Es geht um 310.000 Euro

Zockten Kinderhaus-Chefs die Spenden ab?

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Gardeep C. (li.) und Michaela C. vor Gericht. Ihre Anwälte stellen unzählige Anträge.

München - Die Chefs des Montessori-Kinderhauses sitzen auf der Anklagebank: Sie haben laut Staatsanwaltschaft Spendengelder in die eigene Tasche gesteckt – mindestens 310.000 Euro!

Michaela C. (41) galt lange als Engel für Kinder aus sozial schwachen Familien. Von 1999 bis 2009 war sie Leiterin des Montessori-Kinderhauses Wintersteinstraße im Hasenbergl. Sie und ihr aus Indien stammender Mann Gardeep (41) engagierten sich viele Jahre im Vorstand der Vereine Kinder ohne Hunger und Hasenbergler Mütterinitiative (HMI). Jetzt sitzen die Eheleute allerdings auf der Anklagebank: Sie haben laut Staatsanwaltschaft Spendengelder in die eigene Tasche gesteckt – mindestens 310.000 Euro!

„Die strahlenden und glücklichen Gesichter der Kinder“, sagte Michaela C. in einem Interview im Jahr 2005, seien für sie „sehr beglückend“. Beglückend dürfte für sie vor allem gewesen sein, dass jahrelang niemand so genau auf die Kasse achtete. Ein Mitglied des Vorstandes, so der Kriminalbeamte Robert M., sei ihr schließlich doch auf die Schliche gekommen und habe Strafantrag gestellt.

Die Ermittlungen führten rasch zu Unstimmigkeiten, etwa bei den Lebensmittel-Einkäufen. Beliefert wurde die gemeinnützige Einrichtung von der Münchner Tafel e. V. Für zusätzliche Einkäufe, so der Kriminalbeamte, gaben die Mitarbeiterinnen 100 bis 200 Euro im Monat aus. Doch auch die Eheleute C. selbst waren fleißig am Einkaufen – angeblich für die Kinder. Doch wofür sollten die Kleinen etwa Zigaretten und Bräunungscreme brauchen? Je mehr die Kriminaler in die Bücher schauten, desto mehr Unstimmigkeiten traten zutage. Beispiel: 39 Einkaufsbelege waren eindeutig gefälscht! Auffallend auch: Die Konten des Paares wiesen keinerlei Bewegungen auf. Und beim Trägerverein wurde eine doppelte Buchführung entdeckt.

Staatsanwalt Andreas Bayer ermittelte, das die Angeklagten 407.500 Euro in bar abhoben. Davon sollen sie 310.836 Euro für sich behalten haben. Weitere Anklagepunkte: Gegenüber den Kostenträgern, dem Freistaat und der Stadt München, wurden falsche Angaben gemacht: Statt zwei Fachkräften pro Kindergruppe wurde nur eine Fachkraft und eine Mutter beschäftigt. Der Schaden allein hiervon: 137.822 Euro.

Die Angeklagten schweigen. Ihr Anwälte ziehen den Prozess mit unzähligen Anträgen in die Länge. Gegen Richterin Melanie Lenz und die beiden Schöffen haben sie sogar einen Befangenheitantrag gestellt.

Eberhard Unfried

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