Absage erteilt

Sie wollen Münchnern auf der Suche nach günstigem Wohnraum helfen, die Stadt lässt sie aber nicht

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Sozial eingestellt: Christoph Roth-Gschwendtner und Isabella Roth in ihren Krautgärten.

Eine Familie will in der Fasanerie günstigen Wohnraum schaffen – für Mitarbeiter von Wohlfahrtsverbänden, die sich das Leben in München sonst nicht leisten können. Doch sie dürfen nicht.

  • Seit Jahren steigen die Preise auf dem Münchner Immobilienmarkt kontinuierlich.
  • Eine private Initiative plant die Anschaffung von bezahlbarem Wohnraum.
  • Doch der Traum ist kaum mehr realisierbar: Stadt München erteilt eine Abfuhr.
  • Mehr zum Thema erfahren Sie in unserer tz-App. Wie der Download funktioniert, erklären wir in diesem Artikel.

München braucht erschwingliche Mieten. Nicht nur für die ganz Bedürftigen, auch für die Mittelschicht. Das Volksbegehren Mietenstopp, dessen Gesetzentwurf aktuell beim Innenministerium liegt, zeigt auf seinen Aktionsplakaten drei betroffene Gruppen: einen Polizisten, eine Seniorin und eine Krankenschwester. Letzterer – und vielen ihrer Kollegen – wollen Isabella Roth und ihr Sohn Christoph Roth-Gschwendtner schon seit Jahren günstigen Wohnraum bieten. Doch die Stadt München lässt sie nicht.

Mietmarkt München: Günstige Wohnungen Fehlanzeige?

In der nördlichen Fasanerie betreibt Christoph Roth-Geschwendtner einen Krautgarten. Jeweils für eine Saison verpachtet er auf seinem Acker nördlich des Schnepfenwegs Parzellen zum Bepflanzen. Viel lieber als das würden er und Isabella Roth allerdings den Grund bebauen lassen. Und das nicht möglichst gewinnbringend, sondern für einen guten Zweck. Zusammen mit einem nach Norden anschließenden, ähnlich geformten Grundstück der Stadt ergäbe das Roth’sche Areal ein langgezogenes Rechteck. Dieses böte Platz für eine Zufahrtsstraße in der Mitte sowie etwa 26 Häuser mit ungefähr 120 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen. „Natürlich würden alle Häuser in der Höhe an den Bestand angepasst“, sagt Isabella Roth. „Nur Erdgeschoss, erster Stock und ausgebautes Dach. Wir würden sogar die Last der Straße auf unserem Grundstück tragen.“

Den Grund und die Wohnungen wollen die Roths drei großen paritätischen Wohlfahrtsverbänden auf Erbpacht übergeben. Verhandlungen und Gespräche fanden bereits statt. „Die suchen händeringend nach Grundstücken bzw. der Möglichkeit, ihre Mitarbeiter unterzubringen. Anders als die Stadt können sie keine günstigen Personalwohnungen anbieten“, erklärt Roth.

Doch günstig sollten und müssten die Wohnungen sein. Die Verbände beschäftigen viele Pflegekräfte, Erzieher, Ergo- und Physiotherapeuten. Die können sich – wie mittlerweile die meisten Münchner – keine luxussanierte Schickimickibleibe in der Isarvorstadt leisten.

Nach langem Hin und Her bekommt München sein zweites Windrad. Der Riesen-Rotor soll noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Derzeit wird das Fundament für das Projekt vorbereitet.

Privater sozialer Wohnungsbau: Darum gibt es kein „grünes Licht“

Doch gibt es ein entscheidendes Hindernis für die Roth’schen Pläne: Damit aus dem Land Baugrund werden kann, müsste die Stadt den Flächennutzungsplan ändern. Aktuell schreibt dieser das Areal als Kleingärten aus. Ein Wohnbaurecht besteht nicht. Seit 2018 liegt das Grundstück zudem im Planungsgebiet des Kooperativen Stadtentwicklungsmodells (KOSMO).

Das Areal an der Sonnentaustraße in der Fasanerie böte Platz für 120 Wohnungen.

Vor diesem Hintergrund scheint der Wunsch der Eigentümer kaum mehr realisierbar: „Eine kleinteilige Entwicklung von einzelnen Vorhaben im Umgriff von KOSMO wird nicht als zielführend beurteilt“, sagt das Planungsreferat auf Anfrage unserer Zeitung. Das widerspreche einer großräumigen und ganzheitlichen Planung, wie bei KOSMO angedacht.

Münchens Immobilienblase und die Gefahr von Investoren

Auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk persönlich erteilte den Roths aus diesen Gründen eine Absage für ihr Projekt. Theoretisch gäbe es natürlich die Möglichkeit, dass die Familie ihr etwa 11.300 Quadratmeter großes Grundstück an die Stadt verkauft. Das allerdings will sie auf keinen Fall, wie Isabella Roth erklärt: „Damit würden wir die Chance vertun, dass die Fläche einer sozialen Nutzung zugeführt wird.“ Sie befürchtet, der Grund könnte in den Händen von Investoren landen, wie bei der Privatisierung von Tausenden Wohnungen im Jahr 2013.

Eine soziale Nutzung ist Isabella Roth und Christoph Roth-Gschwendtner äußerst wichtig. Bevor die Roths den Krautgarten aufmachten, wollten sie auf dem Areal einen Tiertherapiehof für Kinder eröffnen. Die Stadt München allerdings riet ihnen davon ab. Anwohner könnten klagen und hätten große Chancen, vor Gericht Recht zu bekommen. Einzig machbare Alternative war der Krautgarten. So wird nun auch dieses Jahr auf dem Acker wieder gegärtnert, während günstiger Wohnraum knapp bleibt.

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