Schwabenbächl

Ludwigsfeld: Denkmalschutz für KZ-Brücke

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Wahrlich nicht schön, aber historisch bedeutsam: die Brücke über das Schwabenbächl in Ludwigsfeld.

Die Brücke über das Schwabenbächl in Ludwigsfeld (Feldmoching-Hasenbergl) soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Dieser Wunsch der Stadt könnte auch Einfluss auf den geplanten Umbau der Karlsfelder Straße haben.

München - Von 1943 bis 1945 befand sich auf dem Gebiet der Gemarkung Ludwigsfeld das KZ-Außenlager Dachau-Allach. Die erhaltene Lagerbaracke an der Granatstraße 10 steht unter Denkmalschutz. Nun, so erfuhr der Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl von der Stadt, soll ein weiterer Bau in Ludwigsfeld im Interesse der Allgemeinheit erhalten werden: die Brücke über das Schwabenbächl. Die Nachricht sorgte für Verwirrung, denn es gibt zwei Brücken am Schwabenbächl: Über die ältere, steinerne führt heute die Karlsfelder Straße in Richtung MAN-Gelände. Die zweite wurde 1944 südlich davon als Holzbrücke errichtet. Von ihr existieren nur noch die Brückenlager. BA-Mitglied und Stadtteilhistoriker Klaus Mai (SPD) sagt: „Beide Brücken sind denkmalwürdig. Beide wurden extra für das KZ-Außenlager gebaut.“

Über die Brücken gelangten die Häftlinge auf die andere Seite des Schwabenbächls zum BMW-Werk, wo sie als Zwangsarbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften mussten. Zunächst erfolgte der Zugang über die Nordachse, also die heute noch bestehende Brücke. Dieser Weg führte vorbei an Wohnhäusern und durch ein Fremdarbeiterlager, das vom KZ abgetrennt war. In der Dämmerung gelang auf dieser Route einigen Häftlingen die Flucht. Um das zu verhindern, ließ die SS südlich davon eine zweite Brücke errichten. Diese sowie der gesamte neue Weg der Lagerinsassen zu BMW glich laut Klaus Mai einem lang gezogenen Käfig. Während die SS mit ihren Hunden außerhalb lief, mussten die Zwangsarbeiter untergehakt, zu fünft nebeneinander hinter Gittern marschieren.

Die Reste dieser einst eingezäunten Brücke aber haben wohl wenig Chancen auf Denkmalschutz. „Vollständig erhalten und somit als Baudenkmal anzusprechen ist die nördliche der beiden Brücken“, heißt es von Seiten des Planungsreferats. „Von der südlichen existieren nur noch Reste, die die geschichtliche Bedeutung nicht mehr ablesen lassen.“

Wie berichtet, soll die Karlsfelder Straße in Ludwigsfeld langfristig umgebaut werden. Das würde eventuell auch die nördliche Brücke betreffen. Stünde sie unter Denkmalschutz, könnte das die dringend notwendige Umgestaltung verkomplizieren. Der Bezirksausschuss gab in seiner Sitzung zu bedenken, dass die Denkmalwürdigkeit einer Verlegung der Karlsfelder Straße natürlich nicht im Wege stehen dürfe.

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