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Baum-Massaker durch geplanten BMW-Tunnel? Studie lässt aufhorchen – „Ich fände das krass“

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Von: Julian Limmer, Klaus Vick

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Durch den Tunnel unterm Hasenbergl sollten Autobahn und das BMW-Forschungszentrum verbunden werden
Durch den Tunnel unterm Hasenbergl sollten Autobahn und das BMW-Forschungszentrum verbunden werden. © fkn

Der Bau eines BMW-Tunnels im Norden von München bleibt umstritten. Gegner des Projekts haben jetzt ein weiteres Argument gegen das Vorhaben: eine erschreckende Greenpeace-Studie.

München - Dicke, alte Bäume, in denen Vögel brüten, könnten für immer verschwinden, sagt Volker Oppermann von Greenpeace München. Insgesamt seien durch den möglichen Tunnelbau durch das Hasenbergl bis zu 710 Bäume von einer Rodung bedroht. Auf diese Zahlen kommt eine neue Studie von Greenpeace. Dafür haben die Naturschützer einen potenziellen Trassenverlauf unter die Lupe genommen.

Als Grundlage diente die momentan diskutiere Variante einer unterirdischen Lösung. Dabei würde der Bereich zunächst ausgehoben und später mit einem Deckel über der Fahrbahn verschlossen. „Es geht nicht nur um ein paar Wiesen, sondern auch ein kleines Wäldchen wäre vom Bau betroffen“, sagt Oppermann. Auch wenn die Oberfläche nach dem Bau wieder begrünt würde, hält er die Folgen für lang anhaltend: „Es würde viele Jahrzehnte dauern, bis das ursprüngliche Ökosystem wieder hergestellt ist.“

München: Stadtrat bezüglich Tunnelbau gespalten - „Reine Spekulation“

Die SPD-/Volt-Fraktion im Stadtrat will dennoch an der Planfeststellung für den Tunnel München-Nord festhalten. „Die Zahl der angeblich zu fällenden Bäume ist reine Spekulation“, sagt der Fraktionsvorsitzende Christian Müller (SPD). Noch sei überhaupt nicht klar, wie der Tunnel letztendlich gebaut würde. Man müsse sowohl die Interessen der Anwohner als auch die des Umweltschutzes und der örtlichen Unternehmen berücksichtigen, sagt Müller. Ein Tunnelbau müsse jedoch so erfolgen, dass Menschen, Stadtbezirk und Natur so wenig wie möglich beeinträchtigt würden.

Die Grünen im Stadtrat sehen das Projekt kritischer: „Wenn tatsächlich so viele Bäume fallen müssten, wäre dies ein weiteres gewichtiges Argument gegen diese Tunnelplanung“, sagt der Grünen-Fraktionschef Florian Roth. Denn: Für die Zeit, bis die Bäume nachwachsen, sei der Bau „ein Schaden für die Menschen und für viele Tiere“. Die Grünen wollen sich lieber auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs im Münchner Norden konzentrieren. Er stellt aber klar: Das Tunnel-Thema – das am Montag auch im Koalitionsrat diskutiert wurde – sei kein Grund, um die Zusammenarbeit insgesamt infrage zu stellen. Vermutlich wird das Projekt im Juni im Stadtrat behandelt.

Prachtbäume in Gefahr: Ein Tunnel durch das Hasenbergl soll angeblich Hunderte Bäume das Leben kosten
Prachtbäume in Gefahr: Ein Tunnel durch das Hasenbergl soll angeblich Hunderte Bäume das Leben kosten. © Google

In der Vergangenheit haben auch Anwohner gegen das Projekt protestiert. Einer davon ist der Student Philipp B. (21). Er ist in der Umgebung aufgewachsen, hat oft in dem Park gespielt: „Wenn jetzt so viele dieser Bäume verschwinden, fände ich das krass!“ Weiterer Protest ist zu erwarten.

BMW und der geplante Tunnelbau in München - Das steckt dahinter

Der Tunnel ist in erster Linie dazu gedacht, das Forschungs- und Innovationszentrum „FIZ Future“ von BMW an die Autobahn A99 anzubinden. Dort sollen nämlich bis 2050 rund 15 000 neue Arbeitsplätze entstehen. Die regierende Rathaus-Koalition geht beim Thema ausnahmsweise getrennte Wege. So lehnen die Grünen aus Naturschutzgründen eine Tunnellösung ab. Der Regierungspartner SPD muss sich daher andere Mehrheiten suchen, damit die Stadt die vertiefte Planung für den Tunnel einleiten kann. Dabei ist davon auszugehen, dass die SPD die Planung mit CSU, FDP und Freien Wählern auf den Weg bringen wird. 

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