Wut auf Söder und Angst vor Heuschrecken

GBW-Mieter: Wir wollen auch gerettet werden!

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Die Nachbarn von der Dülferstraße im Hasenbergl: Sie sind wütend über den Verkauf der GBW mit ihren Wohnungen und sie hoffen, dass die Stadt einmal auch ihre Häuser kaufen kann – so wie die 300 Wohnungen an der Ittlingerstraße in der Nachbarschaft

München - Die GBW-Mieter in der Dülferstraße (Hasenbergl) haben Angst davor, ihre Wohnungen zu verlieren. Die Wut auf Finanzminister Markus Söder ist groß.

Es lag Schnee in der Luft, als viele der GBW-Mieter von der Dülferstraße (Hasenbergl) in die neuen Sozialwohnungen einzogen. Das war am 1. März 1965, rund 250 Mark kostete die Miete damals. Die glücklichen Zeiten sind vorbei. Jetzt wohnen Wut und Angst in den Häusern! Die Bewohner hoffen, dass die Stadt auch ihre Anlage übernimmt – so wie bei den Nachbarn in der Ittlingerstraße.

„Ich würde am liebsten zu Finanzminister Markus Söder hingehen“, sagt zum Beispiel Marjeta Merdzo (76). Aber sie fürchtet, dass ihr die Tränen kommen. Ihr jahrzehntelanger Nachbar Fritz Pflügler (75) sagt: „Wir wollten unseren Lebensabend in Ruhe verbringen …“

Verraten und verkauft fühlen sie sich: 48 Jahre lang haben sie pünktlich gezahlt und auch nicht gemuckt, als die Sozialmieten ausliefen und die Preise stiegen – 2004, 2007, 2010. Und was hat die GBW heuer gemacht, als die Bayerische Landesbank sie an das Patrizia-Konsortium verhökerte? Die Parkplatzmiete verdoppelt – von 12,50 auf 25 Euro im Monat. Die nächste Mietsteigerung für die Wohnungen wurde zum 1. Januar angekündigt. Dabei kosten 69 Quadratmeter jetzt schon 780 Euro warm!

Die CSU sei schuld an der Misere der Landesbank, sagt Merdzo. „Sollen sie doch unsere Wohnungen zurückkaufen!“ Genau so lieb wäre es ihnen, wenn die Stadt wie in der Ittlingerstraße die Häuser übernähme. „Da sind die Mieten überschaubar“, sagt Erwin Kulzer (76). Tatsächlich hat OB Christian Ude (SPD) die GBW aufgefordert, Wohnungen erst der Stadt anzubieten, statt sie an Spekulanten zu verscherbeln. Der Stadtrat hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass man bei vertretbaren Preisen verhandelt oder das Vorkaufsrecht nutzt. Herta Hoffmann (77) hofft darauf: „Bezahlbare Wohnungen finden wir ja sonst nicht mehr.“

David Costanzo

Bewohner werden bessergestellt

Gute Nachricht für die 80 000 GBW-Mieter im Freistaat – wenn auch nur eine kleine: Sie sollen zumindest etwas bessergestellt werden. Der neue Eigentümer Patrizia will die Sozialcharta zum Schutz der Bewohner in die einzelnen Mietverträge aufnehmen. „Es kann ab Januar damit begonnen werden, die Verträge umzusetzen“, verkündete Finanzminister Markus Söder (CSU) kurzfristig, nachdem Opposition und Mieterschützer Sturm gelaufen waren.

Damit bestätigte Söder auch einen entsprechenden tz-Bericht von vergangener Woche: Die Sozialcharta beinhaltet einen lebenslangen Kündigungsschutz für Senioren und Schwerbehinderte sowie einen Schutz vor Luxussanierung in den nächsten fünf Jahren. Mieterschützer kritisieren, dass es keinen besonderen Schutz vor Mieterhöhungen gibt.

Laut Söder habe die Patrizia aber zugesagt, die vereinbarten Obergrenzen bei Mieterhöhungen und die maximal 1500 Wohnungsverkäufe pro Jahr nicht auszuschöpfen. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher wertete Söders Ankündigung als „Schuldeingeständnis erster Klasse“: „Wenn er jetzt Vertragsänderungen für die GBW-Mieter ankündigt, räumt er damit ein, dass seine angeblich so sichere Sozialcharta nichts wert ist.“

DAC

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