Kameras & Schließanlagen

Nach Razzia: Wertstoffhof jetzt Hochsicherheitszone

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Der geschlossene Wertstoffhof in der Lerchenstraße: Die Mitarbeiter werden künftig videoüberwacht.

München - Kameras & Schließanlagen am Wertstoffhof: Nach der Razzia greift die Stadt München jetzt durch.

Jahrelang haben Mitarbeiter der städtischen Wertstoffhöfe gut erhaltene Sachen, die im Gebrauchtwarenhaus Halle 2 in Giesing verkauft werden sollten, abgezweigt und an Hehler verkauft. 24 von 100 Mitarbeitern werden des Bandendiebstahls und der gewerbsmäßigen Bandenhehlerei beschuldigt, 18 wurden von der städtischen Müllabfuhr AWM freigestellt, vier Wertstoffhöfe mussten schließen, ebenso die Halle 2. Jetzt setzt AWM-Chef Axel Markwardt auf die totale Überwachung!

Vor allem gut erhaltene Elektrogeräte schafften die kriminellen AWM-Mitarbeiter beiseite und verhökerten sie an einen türkischen Händler, der drei rumänische Helfer hatte. Polizei und Staatsanwaltschaft kamen dem Hehler-Ring bei Ermittlungen im Rotlichtmilieu auf die Spur, am 13. März gab es eine Großrazzia (tz berichtete).

So will der AWM durchgreifen

Doch wie kann der AWM künftig verhindern, dass brauchbare Materialien verschwinden? So sollen die Mitarbeiter der Wertstoffhöfe Namensschilder tragen, außerdem werden Videokameras installiert, die nicht nur nachts (wie bisher) laufen, sondern auch tagsüber die Mitarbeiter überwachen. Markwardt: „Wir führen in dieser Sache derzeit Gespräche mit dem Personalrat.“

Außerdem denkt der AWM über ein Quittieren des Wareneingangs und -ausgangs an den Wertstoffhöfen nach. Zudem sind Schließanlagen vorgesehen, die nachts ein unbefugtes Betreten der Anlagen verhindern sollen– die Wertstoffhöfe werden zu Hochsicherheitszonen!

Und dann setzt Markwardt auf das „Rotationsprinzip“. Sprich: Das Personal an den Wertstoffhöfen wird ständig ausgewechselt, damit sich die Mitarbeiter nicht zu gut kennenlernen. Markwardt: „Das Prinzip gilt auch für die Führungskräfte.“ Deren Zahl soll übrigens aufgestockt werden: „Bislang haben wir einen Meister für drei Wertstoffhöfe, künftig werden es nur noch zwei pro Meister sein.“

Wegen der Beurlaubungen musste der AWM vier von zwölf Wertstoffhöfen schließen: Die Höfe Truderinger und Arnulfstraße bleiben voraussichtlich bis 1. September zu, der Hof Lochhausen bis auf weiteres, der Wertstoffhof Lerchenstraße öffnet am kommenden Freitag wieder.

tz-Stichwort: Halle 2

In der Halle 2 in der Sachsenstraße nahe des Schyrenbades befand sich seit zehn Jahren ein ständiger Flohmarkt der Stadt München, betrieben vom Abfallwirtschaftsbetrieb München. Dort wurden brauchbare Waren verkauft, die Bürger bei den Wertstoffhöfen abgegeben hatten. Vor allem weniger vermögende Münchner konnten sich in der Halle 2 günstig mit Möbeln, Elektrogeräten etc. eindecken, samstags fand immer eine Versteigerung statt. Mitte April wurde die Halle 2 im Rahmen der Ermittlungen der Polizei gegen Mitarbeiter der Wertstoffhöfe geschlossen. Am Samstag findet um 9 Uhr bis 15 Uhr ein letzter Abverkauf statt.

Johannes Welte

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