Erpressungsversuch beim FC Bayern

Besenstielräuber erneut vor Gericht

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Harald Zirngibl ist heute 64 Jahre alt. 

München - Harald Zirngibl hat spektakuläre Straftaten begangen und saß lange in Haft. Nun kommt ein weiteres Kapitel seiner Verbrecher-Karriere hinzu: Er soll den FC Bayern um Millionen Euro erpresst haben. Am Landgericht wird ihm der Prozess gemacht. Es könnte sein letzter sein.

Sechs Banküberfälle, 73 Geiselnahmen und mehr als vier Millionen Mark Beute: Das ist die Lebensleistung des Harald Zirngibl, Jahrgang 1952. Als „Besenstielräuber“ wurde er bundesweit bekannt – den Spitznamen bekam er, weil er bei den Überfällen insgesamt 73 Geiseln nahm, seine Opfer einsperrte und die Türen zusätzlich mithilfe eines Besenstiels verschloss. 13 Jahre lang saß Zirngibl wegen seiner unrühmlichen Verbrechen bereits im Gefängnis.

Es könnten nun noch 15 Jahre hinzukommen: Denn der Besenstielräuber hat mutmaßlich den FC Bayern München erpresst. In einem Schreiben an den Verein soll er Geld gefordert und mit einem Bombenanschlag gedroht haben. Kommenden Freitag beginnt der Prozess am Münchner Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft Zirngibl versuchte räuberische Erpressung vor. Er soll seinen Droh-Brief am 9. Februar an den FC Bayern geschickt haben. Adressiert war er an den Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge.

Darin soll Zirngibl sogar mit Toten gedroht haben, falls es kein Geld gäbe. Konkret sprach er von Lebensgefahr für Spieler und Zuschauer – durch eine Explosion. Auch eine Autobombe hatte er erwähnt. Diamanten und Bargeld, so der Vorwurf, forderte Zirngibl vom FC Bayern: für rund drei Millionen Euro. Der Verein ging nicht darauf ein und übergab der Polizei auch ein zweites Schreiben, das vom 15. Februar datiert und ebenfalls von Zirngibl stammen soll.

Beamte konnten den mutmaßlichen Erpresser Ende Februar auf einem Parkplatz in Mainburg festnehmen – nach tagelanger Großfahndung. Nur sechs Jahre nach seiner Haftentlassung saß Zirngibl wieder hinter Gittern. Sein Tatmotiv: Laut Staatsanwaltschaft hatte er erhebliche finanzielle Probleme. Dieser Plan misslang gründlich.

Strafverteidiger Adam Ahmed vertritt Zirngibl am Landgericht. Gegenüber unserer Zeitung wollte er sich vor Prozessbeginn nicht äußern. Bei der Polizei hatte Zirngibl bereits ein Geständnis abgelegt. Es gilt als wahrscheinlich, dass er auch im Erpressungs-Prozess zugibt, die Schreiben an den FC Bayern abgeschickt zu haben.

Das eingeforderte Geld wollte Zirngibl den Ermittlungen zufolge von Rummenigge persönlich entgegennehmen. Auch Matthias Sammer, damaliger Sportvorstand, sollte bei der Übergabe dabei sein. Weiter hatte Zirngibl die Anmietung eines Fluchtfahrzeuges und einen Rucksack eingefordert.

Über eine bosnische Handynummer hielt Zirngibl danach Kontakt und gab den Standort für die Übergabe an. Dass am anderen Ende der Leitung längst die Kriminalpolizei saß, hatte er nicht geahnt. Am 17. Februar klickten die Handschellen in Mainburg. Mehrere Übergabeversuche hatte Zirngibl zuvor abgebrochen.

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