Erste Züge rollen ab Donnerstag

Feiner Zug mit Macken: So sieht‘s in der neuen S-Bahn aus

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Neue Raumaufteilung: Von außen erkennt man kaum eine Veränderung zu den alten Zügen – die Lackierung ist so gut wie identisch geblieben. Dafür ist innen alles komplett anders, wie das Foto oben zeigt. Von der Decke strahlt eine neue Beleuchtung, angepasst an das jeweils gerade herrschende Tageslicht. Und genauso wichtig: Die Raumaufteilung ist jetzt ganz anders. Es gibt weniger Sitze, deshalb passen jetzt mehr Menschen in den Zug.

Für 300 Millionen Euro wird die Münchner S-Bahn aufgehübscht. Bei der Vorstellung des ersten Zuges am Montag können kleinere Schönheitsfehler die Begeisterung kaum trüben.

München – Einmal Drücken am Buzzer, dann ein Konfettiregen, den Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) zusammen mit einigen DB-Managern über sich ergehen lassen muss – endlich öffnen sich die Türen der neuen S-Bahn und man tritt in eine ziemlich neue Eisenbahnwelt. Erste Auffälligkeit: An den Eingängen fehlen plötzlich zwei Sitze. Dafür ist der Bereich durchlässiger. Es gibt neue Polster und eine neue Beleuchtung, die tageslichtabhängig gedimmt wird. An den Kopfenden des Zuges sind die Sitze als Eckbank angeordnet. Die Einstiege sind außen auch mit großen Piktogrammen markiert – damit Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer wissen, dass sie hier einsteigen sollen. Auch innen gibt es jetzt Markierungen auf dem Boden. Ein Pluspunkt dürften auch die freischwebenden Sitze sein – da kann man den Koffer drunter schieben. Kaum zu übersehen und gewissermaßen Prunkstück der S-Bahn sind die acht Monitore in jedem Zug. Sie zeigen den nächsten Halt an, ähnlich wie in der Münchner U-Bahn können aber auch Filmchen gezeigt werden.

Platz für alle: Die neuen Piktogramme über der Tür zeigen es an: Hier gibt’s den Klappsitz-Bereich, in dem man zum Beispiel mit einem Rollstuhl, einem Fahrrad oder einem Kinderwagen ausreichend Platz findet. Und wenn die Fläche frei bleibt, ist die Nutzung variabel: Entweder gibt’s viele Stehplätze oder weniger Sitzplätze. 

Dass auf den Monitoren erst ab Ende nächsten Jahres auch Echtzeitinformationen etwa über Verspätungen und Störfälle flimmern werden – geschenkt. Die Verkehrsministerin war jedenfalls voll des Lobes für den neuen Zug, der „freundlicher, lichter und durchlässiger“ wirke. Johann Niggl von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft spricht von einem „transparenten Innenraum-Layout“. Niemand müsse mehr Angst vor uneinsehbaren Ecken in der S-Bahn haben, sagte S-Bahn-Chef Heiko Büttner. Solche Ecken gibt es nämlich nicht mehr.

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Größte Neuerung ist ein neues Raumkonzept, das auf Entwürfen des Münchner Designbüros Neomind (wir berichteten) beruht: Bisher stauen sich die Fahrgäste oft an den Eingängen, der Platz zwischen den Sitzgruppen werde zu wenig genutzt, sagt die Bahn. Das soll in den neuen Zügen anders werden. Die Durchgänge zu den Sitzreihen sind vergrößert, so hofft man, die Reisenden mehr in die Mitte zu lotsen. „Das Gedrängel beim Ein- und Aussteigen wird sich etwas reduzieren“, hofft Verkehrsministerin Ilse Aigner.

So sieht es jetzt an den Kopfenden der Züge aus: Hier sitzt man sich in Zukunft nicht mehr in Zweiergruppen gegenüber, sondern über Eck auf einer durchgehenden Sitzbank. Wirkt gemütlich.

Mehr Freiraum an den Türen gab es freilich nur, weil sich die Bahn dafür entschied, 26 Sitze je Zug wegzulassen. Damit gibt es nunmehr 166 Sitze (statt 192) in der neuen S-Bahn. Das hat unter Senioren schon etwas Murren ausgelöst, doch die Bahn verteidigt die Entscheidung mit dem Hinweis, dass sich die Gesamtkapazität dadurch erhöhe: Inklusive Stehplätze hat ein Zug jetzt 612 statt wie bisher 544 Plätze. „Wir rechnen im Maximum mit vier Personen je Quadratmeter“ erläuterte S-Bahn-Chef Heiko Büttner.

Die Monitore hängen tief: Zu einem modernen Zug gehört vor allem auch moderne Elektronik. In diesem Fall heißt das zum Beispiel: Es gibt neue Monitore an der Decke – insgesamt acht an der Zahl. Hier findet man unter anderem Informationen darüber, in welchem Zug man gerade unterwegs ist und welche Haltestellen als nächste kommen. Auch kleine Filmchen oder etwa Nachrichten können hier laufen. Allerdings: Diese Bildschirme könnten auch schnell zum Ärgernis werden. Sie sind so tief angebracht, dass Passagiere über 1,95 Meter Gefahr laufen, sich den Kopf anzustoßen. Das könnte Kopfweh geben…

„Einen Sitz im Eingangsbereich wegzulassen, ist sinnvoll“, sagt auch Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn, der den neuen Zug insgesamt gelungen findet.

Kleines Manko ist die Platzierung der doch etwas opulent geratenen Monitore im Zug. Wer größer als 1,95 Meter ist, der läuft Gefahr, sich den Kopf anzuschlagen.

Verkehrsministerin Ilse Aigner und DB-Manager wie S-Bahn-Chef Heiko Büttner (li.) drückten auf den Buzzer und weihten den ersten Zug mit einem Konfettiregen ein.

Noch stehen die beiden jetzt fertiggestellten Züge in der S-Bahn-Werkstatt Steinhausen im Münchner Osten. Nach einigen Sonderfahrten sollen sie ab Donnerstag im Regelbetrieb verkehren. Stück für Stück werden nun alle 238 S-Bahn-Züge modernisiert. Das dauert bis Ende 2020. Das „größte Projekt seit der S-Bahn-Inbetriebnahme 1972“ (Büttner) finanziert die Bahn nicht selbst: Die Investition von 300 Millionen Euro ist im Übergangsvertrag zwischen Freistaat und Bahn geregelt, die Kosten übernimmt der Steuerzahler. Die nun modernisierten Züge sollen erst nach Fertigstellung der zweiten Stammstrecke (wenn es gut geht: Ende 2026) nach und nach durch Neufahrzeuge ersetzt werden.

Die neuen S-Bahnen:

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