Das sagen Bewohner

Feldmoching - Hasenbergl: Heile Welt neben Ghetto?

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Ein Stadtbezirk der Kontraste: Das linke Bild zeigt den Rosstag in Feldmoching. Das rechte Bild zeigt eine Plattenbau-Siedlung im Hasenbergl.

München - Heile Welt neben sozialem Brennpunkt? Dieses Bild der Extreme ist mit dem Stadtbezirk Feldmoching - Hasenbergl verbunden. Ist das wirklich so? Das sagen Menschen, die dort leben. Was meinen Sie?

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Im Stadtbezirk 24 trifft Historie auf Plattenbau. Zum einen ist das das geschichtsträchtige Feldmoching, das im frühen Mittelalter (6. Jahrhundert) als bajuwarische Siedlung gegründet wurde. Im bäuerlich geprägten Dorfkern finden sich noch stolze Bauernhöfe, die von einer Zeit künden, als die selbstbewßten "Roßbauern" in München eine gesellschaftlich ähnlich bedeutende Rolle spielten wie heute die "Businesspeople" in den Bürokomplexen aus Stahl und Glas im Zentrum. Bis heute hat sich Feldmoching den Charakter eines Bauerndorfes in der Großstadt bewahrt.

In krassem Gegensatz dazu steht das Hasenbergl. Als Wohngebiet wuchs die Trabantensiedlung seit Beginn der 50er Jahre. Die ersten Eigenheimsiedlungen. gingen zum Teil aus einem Lagerkomplex hervor. Plattenbauten und Hochhäuser prägen das Viertel bis heute. Lange galt das  Hasenbergl als sozialer Brennpunkt - wie es politisch korrekt heißt. In einer Reportage des renommierten Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" über das Hasenbergl waren noch im Jahr 1986 die weniger schmeichelhaften Etikettierungen "Arme-Leute-Viertel" und "Grattlerviertel" zu lesen. Heute preist die Stadt München auf ihrer Homepage "zahlreiche soziale und öffentliche Einrichtungen" sowie "gute Einkaufsmöglichkeiten und schöne Grün- und Erholungsflächen, die den Stadtteil attraktiv machen".

Feldmoching - Hasenbergl: Bauerndorf und Trabantensiedlung?

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Wie ist es wiklich in Feldmoching-Hasenbergl. Wir lassen die Menschen zu Wort kommen, die dort leben. Im Stadtteil-Check haben tausende Münchner bereits ihre Einrdücke geschildert.

Was Feldmoching angeht, so täuscht das Klischee nicht. Die Bewohner loben den bayerisch-bäuerlichen Charakter ihres Viertels. So schreibt ein 29-Jähriger: "Feldmoching ist das Dorf in der Stadt. Das ländliche Leben ist sehr ausgeprägt. Es herrscht ein starker Zusammenhalt und ein ausgeprägter Vereinsleben. Die bayerische Sprache wird noch bevorzugt." Er legt zudem deutlichen Wert darauf, sein Viertel vom südöstlichen Nachbarviertel abzugrenzen. "Feldmoching ist nicht Hasenbergl. Es wird ja zwischen Ost- und Westdeutschland auch bei Gehältern und Lebensqualität differenziert."

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Eine 64-Jährige lobt die soziale Idylle in Feldmoching: "Jeder kennt jeden, freundliche Nachbarschaft, Platz für Kinder und für Senioren. Auch Hunde sind kein Problem. Wir leben seit zwölf Jahren in diesem Ortsteil und haben es nie bereut." Was sie stört sind Probleme mit ausländischen Mitbürgern: "Einige Immigranten sind der Meinung, aufffallen zu müssen. Da kommt es schon mal zu Konflikten."

Ist die Kehrseite der dörflichen Idylle in Feldmoching eine ziemliche Langeweile? Diesen Eindruck erweckt eine 48-Jährige. Sie preist zum einen "viele Grünflächen und drei nahegelegene Seen". Zum anderen bemängelt sie aber: "Wenig Szene, kaum Lokalitäten zum Ausgehen."

"Ländlich und doch nah an der Stadt", preist eine 51-Jährige ihr Feldmoching. Ihr missfällt vor allem eine schlechte Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. "Ohne Auto geht nix, da die Einkaufsmöglichkeiten ziemlich weit weg sind [...], es sei denn, man wohnt direkt an der U- oder S-Bahn.

Der Eindruck den dei Hasenbergl-Bewohner wiedergeben. lässt sich so zusammenfassen: "Günstig aber immer noch problematisch." Ein 32-Jähriger freut sich zwar, dass die Mieten in Ordnung seien. Allerdings hält er die "Bevölkerungsschicht" für ein Manko.

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So düster wie sein Ruf sei das Hasenbergl nicht, betont ein 58-Jähriger. Hier lasse sich besser leben "als der schlechte Ruf der noch immer vorhanden ist", vermuten lasse. Ihn stört aber "das immer höhere Verkersaufkommen".

Ein 21-Jähriger schätzt die vielen Einkaufsmöglichkeiten im Hasenbergl, "Die Pöbeleien von Jugendlichen" stören ihn dagegen massiv.

Dass das Hasenbergl ein sozialer Brennpunkt ist, bestätigt auch ein 52-Jähriger. Ihm missfällt der steigende Ausländeranteil. Für positive hält er hingegen die nicht weit entfernte Anbindung zur Autobahn.

Eine ähnliche Bechwerde kommt von einer 60-Jährigen. "Für meine Begriffe leben hier ein wenig zu viel Ausländer." Beeindruckend findet sie, wie das Hasenbergl in den 30 Jahren, die sie dort lebt, gewachsen ist.

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Eine 31-Jährige beklagt sich über mangelnde Bildungschancen im Hasenbergl. Sie ärgert sich darüber, "dass es bei uns kein eigenes Gymnasium gibt, in das unsere Kinder gehen können. Zum Sprengel der Umliegenden gehören wir leider auch nicht!" Sie protestiert: "Nur weil wir vom Hasenbergl sind, heißt das nicht, dass unsere Kinder kein Gymnasium benötigen!" Als Vorteil erachtet sie die "reichlichen Möglichkeiten zum Spazierengehen und Erholen".

Natürlich gibt es auch Hasenbergl-Bewohner, die nichts auf ihr Viertel kommen lassen. "Ich wohne seit 20 Jahren in Hasenbergl und habe es nie bereut", schreibt ein 59-Jähriger. "Mein Sohn ist vor zwei Jahren nach Forstenried umgezogen. Seit drei Monaten ist er zurück und wohnt ein paar Häuser weiter. Das sagt alles. Passt alles." Ihm fällt auch absolut nichts ein, was im im Hasenbergl zu kritisieren gibt.

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Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Stadtbezirk 24 Feldmoching - Hasenbergl? 

fro

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