Neue Wohnungen und Schulen entstehen

Anwohner schlägt Alarm: An diesem Bahnübergang droht ein Verkehrskollaps

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Ort des Ärgernisses: Karl Heinz Schreibauer steht vor dem Bahnübergang an der Fasanerie.

Vor dem Bahnübergang an der Fasanerie kommt es teilweise zu langen Staus. Es soll zwar eine Bahnunterführung kommen, aber die lässt auf sich warten. Nun droht einem Anwohner zufolge ein Verkehrkollaps.

München - Seit über drei Dekaden wird diskutiert. Bis endlich wahr werden könnte, was Bürger und Lokalpolitiker schon lange ersehnen, dauert es noch mindestens fünf Jahre. Die ersten Arbeiten zur doppelten Bahnunterführung an der Fasanerie finden voraussichtlich 2024 statt. Sie soll einen Teil der großen Verkehrsprobleme im Münchner Norden lösen. Als Bauzeit kalkuliert die Stadt derzeit fünf- bis sechseinhalb Jahre ein.

Klaus Heinz Schreibauer sieht diese Planung kritisch. „Das gibt ein fürchterliches Durcheinander“, prophezeit der Bauingenieur und Baumeister im Ruhestand. Früher war er für das Fachgebiet Ingenierbau zuständig, kennt sich mit Verkehrsbauten also aus. Schreibauer lebt nah an der S-Bahnhaltestelle Fasanerie und engagiert sich seit gut zehn Jahren für die Verbesserung der dortigen Verkehrssituation. Immer wieder hat er in dieser Zeit beim Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl (BA) vorgesprochen. Dass, wie von der Stadt geplant, der beschrankte Bahnübergang, der regelmäßig für lange Staus sorgt, abgeschafft und durch Tunnels ersetzt wird, ist auch sein Wunsch.

1600 Wohnungen und zwei Schulen werden gebaut

Vor 2030 werden die Tunnels jedoch nicht fertig, eher später. Was die Sache so prekär macht: Auf dem Lerchenauer Feld nordöstlich des S-Bahn-Halts Fasanerie sollen in den kommenden Jahren 1600 Wohnungen und zwei Schulen entstehen. Die ersten Baumaßnahmen könnten 2022/23 stattfinden. Doch sobald die Häuser stehen, bräuchte es eine funktionierende Infrastruktur, sprich: Unterführungen an der Fasanerie. Die allerdings sind allerfrühestens in elf Jahren fertig. Schreibauer sagt: „Für mich ist das die falsche Reihenfolge. Erst muss die Infrastruktur abgeschlossen sein, dann kann auf dem Lerchenauer Feld gebaut werden.“ Einen entsprechenden Antrag hat er bei der Bürgerversammlung Feldmoching-Hasenbergl eingereicht. Die Mehrheit der Bewohner stimmte zu.

Erschlossen werden soll das neue Viertel am Lerchenauer Feld nach Angaben der Bauherren primär über Lerchenauer und Lerchenstraße. Die Feldmochinger Straße, sprich: die geplante Unterführung an der Fasanerie, ist nicht direkt mit der Siedlung verbunden. Dummerweise aber sind die beiden anderen Straßen noch unzugänglicher. Denn auch diese beiden Verbindungsrouten zwischen Feldmoching, Lerchenau und dem Münchner Zentrum haben beschrankte Bahnübergänge, an denen Staus eher die Regel sind. Im Gegensatz zur Fasanerie, wo bald gebaut werden soll, sind die dort angedachten Unterführungen noch nicht einmal im Detail geplant. „Zehn Jahre hat es gedauert, bis die Höhenfreimachung der Fasanerie fertig konzeptioniert war“, erklärt Klaus Heinz Schreibauer. Für die Planung des Übergangs Lerchenauer Straße rechnet er mit einer deutlich längeren Zeit, etwa bis 2050. „Die Lage dort ist viel komplizierter.“

Weitere Nord-Süd-Verbindung bietet sich an

Neben dem Bahnübergang Lerchenauer Straße böte sich nämlich theoretisch eine weitere Nord-Süd-Verbindung an. Beim Bürgerworkshop zum Lerchenauer Feld im Februar war diese jüngst wieder Thema bei den Teilnehmern. Mehr oder weniger parallel zur Lerchenauer Straße verläuft westlich die Lassallestraße, ebenfalls gut befahren und ausgebaut. Doch endet sie einige Hundert Meter vor der Bahntrasse in einer Sackgasse. Der Verkehr muss rechts abbiegen und wird über Schleichwege zurück auf die ohnehin schon stark frequentierte Lerchenauer Straße gelenkt. 

Theoretisch aber ließe sich die Lassallestraße ab der Sackgasse über die Bahngleise nach Norden verlängern - und könnte so die Lerchenauer entlasten. Auf dieser Strecke gab es früher schon mal eine Straße. Während der Olympischen Spiele führte sie mittels einer Brücke über die Gleise und dann Richtung Regattastrecke Oberschleißheim. Später wurde die Brücke abgebaut, bis in die Achtzigerjahre des vergangen Jahrhunderts standen noch die Rampen da. Erst vor ein paar Jahren forderte die Interessengemeinschaft Fasanerie aktiv die Stadt auf, diese Strecke zu reaktivieren. Ohne Erfolg.

Schreibauer hofft auf „Tempo beim Straßenbau“

In diese alte Diskussion will sich Schreibauer lieber nicht einmischen. Ihm ist vor allem eines wichtig: „Wenn Tempo beim Wohnungsbau gemacht wird, sollte davor Tempo beim Straßenbau gemacht werden. Ist die Siedlung fertig und allenfalls einer von drei Bahnübergängen, gibt es Verkehrschaos ohne Ende.“

An diesem Wochenende ist die Stammstrecke komplett dicht - in diesem Artikel haben wir alle wichtigen Infos für Sie zusammengefasst. In unserem News-Ticker halten wir Sie über Störungen auf der S-Bahn-Strecke auf dem Laufenden.

Katrin Hildebrand

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