"Prost, weil mia noch da san!"

So feiert Schwabing nach der Bombe

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„Uns kann so schnell nix zerstören!“ Der „Neue Hut“ von Wirt Hans blieb von der Explosion verschont.

München - Langsam kehrt wieder die Normalität ein. Die Menschen sind froh, dass alles vorbei ist. So feierte Schwabing am erstsen Wochenende nach der Bombe.

"Bombenstimmung im Hut“, gröhlt DJ Freddy ins Mikro. Die Menge jubelt und tanzt zu The Roof is on Fire. War da was? Vor der Boazn Zum neuen Hut erinnern Bauzäune, Holzverschläge und ein paar letzte Sandsäcke an die 250-Kilo-Bombe, die vergangenen Dienstag Millionen-Schäden hinterließ. Doch die Feierlaune der Schwabinger Nachtschwärmer kann nichts erschüttern: Partylust statt Bombenfrust herrscht am ersten Wochenende nach dem großen Knall!

„Diese Runde geht aufs Haus. Prost, weil mia noch da san!“, ruft Wirt Hans (58) am Samstagabend und trägt ein Tablett mit Stamperln an die Stehtische. Gesprächsthema bei allen Gästen ist natürlich die Fliegerbombe: Wer hat welche Fotos und Videos von der Explosion gesehen? „Das war ganz knapp an einer Katastrophe vorbei. Angeblich ist keins der Gebäude einsturzgefährdet“, berichtet die Münchnerin Anja ihren Freunden. Kellnerin Beate (48) zapft zwei Helle, sie lächelt: „Wir sind alle extrem erleichtert. Den Hut und Schwabing erschüttert halt so schnell nix.“ Alex ist mit seinen Kumpels extra aus Lindau angereist – der Hut ist ihr Stammlokal: „Wenn die Kneipe zerbombt worden wäre, hätten wir den Laden mit bloßen Händen wieder aufgebaut!“

Besuch nach der Bombe: So sieht's im Sperrgebiet aus

Besuch nach der Bombe: So sieht's aus im Sperrgebiet

Eine Straße weiter: volles Haus in der Kultkneipe Vereinsheim. „Wir haben viele Gäste, die hier ihr Bier trinken und Fotos vom Krater und den Schäden anschauen“, sagt Barkeeper Wicked. „Der Bomben-Tourismus boomt!“ Galgenhumor für die Gemütlichkeit.

Auch fünf Tage nach dem großen Knall stehen Schaulustige an den Absperrgittern und schießen Fotos vom Krater in der Feilitzschstraße. Es stinkt immer noch nach verbranntem Gummi und kaltem Rauch.

Im Drugstore in der Feilitzschstraße schlürfen die Gäste Cocktails. „Die Leute reden über die Explosion und fragen viel nach den Details, aber zum Glück läuft alles ganz normal“, freut sich Bedienung Nadine D. (30). Bis kurz vor der Sprengung hatte die Münchnerin in dem Lokal gearbeitet. „Als wir evakuiert wurden, war die Stimmung sehr angespannt. Das ist jetzt vorbei.“

Im Neuen Hut heizt DJ Freddy den Gästen derweil mit Burning Down the House ein. Feiern bis zum Morgengrauen – die Party geht weiter.

tz

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