Pläne für Zukunft der Siedlung 

Bürger wollen besser informiert werden: Gutachten-Zoff in Ludwigsfeld

Im Norden der Stadt liegt die Siedlung Ludwigsfeld. Die farblichen Fläche zeigen einen Entwurf für die Zukunft.

Gut 130 Menschen sind zum Bürgerdialog über die Zukunft der Siedlung Ludwigsfeld gekommen. Im Zentrum standen die Fragen nach einer fairen Beteiligung der Anwohner sowie eine hitzige Debatte um vier von den Grundstückseigentümern in Auftrag gegebene Gutachten.

Die Ludwigsfelder und auch der Chef des Bezirksausschusses fordern deren Veröffentlichung.

Die Menschen sind skeptisch. Die Siedlung Ludwigsfeld im Westen Feldmochings soll wachsen. Angedacht sind neue Wohnungen, eine Grundschule und eine erweiterte Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten und vielem mehr. Die privaten Grundstückseigentümer, die Wohnungsgesellschaft Ludwigsfeld, die Ludwigsfelder Grund und die Projektgesellschaft Granatstraße 12, hatten mit der Stadt München nun die Anwohner zu einem Bürgerdialog ins Bürgerhaus Karlsfeld geladen. Doch die Skepsis ist groß.

Furcht vor dem Verkehrskollaps

„In den vergangenen 20 Jahren wurde sich um Ludwigsfeld von Seiten der Stadt kaum gekümmert, jetzt sind wir natürlich kritisch“, fasste Esther Reed von der Kulturgemeinschaft Ludwigsfeld (KUGEL) die Stimmung in der Bevölkerung zusammen. Sorgen bereitet den Ludwigsfeldern unter anderem ein durch eine Nachverdichtung möglicher Mietanstieg, vor allem aber die prekäre Verkehrssituation im Viertel. Schon jetzt gibt es Parkplatzmangel, außerdem ist die öffentliche Anbindung mit nur drei Buslinien dürftig. Die Furcht vor dem Verkehrskollaps hatte auch eine nicht repräsentative Umfrage der Eigentümer ergeben. Diese hatten einen Fragebogen in Ludwigsfeld verteilt und zudem bei vier Rundgängen durch die Siedlung mit Anwohnern diskutiert.

Den größten Zündstoff beim Bürgerdialog boten jedoch vier von den potenziellen Bauherren in Auftrag gegebene Gutachten zu Verkehr, Naturschutz, Klima und Immissionen. Die Stadt ließ die Expertisen von eigenen Fachleuten gegenprüfen. Auf Druck von Lokalpolitik und Bürgern wurden die Gutachten bei einem separaten Termin den Ludwigsfelder Vereinen und dem Bezirksausschuss vorgestellt, allerdings nur in zusammengefasster Version. Mittlerweile sind sie auch auf der Website der Eigentümer, www.ludwigsfeld-im-dialog.de abrufbar.

IGLU-Sprecherin: Im öffentlichen Diskurs alle Fakten prüfen

Die Anwohner fordern allerdings mehr. Sie wollen die ausführlichen Originale. „Wir versuchen seit Juli an die Gutachten heranzukommen“, sagte Petra Grünwald von der Interessengemeinschaft Ludwigsfeld (IGLU). „Bisher erfolglos. Dürfen wir sie jetzt einsehen? Und wenn nicht, warum?“ Markus Auerbach (SPD), Vorsitzender des Bezirksausschusses Feldmoching-Hasenbergl, unterstützte das Anliegen der Bürger: „Ich glaube nicht, dass es Gefällkigkeitsgutachten sind. Aber ich möchte in einem öffentlichen Diskurs die Möglichkeit, alle Fakten zu prüfen, die hier eingeführt worden sind.“

Christoph Jaenicke von der Ludwigsfelder Grund äußerte sich gegenteilig. Ihm zufolge setzten die Originalgutachten eine entsprechende Qualifikation und ein umfangreiches Tiefenwissen des Lesers voraus. Gert Billand, Vertreter der Wohnungsgesellschaft Ludwigsfeld, schlug einen Kompromiss vor: „Vielleicht sollte sich der Gutachter der Anwohner mit unserem Gutachter zusammensetzen. Mit der Veröffentlichung hätte ich persönlich kein Problem, aber da gibt es unterschiedliche Informationspolitiken der Eigentümer.“

Wichtig war den Ludwigsfeldern auch eine bessere Einbindung in den Planungsprozess. Bisher seien sie der vorgegebenen Entwicklung der Stadt immer hinterhergehetzt. Nun fordern sie eine stärkere Beteiligung vor dem Eckdatenbeschluss durch den Stadtrat. Dieser ist vage für 2020 vorgesehen.

In welchem Umfang Ludwigsfeld nachverdichtet werden soll, ist noch nicht entschieden. Ein Verkehrsgutachten sieht die theoretische Möglichkeit für 2100 neue Wohneinheiten. Aktuell sind es lediglich 850 in der Siedlung. Stadt und Eigentümer wollen sich jedoch noch nicht auf eine Zahl festlegen. Das sei erst zu ermitteln. Eine Verdichtung scheint aber wahrscheinlich. „Die Siedlung hat viele Mängel“, sagte Katja Strohhäker vom Planungsreferat. „Wir können Einkaufsmöglichkeiten, soziale Treffpunkte, Schulen und Kitas und Parkplätze nur unterbringen, wenn Wohnungen dazukommen.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Feldmoching-Hasenbergl – mein Viertel“

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