Jetzt werden die Löwen gereinigt

Das Rote ist gefährlicher Zahnbelag

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Steinmetz Thomas Emmert (35) reinigt einem Feldherrnhallen-Löwen die Zähne.

München - Sie sind unsere Helden in rötlicher Mission. Sie wollen den Löwen zwar nicht den Zahn ziehen, sie aber säubern.

Und gleich nebenan werkelt seit gestern unser vierter Held – an den Bronzestatuen. Sie sind unsere Helden in rötlicher Mission. Sie wollen den Löwen zwar nicht den Zahn ziehen, sie aber säubern. Und gleich nebenan werkelt seit gestern unser vierter Held – an den Bronzestatuen. Tausende Touristen und Münchner bleiben täglich vor der Feldherrnhalle stehen oder sitzen – und beobachten dort jetzt den Kampf gegen das Rot, das die gefärbten Nackerten nach der Aktion des Star-Fotografen Spencer Tunick hinterlassen haben. Die Bayerische Schlösserverwaltung hat die Aufgabe, Marmor, Stein und Bronze schnellstmöglich reinigen zu lassen. Und zahlen wird die Bayerische Staatsoper, die die Aktion zu verantworten hat.

Sowohl bei den Bronzestatuen als auch bei den Marmorlöwen ist das Rot, eine pigmentreiche Schminke, bereits tief ins Material eingedrungen. Claus Haller (57) ist der Metallrestaurator. „Ich arbeite mit einem Mini­dampfstrahler, Wasser und Tensiden“, sagt er. Für den ersten Durchgang braucht er zwei Tage à zehn Stunden. Das Wasser ist 160 Grad heiß und wird nach dem Aufspritzen mit einem Lappen weggewischt. Die Arbeitskosten werden inklusive Nacharbeiten bei einem Stundensatz von 44 Euro rund 1000 Euro betragen.

Spencer Tunick hinterlässt den "Roten Platz" von München

Spencer Tunick hinterlässt den "Roten Platz" von München

An den Marmorlöwen arbeiten zwei Steinmetze und ein Restaurator. Auch hier: keine chemischen Keulen, nur Wasser, Lappen, Tenside. „Wenn wir mit einem Dampfreiniger arbeiten müssten, würde die Farbe die Säulen und auch Passanten bespritzen, das fällt also aus“, erklärt uns Restaurator Dominicus Amon (47).

Auch sein Trio arbeitet erst einmal zwei Tage je zehn Stunden lang, dann wird eine Nachbegehung stattfinden und nachgereinigt. Bei der Grobreinigung, schätzt Amon, werden 80 bis 90 Prozent der Flecken beseitigt sein. „Das Problem ist: Die Zeit drängt. Je mehr UV-Strahlen, also Sonnenlicht, auf den Marmor fällt, desto tiefer dringt die Farbe ein. Außerdem kann man nicht aus Jux und Dollerei Lösungsmittel über die Löwen kippen, sonst können noch viel schlimmere Flecken entstehen.“ Die Kosten für die Erst­reinigung werden bei etwa 2000 Euro liegen, meint Amon.

Übrigens: Vor der Staatsoper, auf dem „Roten Platz“, wurde gestern bis zum frühen Nachmittag noch nicht geputzt.

Matthias Bieber

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