparkassen-Sprecher Robert Elsberger. 

Aus für das kostenlose Girokonto

Rubriklistenbild: © sampics / Christina Pahnke

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