Lerchenauer gehen auf die Barrikaden

Anwohner-Demo: Kampf ums ­Künstlerhaus

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Mit Efeu bewachsen und über 100 Jahre alt: das wunderschöne ­Zehentbauer-Haus (Lerchenau).

München - Das lassen sich die Lerchenauer nicht gefallen! Das altehrwürdige Zehentbauer-Künstlerhaus soll abgerissen und durch eine Bankfiliale und ein Vierfamilienhaus ersetzt werden. Deshalb gehen die Anwohner am Mittwoch (18 Uhr) vor dem Haus auf die Straße.

Mit Efeu bewachsen und über 100 Jahre alt: das wunderschöne ­Zehentbauer-Haus (Lerchenau).

„Das kann doch nicht sein!Das ist eines der ältesten Häuser hier“, sagt Karola Kennerknecht vom Bürgerverein Lerchenau. 1912 ließ der Münchner Krippenbauer Otto Zehentbauer (siehe tz-Stichwort) das Haus an der heutigen Lerchenauer Straße 206 errichten. Nach seinem Tod 1961 wohnte sein Schwiegersohn Gerd Schramm dort. In seinem Testament setzte er fest, das Haus dürfe fünf Jahre lange nicht verkauft werden.

Doch das Nachlassgericht erkannte den letzten Willen nicht an. Der Erbe Schramms verkaufte das Haus im April an die Stiftung der Raiffeisenbank München Nord. Die will das Haus samt Atelier nun für die Neubauten abreißen lassen. „Eigentlich sollte sich eine Stiftung doch um den Erhalt alter Häuser kümmern“, ärgert sich Kennerknecht.

Alle Bemühen des Bürgervereins scheiterten, um mit der Stiftung in Kontakt zu treten. Auch auf tz-Nachfrage wollte sich kein Verantwortlicher äußern. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte auch nicht mehr Glück: Es will prüfen, ob das alte Haus nicht geschützt werden kann, erzählt Kennerknecht. Doch einen Besichtigungstermin bekam es bislang nicht.

Gestern setzte sich auch die CSU-Fraktion im Stadtrat mit einem Antrag für den Erhalt des Hauses ein. Um es zu retten, hat der Bürgerverein eine Online-Petition gestartet. Über 2000 Unterschriften sind zusammengekommen.

Die Unterstützer fordern, dass die Stiftung das Haus verkaufen soll. Denn: Es gab von Anfang an auch einen Interessenten aus der Lerchenau, der es erhalten will. Das Atelier würde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sagt Kennerknecht. „Als kleines Heimatmuseum oder für Ausstellungen.“

Ramona Weise

tz-Stichwort: Otto Zehentbauer

Der in Landshut geborene Münchner Bildhauer Otto Zehentbauer (1880 – 1961) ist für seine kunstvoll geschnitzten Krippenfiguren, aber auch für seine Heiligenskulpturen und Kruzifixe bekannt. Seine Weihnachtskrippen haben es bis u. a. auch in den Speyrer und Aachener Dom geschafft. Seine Maria der Krippe in der Münchner Frauenkirche ist sogar auf einer Weihnachtsbriefmarke der Deutschen Post verewigt.

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