Pläne der Stadt schmecken nicht jedem

„Feldmochinger Bauern, lasst euch das nicht gefallen!“: Riesen-Protest um Bauland im Norden

Diese Grafik zeigt, wo das 900 Hektar große Bauland zur Verfügung stehen soll.

900 Hektar neues potenzielles Bauland: Gegen die neuesten städtebaulichen Pläne im Münchner Norden gibt es jetzt Riesen-Protest! Dass viele Bewohner des Stadtbezirks Feldmoching-Hasenbergl damit nicht einverstanden sind, zeigte eine Bürgerversammlung.

München - 720 Anwohner, 320 mehr als im Vorjahr, füllten die Mehrzweckhalle an der Georg-Zech-Allee. Auch viele Vereine nahmen dazu Stellung: „Das Wesen der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme ist die Enteignung“, sagte Karola Kennerknecht vom Bürgerverein Lerchenau. „Feldmochinger Bauern, lasst euch das nicht gefallen!“

Die Stadt sicherte sich die letzte Freifläche in Feldmoching

Die Aufregung ist groß. Ende Februar gab das Rathaus bekannt, dass der Münchner Norden mit einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme bedacht werden soll. Dass viele Bewohner des Stadtbezirks Feldmoching-Hasenbergl damit nicht einverstanden sind, hat die Bürgerversammlung nun aber deutlich gezeigt. 720 Anwohner, 320 mehr als im Vorjahr, füllten die Mehrzweckhalle an der Georg-Zech-Allee. Die meisten von ihnen waren wegen der Maßnahme gekommen. Auch viele Vereine des Bezirks nahmen dazu Stellung:

„Das Wesen der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme ist die Enteignung, man greift notfalls zu äußersten Mitteln“, sagte Karola Kennerknecht vom Bürgerverein Lerchenau vor dem Plenum. „Feldmochinger Bauern, lasst euch das nicht gefallen!“

Das Areal ist Europas größte Entwicklungsfläche

Die Maßnahme soll ein Gebiet von 900 Hektar umfassen. Wie viele Wohnungen dort entstehen könnten, ist noch unklar. Im Fokus der Städteplaner liegen Flächen zwischen Fasanerie- und Feldmochinger See, der Feldmochinger Anger sowie Gebiete nördlich und westlich von Feldmoching. Das Areal gilt derzeit als Europas größte Entwicklungsfläche. Es ist zusammen mit dem Entwicklungsgebiet Nordost mit 600 Hektar das letzte Areal im Stadtgebiet, auf dem im großen Stil Wohnungsbau möglich ist.

Mit Bekanntgabe der städtebaulichen Maßnahme im Februar wurde der dortige Bodenpreis eingefroren. Damit würden „Spekulation eingedämmt“, wie es aus dem Rathaus heißt.

In Feldmoching liegen noch viele Bauernhöfe

In und um Feldmoching liegen noch etliche Bauernhöfe. Sie versorgen die Münchner mit Obst und Gemüse. Viele Bauern fürchten nun um ihren Besitz, denn unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Enteignung zugunsten der Kommune stattfinden.

Andreas Grünwald leitet in sechster Generation einen landwirtschaftlichen Betrieb bei Ludwigsfeld. Er ist empört: „Das ist planerische Gleichmacherei und eine Entmündigung der Betroffenen. Privates Eigentum wird annektiert, um politische Versäumnisse zu vertuschen.“ Auch der Feldmochinger Architekt Alois Franke sieht das Vorhaben kritisch: „Es schließt die Grundstückseigentümer komplett von Planungen aus.“ Er plädiert wie weitere Redner stattdessen für das Modell der sozialgerechten Bodennutzung.

Naherholungs- und Schutzgebiete sollen ausgespart werden

Andere Anwohner bangen um die zahlreichen Grünflächen und Frischluftschneisen des Münchner Nordens. Der Bürgerverein Lerchenau reichte gleich mehrere Anträge zum Thema ein. Er forderte die Stadt auf, sämtliche Naherholungs- und Schutzgebiete auszusparen und keinen Grundstückseigner in seiner Existenz zu gefährden. Dafür gab es viel Applaus.

Ganz anders, als ein Mitarbeiter des Planungsreferats freundlich versuchte, die Ängste der Bürger zu beschwichtigen und zum Dialog einzuladen. Aus den hinteren Reihen drangen Murren und Buh-Rufe. Ein Besucher rief: „Hör auf mit dem Schmarrn!“

Lesen Sie auch: Öffentlicher Nahverkehr - Die Lerchenau wird besser angeschlossen

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