„Wir riechen das gar nicht mehr“ 

Landwirtschaft in München: Ein Besuch bei den Hauslers

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Ein Kraut, das in fast keinem Haushalt fehlt: Erwin Hausler vor einem riesigen Basilikum-Feld in seinem Gewächshaus.

In Feldmoching betreiben die Hauslers Landwirtschaft und eine Gärtnerei. Trotz der großkopferten Kundschaft geht es im Betrieb bodenständig zu.

München - 2.30 Uhr ist für die meisten tiefste Schlafenszeit. Bei Erwin Hausler klingelt da der Wecker. Eine halbe Stunde später ist der Gärtner schon unterwegs in Richtung Großmarkthalle. Dort verkauft er Kräuter und Essblüten. Alles stammt aus dem heimischen Betrieb in Feldmoching. Hauslers Essblüten standen schon bei einem Dinner des FC Bayern auf dem Tisch – oder bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Trotz der großkopferten Kundschaft geht es im Betrieb der Hauslers bodenständig zu. In Feldmoching betreiben sie Landwirtschaft und eine Gärtnerei. Die liegt an der Grashofstraße, genau an der Strecke, die viele Münchner im Sommer auf ihrem Weg zum Baden am Regattasee entlangradeln. 8000 Quadratmeter Gewächshaus, 3500 Quadratmeter Freiland, eine riesige Halle mit Büros, Kühlraum, Verpackungsstationen und Lager, 60 Hektar Felder. Kein Wunder, dass es überall nach Thymian, Basilikum, Minze und anderen feinen Küchenzutaten duftet. „Wir riechen das schon gar nicht mehr“, sagt Erwin Hausler und zuckt lachend mit den Schultern. Wir, das sind Hausler selbst, seine Frau, seine drei Kinder, die Schwiegersöhne in spe sowie um die 30 Angestellte.

Dass Erwin und Petra Hausler auf ihrem Stammhof Getreide und Mais und in der Gärtnerei Essblüten und Kräuter anbauen, liegt quasi in der Natur der Sache. Erwin stammt aus einer uralten Münchner Gärtnerfamilie. Petra ist in Feldmoching auf dem Bauernhof aufgewachsen. 1979 lernten sich die beiden kennen, 1982 wurde geheiratet. Dass sie den Weg zu den Kräutern fanden, lag an Erwin Hauslers Gespür für Trends – und daran, dass das Paar gerne zum Essen geht und Kochsendungen anschaut.

Das klassische Suppengrün verkauften schon Erwin Hauslers Eltern. Allerdings so nebenbei, wie es in einer Gärtnerei eben üblich ist. „Nur Kräuter zu verkaufen, das wäre damals noch nicht möglich gewesen“, sagt Hausler. Vor etwa 20 Jahren hatte der Landwirtschaftsmeister dann ein Schlüsselerlebnis. Bei einem Großhändler entdeckte er im Auslieferungslager Plastikbeutel mit Küchenkräutern. Hausler sah nach, woher das Grünzeug stammt: Frankfurt am Main. „Ich dachte mir, warum machen die das nicht mit einem Münchner Betrieb?“

Bald darauf waren die Hauslers die Ersten in der bayerischen Landeshauptstadt, die professionell Kräuter verpackten und lieferten. Das machen sie heute noch. In Beuteln und in speziell für die Feldmochinger Gärtnerei angefertigten Kunststoffschalen. So bleiben die Kräuter, richtig gelagert, bis zu einer Woche frisch. Die klassische Bundware – Kräutersträußchen mit Gummi drumherum – verdirbt viel schneller.

Mittlerweile baut das Familienunternehmen um die 60 Kräutersorten an, Klassiker und Ausgefallenes, in jüngerer Zeit auch viele Sorten Minze. „Wegen der Cocktails“, erklärt Erwin Hausler. Die Ware gibt es nicht nur verpackt, sondern auch als Topfkraut. Als Privatkunde kann man nicht direkt bei den Hauslers kaufen. Doch werden die Hausler-Kräuter am Viktualien- und Elisabethmarkt sowie in der Galeria Kaufhof am Marienplatz angeboten.

Der Kräuter-Clan: Das Foto zeigt die Familie Hausler, die den Betrieb in Feldmoching gemeinsam betreibt.

Eine besondere Spezialität der Hauslers sind Essblüten, die gerade in der gehobenen Gastronomie gefragt sind. Vor allem auf dem Großmarkt kommt Erwin Hausler in Kontakt mit den Wirten und Köchen. Sterne-Chefs und alle, die das gerne wären, verzieren ihre Salate, Suppen und Speisen mit Rosenblüten, Hornveilchen, Margeriten, Kapuzinerkresse oder Lavendel. „Vor allem bei den weiblichen Gästen im Restaurant kommt das an“, sagt Hausler. „Männer essen’s nicht. Der Bayer ist da sowieso a bisserl schwierig.“

Wer Blüten zu Hause einsetzen will, sollte sich freilich nicht in einem Gartencenter oder gar einem Supermarkt mit Blumen eindecken. „Die sind alle mit Pestiziden behandelt“, warnt der Gärtnerei-Chef. Bei den Hauslers sind die Essblüten gänzlich unbehandelt. Das ist Vorschrift. Nicht einmal biologische Schutzmittel sind erlaubt. Allenfalls Nützlinge wie Raubmilben dürfen eingesetzt werden. Bei den Kräutern sind die Vorgaben nicht so hart. Hier sind beim integrierten Anbau konventionelle Mittel erlaubt.

Während die Feldmochinger im Sommer alle Pflanzen selbst ziehen, gibt es im Winter nur Topfkräuter, Essblüten, Feldsalat und Wildkräuter wie Schafgarbe aus eigener Produktion. Den Rest beziehen sie dann aus Israel, Spanien oder Italien. Grund dafür sind die hohen Energiekosten in den bayerischen Wintern. Es würde sich schlicht nicht rentieren, das Gewächshaus so hochzuheizen, dass was gedeiht.

Für all jene, die ihr eigenes Kräutergewächshaus – Küche, Balkon oder Garten – nicht im Griff haben, hat Hausler als Gärtner in dritter Generation ein paar Tipps: „Die meisten wässern und düngen zu viel“. warnt er. Während Minze oder Schnittlauch durchaus ein bisschen mehr Wasser verlangen, brauchen die meisten mediterranen Kräuter gar nicht so viel Pflege. „In ihrer Heimat wachsen sie am Straßenrand.“ Außerdem sollte man seine Pflanzen stets von unten gießen. Wer die Blätter oben trocken hält, vermeidet, dass Pilze und Bakterien entstehen – und kann sich lange an frischen Kräutern erfreuen.

von Katrin Hildebrand

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Mein Feldmoching/Hasenbergl“.

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