Müllautos fahren einfach vorbei

Müll-Lotto in der Fasanerie: Anwohner sauer

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Tonne mal wieder voll: Hanns-Christian Hasenclever aus dem Barbinger Weg.

München - Am Barbinger Weg in der Fasanerie werden die Abfall-Tonnen nur unter günstigen Umständen geleert. Wenn in dem Weg irgendwo ein Auto parkt, fahren die Müllwagen einfach weiter. Den Anwohnern stinkt das gewaltig.

Am Härtesten war es im Sommer. Da stanken vor allem die Biotonnen zum Himmel. Und das zwei Wochen lang, bis sie endlich abgeholt wurden. Doch nicht nur mit den organischen Abfüllen, auch mit Papier- und Restmüll haben die Anwohner des Barbinger Wegs seit einem halben Jahr große Probleme. Mittlerweile nämlich kommt die Müllabfuhr nur noch in die Sackgasse in der Fasanerie, wenn dort kein Auto parkt. Steht ein Fahrzeug an der Straße, fährt sie einfach nicht hinein. Die Bewohner bleiben auf ihren Abfällen sitzen.

Oliver Venohr lebt seit 2014 am Barbinger Weg. „Früher hat alles geklappt“, sagt er. „Aber mittlerweile ist es wie Lottospielen. Wir stellen die Tonnen raus und sind dann froh, wenn sie geleert wurden.“ Normalerweise wird jeden Montag der Restmüll abgeholt, donnerstags und freitags im Zwei-Wochen-Takt sind dann Bioabfälle und Altpapier dran. Theoretisch. Praktisch sieht es anders aus. Am Freitag vor Weihnachten etwa nahm die Müllabfuhr das Papier nicht mit, vier Wochen zuvor war es der Biomüll.

Nach Schätzungen von Venohrs Nachbar Hanns-Christian Hasenclever funktionieren nur sieben bis acht von zehn Abholungen. „Der aktuelle Zustand ist unbefriedigend“, sagt er. Um auf die Misere hinzuweisen, hat Hasenclever nun einen Antrag beim Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl eingereicht. „Nie ist sicher, ob die Müllabfuhr nun leert oder eben nicht, weil ein Anwohner, Handwerker oder Transporteur zufällig zum Zeitpunkt des Eintreffens der Müllabfuhr im Barbinger Weg parkt oder hält.“

Dem Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) ist das Problem bekannt. Der Müllabfuhr bietet sich am Barbinger Weg folgende Situation: Die Sackgasse ist sechs Meter breit und hat keine erhöhten Bürgersteige. Stattdessen gibt es beidseitig mit Platten gepflasterte Randstreifen. Der südliche Streifen besitzt eine Regenabflusssenke. Sie weist seit einiger Zeit zahlreiche Schäden auf.

Laut AWM benötigt ein Müllwagen eine Durchfahrtsbreite von mindestens 3,05 Meter beim Vorwärtsfahren und 3,55 Meter, wenn er rückwärts gelenkt wird. Das gebieten die Unfallverhütungsvorschriften. Theoretisch müsste der Laster am Barbinger Weg aber nicht einmal rückwärts fahren. An ihrem Ende besitzt die Sackstraße nämlich eine Wendemöglichkeit. Dort besteht Halteverbot. Aber: „Dieses Halteverbot wird leider oft nicht eingehalten“, erklärt eine Sprecherin des AWM, „so dass der Kraftfahrer entweder bereits rückwärts in den Barbinger Weg einfahren muss oder zumindest damit rechnen muss, rückwärts wieder hinausfahren zu müssen. Es ist also in jedem Fall eine Durchfahrtsbreite von mindestens 3,55 Meter notwendig.“

Ob in der Straße genug Platz für den Müllwagen ist, entscheiden der Fahrer und der Vorarbeiter jeweils vor Ort, wenn sie die Parksituation in Augenschein nehmen. Die Anwohner des Barbinger Wegs wissen mittlerweile, dass die Müllabfuhr Platz braucht und stellen ihre Autos nicht mehr an der Straße ab, sondern auf ihren Grundstücken. Immer wieder aber passiert es, dass trotzdem ein Wagen im Weg steht, sei es der eines Lieferanten oder eines unwissenden Besuchers. Häufig sind auch Handwerker vor Ort, denn in den vergangenen Jahren wurde am Barbinger Weg viel neu gebaut.

Verschärft wird die Lage dadurch, dass der südliche Randstreifen der Straße seit einiger Zeit nicht mehr befahrbar ist. „Diese Regenabflusssenke ist nicht für Traglasten eines Müllfahrzeuges ausgelegt; tatsächlich haben sich an dieser Stelle bereits Schäden gebildet, für die der AWM unter Umständen zur Verantwortung gezogen wird“, heißt es von Seiten der Stadt.

Hanns-Christian Hasenclever schlägt ein zeitlich begrenztes, beidseitiges Halteverbot vor. So etwas hatte auch der AWM vor Augen. Doch wurde das von ihm beantragte einseitige Halteverbot vom Kreisverwaltungsreferat abgelehnt, wohl „weil der Parkdruck zu groß würde“. Laut AWM parken nämlich oft im vorderen Teil des Barbinger Wegs Fahrzeuge, „so dass das Halteverbot für die ganze Straße beantragt werden musste“. Ein Teil-Halteverbot wäre leichter durchzusetzen.

Eine weitere Möglichkeit wäre laut AWM ein für das Müllfahrzeug leicht zugänglicher Sammelplatz für die Tonnen am Anfang des Barbinger Wegs. Dorthin müssten die Anwohner ihre Abfallbehälter am jeweiligen Tag selbst rollen. Doch nicht alle finden diese Idee gut. Eine solche Maßnahme allerdings hat anderswo schon gefruchtet: So wurde die Müllsituation am Regattaweg an der Ruderregattastrecke geklärt. Der kommunale Betrieb wünscht sich eine baldige Lösung der Stadt für den Barbinger Weg. So lange spielen deren Anwohner weiter Müll-Lotto.

Katrin Hildebrand

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