Klage gegen die Stadt wegen Partylärm

Feierbanane: Zu laut zum Wohnen?

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Gerd Vahsen hielt den Lärm nicht aus und zog weg.

München - Die Partymeile in der Innenstadt sorgt für Ärger bei den Anwohnern. Sie beklagen sich über Lärm, Müll, Drogen und Belästigungen. Nun klagt eine Hausbesitzerin gegen die Stadt.

Der Lärm! Irgendwann hat es Gerd Vahsen (60) nicht mehr ausgehalten und zog von der Innenstadt nach Tutzing. „Bis zum frühen Morgen konnte ich nicht schlafen. Wegen dem Stress erlitt ich einen Hörsturz.“

14 Jahre lang wohnt der Kaufmann mit seiner Familie in der Maxvorstadt. Ottostraße 13 – eine feine Adresse. Das Problem: Immer mehr Clubs und Diskotheken siedeln sich rund um den Maximilianplatz an. Die berüchtigte Feierbanane: Sie verläuft direkt am Haus gegenüber. Gleich fünf Lokale beschallen Gerd Vahsen am Wochenende. Dazu hupen Taxen, Feierwütige grölen, überall liegt Müll. „Meine Frau wurde sogar beim Joggen noch von Betrunkenen angepöbelt.“ Mehrfach erstattet der Kaufmann Anzeige wegen Lärmbelästigung, „aber die Behörden haben einfach nichts unternommen.“

Das könnte sich jetzt ändern. Denn: Die Hausbesitzerin hat vor dem Verwaltungsgericht gegen die Stadt München geklagt (Az: M8K11.5472). Laut Sozialreferat ist es ein Musterprozess – er soll die Frage klären: Wie laut ist zu laut? Und: Wann macht der Partylärm eine Wohnung unbewohnbar?

In dem Rechtsstreit geht es um eine Wohnung im vierten Stock der Ottostraße 13. Hier lebt seit zehn Jahren auch Anwohner Christian B. – zur tz sagt er: „Es wird immer schlimmer.“

Partylärm, Schlägereien und Drogen vertreiben aus Sicht der Eigentümerin potenzielle Mieter – deshalb will sie die Stadt per Gerichtsbeschluss zu einem Negativattest zwingen, um zu beweisen: Wohnen an der Feierbanane ist unzumutbar. Stimmt das Gericht zu, darf die Frau ihre Wohnung gewerblich vermieten – als Büro- oder Praxisraum. Dann könnten auch andere Münchner Lärmopfer mit Erfolgsaussicht klagen. So oder so: Ruhe wird in diesem Streit noch lange nicht einkehren...

Riesen-Ärger um Partymeile

Entlang der Sonnenstraße bis rüber zum Maximiliansplatz reihen sich zahlreiche Discos und Clubs – rund 15 000 Partywütige besuchen Münchens Feierbanane am Wochenende nach Polizeiangaben. Seit dem Wegfall der Sperrzeit wird die Innenstadt zur Partymeile – aber nicht nur der Spaßfaktor steigt, sondern auch die Kriminalität.

Brennpunkt Feierbanane: Immer wieder beschweren sich die Anwohner – ihnen stinkt nicht nur der Lärm, sondern auch Müll, Erbrochenes, Urin und Kondome. Vandalismus und Einbrüche werden häufiger, die Zahl der Straftaten stieg in den vergangenen Jahren deutlich: Rund um den Maximiliansplatz gab es 912 Delikte im Jahr 2011 – zwei Jahre zuvor waren es 675. Darunter sind gefährliche Körperverletzung, Raub und sexuelle Nötigung. Dasselbe Bild in der Sonnenstraße: 843 kriminelle Handlungen in 2011 – nur 529 waren es 2009. Am Sendlinger Tor und am Stachus waren die Zahlen dagegen rückläufig. Das Kreisverwaltungsreferat droht Störenfrieden mit Betretungsverbot von zwei Monaten für den öffentlichen Raum – das gab’s bisher nur auf der Wiesn.

A. Thieme

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